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| 02:45 Uhr

Insolvenzverwalter will Mifa wieder ins Rollen bringen

Will Mifa retten: Insolvenzverwalter Lucas Flöther.
Will Mifa retten: Insolvenzverwalter Lucas Flöther. FOTO: dpa
Sangerhausen. Die Lage beim Fahrradhersteller Mifa in Sangerhausen ist ernst. Dem Unternehmen, das Ende September einen Insolvenzantrag stellte, fehlen 30 Millionen Euro.

Allein im Jahr 2013 wurden 15 Millionen Euro Verlust verbucht. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther Mifa wieder ins Rollen bringen will, erläutert er im Interview.

Mifa kämpft ums Überleben. Nachdem der indische Fahrradhersteller Hero Cycles als möglicher Investor von Bord gegangen war, musste der Insolvenzantrag gestellt werden. Wie kann Mifa gerettet werden?
Ich setze vor allem auf Investoren. Es gibt dazu auch schon eine Reihe von Anfragen - von Unternehmen aus der Branche, aber auch von anderen Firmen, die den Einstieg bei Mifa als sinnvolle Investition sehen. Da die Verhandlungen laufen, kann ich keine Details nennen.

Wie konnte es Ihrer Meinung nach zu Verlusten von insgesamt 30 Millionen Euro kommen?
Die Verluste von 2013 kamen durch die falsche Bewertung von Beständen zustande. Die anderen Millionen sind wahrscheinlich bereits in den Jahren davor aufgelaufen. Wie sie entstanden sind, überprüft derzeit die Staatsanwaltschaft. Möglicherweise hat das Unternehmen auch jahrelang zu teuer produziert oder versäumt, auskömmliche Preise für die Räder zu erzielen. Wir müssen jetzt jeden Posten genau durchkalkulieren.

Sie brauchen derzeit 15 Millionen Euro, um die Produktion für 2015 zu sichern. Haben die Aktionäre, darunter der ehemalige AWD-Chef Carsten Maschmeyer, finanzielle Hilfe zugesagt?
Bislang habe ich nichts Konkretes auf dem Tisch. Ich bin aber dennoch optimistisch, dass wir die 15 Millionen zusammenbekommen - vor allem auch wegen der Unterstützung von Banken, die bei Mifa involviert sind. Sie wollen uns zum Beispiel ermöglichen, dass wir im Rahmen der Produktion und des Verkaufs auf die bei ihnen hinterlegten Sicherheiten wie Fahrräder und das Warenlager zurückgreifen können. Zudem haben die Banken Sanierungsbeiträge angekündigt, die weit über das übliche Maß hinausgehen.

Können Sie die Kunden bei der Stange halten?
Ja, und das ist ganz wichtig für die Zukunft von Mifa. Vor allem die Großkunden unterstützen uns. Sie wollen unsere Produkte und haben uns auch signalisiert, sie weiter abzukaufen. Das betrifft sowohl die klassischen Fahrräder als auch die E-Bikes.

Zieht die Belegschaft mit?
Ja, die 600 Leute sind hochmotiviert und wollen ihre Kraft in das Unternehmen einbringen. Bis Ende November erhalten sie, wie es das Gesetz vorsieht, Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Ab dem 1. Dezember werden sie wieder von der Mifa bezahlt.

Mit Lucas Flöther

sprach Sabine Fuchs