"Ich halte es für wahrscheinlich, dass wir unsere Prognose vom Dezember leicht nach unten korrigieren müssen", sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg gestern in Brüssel. Er bleibe aber dabei, dass die Wirtschaft von der zweiten Jahreshälfte an wieder wachsen könne.
Im in Frankfurt am Main veröffentlichten Monatsbericht der Bundesbank heißt es, die Schwäche der Weltwirtschaft ende erst, wenn die bestehenden großen Vertrauensdefizite und Unsicherheiten wieder nachließen. In ihrer Dezember-Prognose rechnete die EZB in den zwölf Staaten der Währungsunion mit einem Wachstum von 1,1 bis 2,1 Prozent. Die EU-Kommission geht bislang von einem Wachstum von 1,8 Prozent aus, erwägt aber auch eine Korrektur.
Duisenberg sagte: "Weitere Turbulenzen auf den Ölmärkten könnten negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Tätigkeit in der ganzen Welt haben und deshalb auch auf die Beschäftigung in der Eurozone." Eine unmittelbare Leitzinssenkung wegen der Irak-Krise werde es aber nicht geben, ließ er durchblicken.
Nach Einschätzung der Bundesbank besteht keine Rezessionsgefahr. Die weltweiten Rahmenbedingungen seien zu Jahresbeginn 2003 eher ungünstig gewesen. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen seien zwar besser ausgefallen. Doch das Verbrauchervertrauen sei weiterhin schlecht und die Unsicherheit an den Finanzmärkten wachse.
Die Auswirkungen einer Eskalation des Irak-Konfliktes ließen sich schwer abschätzen, betonen die Bundesbank-Volkswirte. Bei einer kurzen Auseinandersetzung könnte der Ölpreis rasch wieder fallen und das Vertrauen von Investoren und Konsumenten wieder zunehmen. Bei langwierigeren Kämpfen wären ein anhaltend hoher Ölpreis und ein globaler Konjunkturrückschlag die Folge. (dpa/sm)