Bär und Bulle - die Symbole der Börse.Die "Bullen" an der Wall Street hoffen, dass ein rascher militärischer Sieg der Amerikaner im Falle eines Irak-Kriegs den US-Börsen nach mehr als dreijähriger Talfahrt endlich wieder ein längeres Hoch (Hausse) bringen könnte.
Die "Bären" oder Anhänger der Baisse (anhaltendes Tief der Aktienkurse) verweisen hingegen auf die Gefahren für die Wertpapiermärkte, falls sich der Irak-Konflikt länger hinziehen oder falls es zu neuen Terrorattacken kommen sollte. "In New York . . . sind die Terrorängste immer da", schreibt das "Wall Street Journal".

Hohe Verluste
Der Dow-Jones-Index notiert momentan mit 7908 Punkten gegenüber seinem am 14. Januar 2000 verbuchten Rekordstand von 11 722,98 Punkten. Das bekannteste US-Börsenbarometer befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 1998. Der mit Technologieaktien vollgepackte Nasdaq-Index liegt bei 1310 Punkten gegenüber 5048,62 Punkten im März 2000. - Ein Verlust von 74 Prozent und der niedrigste Stand seit 1996.
Die Gewinne von 900 großen amerikanischen Unternehmen sind nach einer Erhebung des US-Wirtschaftsmagazins "Business Week" im vergangenen Jahr nur um sieben Prozent gestiegen und lagen um 50 Prozent unter denen des Jahres 2000. Das Magazin geht für 2003 ebenfalls nur von einem bescheidenen Gewinnanstieg von zehn Prozent aus.
Die Aktien der großen US-Unternehmen werden momentan mit dem 15-fachen ihrer operativen Gewinne gehandelt. Klammert man jedoch Sonderfaktoren aus, dann liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis noch um ein Drittel höher als normal. Damit sind die US-Aktien nach Meinung der Baissevertreter noch immer überteuert.

Zurückhaltung bei Verbrauchern
Die US-Wirtschaft hat im vierten Quartal 2002 nur mit einer dürftigen hochgerechneten Jahresrate von 0,7 Prozent zugelegt, während das US-Bruttoinlandsprodukt 2002 insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent gestiegen ist. Die amerikanischen Verbraucher tragen die Wirtschaft weiterhin, doch sind sie angesichts der Sorgen vor einem Irak-Krieg und hoher Arbeitslosenzahlen etwas zurückhaltender geworden.
Die US-Unternehmen investieren angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage nur verhalten. Im ersten Quartal 2003 dürfte die US-Wirtschaft jedoch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 2,6 Prozent zulegen und im zweiten Quartal mit drei Prozent. Dies haben 55 amerikanische Wirtschaftsweise prognostiziert, die das "Wall Street Journal" befragt hat.
Die hohen Ölpreise, die innerhalb Jahresfrist von 20 Dollar auf mehr als 35 Dollar je Barrel gestiegen sind, wirken als Konjunkturbremse. Die US-Wirtschaft dürfte rasch an Fahrt gewinnen, falls mögliche Kämpfe im Irak schnell beendet werden und Saddam Hussein die Macht verlieren sollte, glauben fast zwei Drittel der befragten amerikanischen Wirtschaftsexperten.