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Kalter Januar bremst Arbeitsmarkt

Cottbus/Bautzen. "Saisonbedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit" ist eine Formulierung, die Arbeitsmarktexperten zu Beginn jeden neuen Jahres nutzen. Für Ostsachsen und Südbrandenburg trifft sie für den zu Ende gegangenen, vergleichsweise frostigen Januar zu. Andrea Hilscher

In Südbrandenburg waren im vergangenen Monat 27 494 Menschen ohne Arbeit - 2466 mehr als im Dezember 2016. Trotzdem spricht Heinz-Wilhelm Müller, Chef der Arbeitsagentur Cottbus, von einem "satten Rückgang der Arbeitslosigkeit" - im Vergleich zum Januar 2016 suchen in der Region 3829 Menschen weniger einen Job. Die Arbeitslosenquote liegt damit aktuell bei 8,7 Prozent (Bundesdurchschnitt: 6,3 Prozent). Eine andere Zahl macht den Agenturchef unzufrieden: Die Jugendarbeitslosigkeit, deren Bekämpfung er sich seit Jahren explizit auf die Fahnen geschrieben hat, ist im Januar über die magische Fünfprozentmarke auf 5,2 Prozent angestiegen. In Südbrandenburg sind derzeit rund 1800 Jugendliche ohne Ausbildung auf der Suche nach einer Beschäftigung. "Bis zum Sommer wollen wir wenigstens ein Drittel von ihnen in Ausbildung bringen", so Müllers Plan. Die Region könne es sich nicht leisten, dass Jahr für Jahr rund 600 Lehrstellen unbesetzt blieben.

In Ostsachsen ist die Situation auf dem Stellenmarkt ähnlich: Im Januar waren 25 258 Menschen arbeitslos gemeldet, elf Prozent mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 8,8 Prozent (Januar 2016: 9,9 Prozent).

Auch hier sei der Anstieg gegenüber Dezember saisonbedingt, so Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen. Die Nachfrage nach Fachkräften sei dennoch hoch, im Januar wurden im Agenturbezirk 958 neue sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Allein 350 Jobs kommen aus den Bereichen Zeitarbeit, kaufmännische Jobs in Reisebüros, Wach- und Sicherheitsgewerbe, Call Center oder Hausmeisterdienste.

Drängendes Problem sowohl in Ostsachsen als auch in Südbrandenburg: Flüchtlinge zu qualifizieren und in Ausbildung oder Arbeit zu bringen. Thomas Berndt: "Jeder vierte Asylsuchende ist in der Region unter 25 Jahren. Hier ist das Potenzial hoch, Fachkräfte für die regionale Wirtschaft zu gewinnen."

Dafür aber braucht es einen langen Atem: Eine Vielzahl der Flüchtlinge hat keinen Schul- oder Berufsabschluss, Deutschkenntnisse sind kaum vorhanden.