Am Montag soll es zudem nach Medienberichten im Aufsichtsrat zum offenen Machtkampf zwischen Ferdinand Piëch als Vertreter des neuen Großaktionärs Porsche und einer Gruppe um den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) kommen. Ziel ist demnach der Sturz Piëchs, um den Einfluss des Porsche-Clans zu bremsen.
Bei den gegen Hartz eingeleiteten Ermittlungen geht es um überhöhte Abrechnungen von Spesen durch führende Betriebsräte für "Lustreisen" unter anderem nach Brasilien sowie für Bordellbesuche. Hartz hatte jede Beteiligung bestritten und will mit seinem Rücktritt bei VW im Juli lediglich "die übergeordnete Verantwortung" übernommen haben. Die Staatsanwaltschaft aber vermutet, dass seine Angaben bei einer Vernehmung vor einigen Tagen "mindestens in Teilbereichen nicht der Wahrheit entsprechen".
Offen ist weiter, ob auch Aufsichtsratschef Piëch in die Korruptionsaffäre hineingezogen wird. Er hatte als Vorstandschef Hartz 1993 nach Wolfsburg geholt und dessen Prinzip der engen Verbindung zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung mitgetragen. Zu einer möglichen Vernehmung Piëchs und des aktuellen Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht festlegen: "Ob weitere Personen ins Blickfeld kommen, wird vom Ergebnis der weiteren Ermittlungen abhängen."
Im Streit um die Rolle Piëchs im Aufsichtsrat wollen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" am Montag fünf bis zehn Kontrolleure der Kapitalseite gegen den wachsenden Einfluss von Porsche rebellieren. Die Aufsichtsräte in Wolfsburg befürchten, dass Porsche de facto die Kontrolle bei VW übernimmt, wenn Piëch weiter Aufsichtsratschef bleibt. Die Familien Piëch und Porsche kontrollieren den Sportwagenbauer, der mit knapp 20 Prozent größter Anteilseigner bei Volkswagen werden will und entsprechende Sitze in dem Gremium fordert.
Porsche hat nach eigenen Angaben bislang 18,53 Prozent der VW-Anteile erworben und will weitere 3,4 Prozent zukaufen. (AFP/maf)