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In Berlins Erfinderladen: Geheimverstecke und Chamäleontaschen

Im Erfinderladen steht Marijan Jordan vor einem Tisch mit vielen „Geheimversteck“-Produkten und zeigt eine Halterung zum PET-Flaschen-Transport im Auto. Foto: Bartonek/rbt1
Im Erfinderladen steht Marijan Jordan vor einem Tisch mit vielen „Geheimversteck“-Produkten und zeigt eine Halterung zum PET-Flaschen-Transport im Auto. Foto: Bartonek/rbt1 FOTO: Bartonek/rbt1
Berlin. Für Lausitzer, die auf der Jagd nach einem originellen Weihnachtsgeschenk sind, könnte sich eine Fahrt nach Berlin lohnen. Dort gibt es in Prenzlauer Berg einen Erfinderladen, der manch Überraschendes bereithält. Von Rolf Bartonek

Hier tragen sogar die Stühle Socken. “Damit der Boden nicht zerkratzt, außerdem sieht das lustig aus„, erläutert Marijan Jordan die spezielle Stuhlbeinbekleidung. “Oder wollen Sie etwas verstecken?„ Kein Problem. Wie wäre es in einer Schraube? Jordan dreht deren Kopf ab, ein Hohlraum wird sichtbar. Auch vollkommen zugeschweißt wirkende Getränke-, Gemüse- oder Suppendosen lassen sich aufschrauben. “Der Schweizer Zoll hat sich bereits von jedem unserer Geheimverstecke ein Muster schicken lassen.„ Der deutsche und der österreichische Zoll übrigens noch nicht.

Deutscher Markt größer

Jordan ist wie sein Co-Geschäftsführer Gerhard Muthethaler Österreicher. Vor 14 Jahren begannen die beiden in Salzburg, Erfindern zu helfen, ihre Ideen zu vermarkten. Der größere deutsche Markt zog sie an und nach Berlin. Hier betreiben sie seit fünf Jahren ihre Erfinderhaus Patentvermarktungs GmbH. Teil dieses Unternehmens mit zehn Mitarbeitern ist der Ende 2009 eröffnete Erfinderladen. In Österreich gibt es noch ein Tochterunternehmen. Allein aus Deutschland melden sich im Schnitt jeden Tag sechs Tüftler beim Erfinderhaus.

Die Idee mit den Geheimverstecken hatte der Berliner Stefan Neser, als er beim Campen mit dem Caravan nicht wusste, wo er die Wertsachen deponieren sollte, wenn alle gleichzeitig im Meer baden wollten. “Das Erfinderhaus hat mir eine tolle Plattform geboten. Dadurch sind die Medien auf mich aufmerksam geworden. Heute produziere ich in meiner Werkstatt 60 Geheimversteckprodukte in Kleinserien und beliefere außer dem Erfinderladen Geschäfte in den Bereichen Camping/Caravan, Sicherheit und Geschenkartikel.„ ( www.geheimversteck.de)

Erfolgreich war auch ein Erfinder mit seinem Memory Cap. Die Gedächtnismütze wird auf einen Schlüssel aufgesteckt und dreht sich beim Zu- und Aufschließen jeweils auf eine andere Seite. Je nach Mützenstellung kann der Besitzer erkennen, ob er beim Verlassen seines Hauses die Tür abgeschlossen hat. Unnötige Panik etwa nach Antritt einer Urlaubsreise ist so vermeidbar. Hauptsächlich gekauft wird das Memory Cap von Banken und Versicherungen.

Ideen für private Kunden

Die meisten Ideen sind auf den privaten Kunden ausgerichtet. Und die Preise der Kleinserien-Produkte im Erfinderladen kann sich jeder leisten. Ein Set Stuhlsocken kostet 15 Euro, Geheimversteck-Dosen zwischen 9,95 und 15 Euro. Jordan führt zu einem Wickeltisch, dessen Seitenwände sich hochziehen lassen. Das Baby kann dadurch nicht herunterfallen, wenn Mama mal kurz in ein anderes Zimmer muss. Wen haben nicht schon Klobrillen in Raststätten oder Bahnhöfen angeekelt? “ClinSit„ schafft Abhilfe. Mit dieser Papierfolie lässt sich blitzschnell der Sitz überziehen. Nach dem “Geschäft„ wird ClinSit im WC entsorgt (8er-Pack drei Euro). Chamäleon-Taschen und -Rucksäcke wechseln Farbe und Design. Blaugeschlagene Fingerkuppen müssen nicht sein. Der Nagel, der mit Hammerschlägen in die Wand soll, kann mit einer Zollstock-Magnethalterung (7,90 Euro) in Position gebracht werden. Es gibt auch Zollstöcke mit Wasserwaage (8,50 Euro).

Für die Beratung eines Erfinders in Sachen Schutzrechte, Marktrecherchen, Produktion und Vermarktung stellt das Erfinderhaus laut Jordan etwa 2500 bis 3000 Euro in Rechnung. Außerdem ist es an späteren Einnahmen beteiligt. Wer glaubt, ohne persönliche Beratung auszukommen, für den bietet das Unternehmen die Internetplattform “Patent-net.de„ an. Die Jahreslistung kostet 360 Euro. Die Firma präsentiert die von ihr betreuten Erfindungen auch im Onlinemagazin “Land der Erfinder„.

Im Erfinderladen stehen für die Kunden rund 200 Kreationen bereit. Die Frage nach Neuheiten aus der Lausitz wird mit einem bedauernden Lächeln beantwortet. “Vielleicht wissen die Leute ja noch gar nicht, dass es uns gibt„, sagt Jordan. rbt1

Zum Thema:
Der Erfinderladen befindet sich in der Lychener Straße 8. Lausitzer fahren mit dem Regionalexpress bis zum Alexanderplatz und von dort mit der U-Bahn in Richtung Pankow bis zum U-Bahnhof Eberswalder Straße. Hier biegen sie in die Danziger Straße ein, von der nach 50 Metern die Lychener Straße abbiegt.