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| 12:49 Uhr

Hauptversammlung in Essen
Innogy-Finanzvorstand arbeitet wieder

Essen. Das Attentats-Opfer Bernard Günther nimmt telefonisch an Terminen teil. Nun hofft Innogy auf Fortschritte bei der Aufklärung des Säureangriffs. Bei der Hauptversammlung in Essen jedenfalls ist alles anders. Antje Höning

Das Säure-Attentat auf Bernhard Günther ist immer noch nicht aufgeklärt. Doch der Manager kehrt langsam ins Berufsleben zurück. Auf der Hauptversammlung in Essen herrschte Unruhe wegen der Zerschlagung von Innogy.

Bernhard Günther ist nicht dabei bei der Hauptversammlung in der Grugahalle. Der Finanzvorstand war im März an seinem Wohnort Haan Opfer eines Säure-Attentats geworden. Bis heute sind die Hintergründe unklar.

Günther hat das Krankenhaus inzwischen verlassen. "Es geht ihm den Umständen entsprechend gut", sagt Innogy-Chef Uwe Tigges. "Wir sind mit ganzem Herzen bei ihm und seiner Familie. Und wir hoffen auf Fortschritte bei der Aufklärung der Tat durch die zuständigen Behörden."

Günther nehme bereits an vielen Terminen wieder telefonisch teil, ergänzt Aufsichtsrats-Chef Erhard Schipporeit. Innogy betonte, Günther sei weiterhin Finanzvorstand, kommissarisch hat viele seiner Aufgaben zunächst Ökostrom-Vorstand Hans Bünting übernommen.

Tigges übernimmt endgültig Chefsessel

Zugleich macht der Aufsichtsrat nun Uwe Tigges dauerhaft zum Innogy-Chef. Nach dem Rauswurf von Peter Terium zum Jahresende hatte Personalvorstand Tigges den Chefposten zunächst interimsmäßig übernommen. Damit bläst der Aufsichtsrat auch die Suche nach einem anderen neuen Chef ab. Den wird Innogy auch nicht mehr brauchen. RWE will seine 76,8 Prozent-Beteiligung an Eon verkaufen, danach wollen die beiden den jungen Konzern unter sich aufteilen.

Tigges gibt sich selbstbewusst: "Innogy ist heute ein wirtschaftlich eigenständiges, starkes Unternehmen. Und so lange die Transaktion nicht abgeschlossen ist, wird das auch so bleiben." Nun wartet Innogy auf die Prüfung von Eons Angebot durch die Finanzaufsicht. Nach der Veröffentlichung haben die Aktionäre vier Wochen Zeit, um über einen Verkauf ihrer Anteile an Eon zu entscheiden.

Vorstandschef will für Mitarbeiter kämpfen

Eon bietet den Aktionären 40 Euro je Aktie (inklusive Dividende), derzeit steht Innogy bei knapp 38 Euro. "Wir werden das Angebot eingehend prüfen und spätestens zwei Wochen nach Beginn der Angebotsfrist Stellung nehmen", kündigte Tigges an.

Der Vorstandschef will auch für die Mitarbeiter kämpfen. Eon hat bereits angekündigt, nach der Innogy-Übernahme 5000 Stellen zu streichen. Beim Kampf von Eon- und Innogy-Mitarbeiter um die verbleibenden Arbeitsplätze sollen die Innogy-Kollegen die gleichen Chancen haben, hatte Eon-Chef Johannes Teyssen am Vortag versichert.

Abrechnung mit Terium

Die Aktionäre nutzten die Hauptversammlung auch für eine Abrechnung mit Ex-Chef Terium. "Wir blicken auf ein enttäuschendes Geschäftsjahr und eine ernüchternde Kursentwicklung zurück", sagte Thomas Deser von der Fondsgesellschaft Union Investment. Durch Teriums überraschende Gewinnwarnung im Dezember und seinen plötzlichen Abgang habe Innogy viel Vertrauen am Kapitalmarkt verloren. "Wir fragen uns, ob die zum Börsengang erzählte Börsenstory nicht eher der Märchenwelt zuzuordnen ist."

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Innogy war 2016 an die Börse gegangen, die Aktie auf 42 Euro gestiegen - und dann abgestürzt. Der Niederländer war gerne durch die Welt getingelt und hatte von teuren Digitalprojekten geschwärmt, die nichts in Innogys Kasse brachten, und dabei auch noch das Kerngeschäft Vertrieb vernachlässigt.

Der Aufsichtsrat trennte sich von Terium. "Besser spät als nie", sagte Deser. Zugleich kritisierte er Aufsichtsrats-Chef Schipporeit für seine Ämterhäufung, zumal dieser auch noch Aufsichtrat bei RWE ist und Interessenkonflikte programmiert sind.

Ex-Chef Peter Terium kann sich über eine satte Abfindung freuen: Er erhält 7,99 Millionen Euro - plus vier Millionen Euro über Aktienoptionen, wie der Innogy-Aufsichtsratschef mitteilte. Teriums Vertrag wäre noch bis März 2021 gelaufen. Innogy betonte, das sei insgesamt immerhin 5,3 Millionen Euro weniger als Terium aus der gesamten Restlaufzeit zugestanden hätte.