Von Dorothee Torebko

Der Bahnindustrie geht es so gut wie lange nicht mehr. Im ersten Halbjahr 2018 wuchs der Umsatz um acht Prozent auf 5,4 Milliarden Euro, der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) jubiliert: Die Auftragslage ist hervorragend, Deutschland ist in Sachen Innovation führend auf dem Weltmarkt und der politische Wille, in die Eisenbahn zu investieren, ist groß. Doch zwei Länder machen den Zugbauern Sorgen: die USA und China.

Am Montag verkündete der VDB, der die Interessen von mehr als 190 Unternehmen vertritt, dass die Exporteinnahmen mit zwei Milliarden Euro um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Die Gründe liegen Präsident Volker Schenk zufolge in den „Abschottungsaktivitäten wie steigenden Zöllen und erhöhten Pflichtanteilen lokaler Wertschöpfung“. Heißt: Die erhöhten Zölle in den USA drücken den Umsatz. Zugleich blockiert das Land ausländische Zughersteller durch Vorgaben, dass ein Großteil der Wertschöpfung in den Staaten zu erbringen sei, während der europäische Markt so offen sei wie kein anderer.

Dennoch jammert Präsident Schenk nicht: „Für uns sind die gesunkenen Exporteinnahmen kein Grund zum Jubeln, aber auch keiner für Wehklagen.“ Das liegt in der exzellenten Auftragslage. Besonders die Nachfrage aus dem Ausland ist mit 45,5 Prozent erheblich gestiegen.

Der Verbandspräsident wertet das als „Beleg für die internationale Spitzenstellung“ der deutschen Eisenbahnindustrie. Denn Europas Eisenbahner beherrschen den Weltmarkt. 46 Prozent der globalen Wertschöpfung mit Loks, Wagen und Signaltechnik werden hier entwickelt und gebaut. Doch die hervorragende Situation der hiesigen Bahnindustrie könnte sich bald ändern.Das liegt vor allem an einem Land: China investiert derzeit massiv in Europa und könnte den Zugherstellern gefährlich werden. Die Deutsche Bahn wurde schon mit Schnellzügen aus Fernost beliefert.

Bevor Bombardier, Siemens und Alstom überrollt werden, schlägt der VDB Alarm. Hauptgeschäftsführer Ben Möbius weist darauf hin, dass die chinesische Bahnindustrie massiv vom Staat subventioniert wird. Eine ähnliche Förderung der Exporte – wenn auch nicht so hoch – könnte er sich auch in Deutschland vorstellen.

Möbius sprach sich für die geplante Fusion der Zugsparten von Siemens und Alstom aus, gegen die die EU-Kommission Bedenken vorgebracht hatte. „Überrollen uns die großen Firmen aus dem Osten oder sind wir bereit, in Europa ein entsprechendes Gegengewicht zu bilden?“

Zudem sollten bei europäischen Ausschreibungen nur die Anbieter bauen dürfen, die die Hälfte der Wertschöpfung in Europa bestreiten. „Wir wollen Bedingungen, nach denen wir in zehn bis 15 Jahren noch so wettbewerbsfähig sind wie heute“, fordert Möbius.