Großkonzerne wie Bayer forschen mit Gemüsesorten, die für Fleischersatzprodukte nötig sind. Nico van Vliet, Trade Partnership Manager im De Ruiter Experience Center aus den Niederlanden, glaubt an den Erfolg der neuen Ernährungsform.

Nico van Vliet, welche Produkte könnten in zehn oder 15 Jahren im Supermarkt zu finden sein?

van Vliet Der Trend geht in den USA und in Europa seit Jahren weg vom Fleisch, Verbraucher werden offener für Ersatzprodukte, die zwar aussehen und schmecken wie Fleisch, aber aus Bohnen oder Erbsen hergestellt sind. Außer der Züchtung neuer Pflanzen erproben wir in unseren Gewächshäusern auch eine Landwirtschaft, die ohne Pflanzenschutzmittel auskommt und einen geringen Wasserverbrauch hat. Während beim Freilandanbau für ein Kilo Tomaten 80 Liter Wasser nötig sind, verbrauchen wir im Gewächshaus lediglich zehn Liter.

In welchen Bereichen wird verstärkt geforscht?

van Vliet Wir beschäftigen uns vor allem mit der Erforschung von neuem Saatgut für Tomaten und Melonen. Aktuell arbeiten wir mit 300 Tomatensorten, neben Aussehen und Geschmack wird immer wichtiger, weniger Plastik-Verpackungen zu verbrauchen. Unter den Sorten sind die verschiedensten Tomatensorten, von der acht Gramm Cherry-Tomate bis hin zur 350 Gramm Fleischtomate. Das Angebot reicht vom Snack-
angebot bis hin zur Tomate, die für die für verschiedene Herstellungen genutzt wird.

Wie muss man sich eine „Farm der Zukunft“ vorstellen?

van Vliet Das ist gar keine Zukunftsmusik mehr, sondern in Bergschenhoek größtenteils bereits Realität. Auf 50 000 Quadratmetern stehen hier 15 Meter hohe, 30 Meter lange Gewächshäuser, die vollautomatisch bewässert und temperiert werden. Roboter haben die Pflege fast komplett übernommen. Durch dieses geschlossene System stellen wir auch sicher, dass keine Keime oder Insekten an die Pflanzen gelangen.

Eine vollautomatisierte Gemüseproduktion?

van Vliet So ist es. Die Tomatenpflanzen wachsen zehn Meter hoch, aus einem Saatkorn entstehen 100 Kilo Tomaten. In einem Showroom, können sich unsere Kunden die Tomatensorten ansehen und wir informieren auch darüber, dass der Hightech-Gemüseanbau auch sehr nachhaltig ist. Der Showroom wird verstärkt auch von Interessenten aus dem Ausland besucht, in vielen Teilen der Welt, hat diese Art der Landwirtschaft Vorbildcharakter.

Mit Nico van Vliet
sprach Nina Jeglinski