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| 02:43 Uhr

Kambodschas Textilarbeiterinnen kämpfen um mehr Geld

Arbeitskampf in Kambodscha – manche Textilfabriken werden be streikt, aus anderen wurden die Arbeiterinnen ausgesperrt.
Arbeitskampf in Kambodscha – manche Textilfabriken werden be streikt, aus anderen wurden die Arbeiterinnen ausgesperrt. FOTO: dpa
Phnom Penh. T-Shirts für drei Euro, Schuhe für neun: Wenn Verbraucher in Europa Billigware verlangen, geht das auch auf Kosten der Arbeiter in Entwicklungsländern. Kambodschas Näherinnen haben die Nase voll. Abby Seiff / dpa/bl

Chenda ist eine von 600 000 Arbeiterinnen, die in Kambodschas Textilfabriken für europäische und amerikanische Kleidungshersteller näht. Umgerechnet knapp 60 Euro bekommt sie im Monat - zum Leben kaum genug, sagt die 34-Jährige in der Hauptstadt Phnom Penh. Mit ihren Kolleginnen kämpft sie für höhere Löhne. Seit Tagen werden Fabriken bestreikt, in anderen Fällen haben die Besitzer Arbeiter ausgesperrt. Die Gewerkschaften müssen es mit der Regierung und den Fabrikbesitzern aufnehmen.

Die Regierung unter dem autoritären Langzeit-Regierungschef Hun Sen braucht die Deviseneinnahmen. Der Textilsektor bringt im Jahr mehr als 3,6 Milliarden Euro und macht damit 80 Prozent des Exportgeschäfts aus. Unter dem Druck der Arbeiter wurde der Mindestlohn in der Branche gerade auf gut 70 Euro erhöht. Die Gewerkschaften verlangen 115 Euro.

"Ich wollte meine sechsjährige Tochter zu mir holen, sie lebt bei meinen Eltern in der Provinz", sagt Chenda. "Aber von dem Geld kann ich mir keinen Babysitter leisten." Die Gewerkschaft will nicht aufgeben. "Wer meint, das Geld reiche, soll mal ausprobieren, einen Monat wie die Arbeiter zu leben", sagt Gewerkschaftsführer Kong Athit. Chenda macht wie viele Überstunden, um über die Runden zu kommen.

Kamdbodscha ist bei Weitem nicht das einzige Land, in dem die Produktionsbedingungen für Textilarbeiter schlecht sind. Hinzu kommen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und Baumängel. Im April 2013 war in Bangladesch ein Fabrikgebäude in der Nähe der Hauptstadt Dhaka in sich zusammengestürzt, dabei starben mehr als 1100 Menschen, fast 2500 wurden verletzt. Das Unglück hatte bei Verbrauchern und Herstellern in wohlhabenderen Ländern eine Diskussion über ethischen Konsum entfacht.

Noch lassen in Kambodscha Firmen wie Levi's, Walmart, Puma, Adidas und H&M Kleidung und Schuhe fertigen. "Wir ermutigen alle, diesen Konflikt mit einer zufriedenstellenden Lösung zu beenden", sagt Elin Hallerby, Sprecherin des schwedischen Unternehmens H&M.

Im internationalen Vergleich ist Kambodscha ein kleiner Fisch. Laut McKinsey-Experten hat China 18 000 Textilfabriken, Indien 11 000 und Bangladesch 5000. Kambodscha kommt mit 250 erst auf dem siebten Platz. Viele Unternehmen sähen dort aber großes Wachstumspotenzial. Wenn die Preise stimmen.