Von Tanja Wolter

Seit 2015  hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) immer wieder die Chancen von Flüchtlingen auf einen Arbeitsplatz untersucht. Seine jüngste Studie sieht hier einen Aufwärtstrend.

Für die Forschungseinrichtung  der Bundesagentur für Arbeit stand von vornherein fest: Es wird viele Jahre dauern und große Anstrengungen kosten, bis Migranten aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder Eritrea finanziell auf eigenen Beinen stehen können. Doch zuletzt hat sich ihre Integration in den Arbeitsmarkt deutlich beschleunigt:  Im ersten Halbjahr 2018 stieg die Beschäftigungsquote der Menschen, die nach 2014 aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern zuzogen,  um zwölf Punkte auf 28 Prozent. Ende des Jahres sollen nach einer IAB-Prognose mindestens ein Drittel der Flüchtlinge einen Job haben.

Nun haben die Forscher den Praxistest gemacht:  Rund 1000 Berater und Vermittler der Arbeitsagenturen und Jobcenter, die Tag für Tag mit Flüchtlingen in Kontakt stehen, wurden befragt, welche „Hemmnisse“ einer Beschäftigung entgegenstehen und wie die Chancen erhöht werden können. Die Ergebnisse wurden diese Woche vorgelegt.

Zumindest das Haupthindernis kommt wenig überraschend: geringe Sprachkenntnisse, sowohl allgemein als auch berufsbezogen. Hinzu kommt, dass viele Flüchtlinge keine Qualifikationen vorweisen können, die der deutsche Arbeitsmarkt verlangt. Es fehlen also nicht unbedingt Job-Erfahrungen,  aber die Zertifikate, um den bisherigen Berufsweg einordnen zu können. Hier sehen die IAB-Forscher die Gefahr, dass vorhandene Potenziale ungenutzt bleiben und sich die Flüchtlinge in einfachen Tätigkeiten unter ihren Möglichkeiten wiederfinden. Einer „nachhaltigen Integration“ würde dies entgegenstehen.

Ein weiteres „wesentliches“ Hindernis sei, dass die Geflüchteten die Rollenvorstellungen, Sitten und Gebräuche hierzulande nicht kennen, auch nicht die Regeln und Gepflogenheiten auf dem Arbeitsmarkt.  Bei Frauen sei die Integration überdies besonders schwer, weil sie einer „stark traditionellen Aufgabenteilung“ unterliegen, sich also oft um die Kinder und  die Familie kümmern. Hinzu kämen oft noch gesundheitliche Probleme, darunter psychische Folgen der Flucht.

Dennoch wurden die Erwartungen der Bundesagentur für Arbeit übertroffen. Im August 2018 gingen insgesamt 346 000 Beschäftigte aus den wichtigsten Fluchtländern einer Arbeit nach, 105 000 oder 44 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.  Der Anteil von Flüchtlingen an allen Beschäftigten in Deutschland beläuft sich inzwischen auf knapp ein Prozent. Eine Konkurrenzsituation zu einheimischen Arbeitskräften sehen die meisten Betreuer aber nicht. Eher gebe es eine direkte Konkurrenz zu anderen Migrantengruppen.

Wie sich die Arbeitsmarktchancen von Flüchtlingen weiter erhöhen lassen, darüber besteht bei den Vermittlern weitgehend Einigkeit: Überragende Bedeutung hat demnach die Sprachförderung, am besten gepaart mit Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.  Besonders geeignet sei auch die „Erprobung“ von Flüchtlingen in einem Betrieb. Knapp die Hälfte der Vermittler befürworten auch finanzielle Zuschüsse an Arbeitgeber, um diese für eine Einstellung zu gewinnen.