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Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung machen

Auch im Ruhestand lässt das Finanzamt nicht locker. Viele Rentner sind verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen.
Auch im Ruhestand lässt das Finanzamt nicht locker. Viele Rentner sind verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen. FOTO: dpa
Cottbus. Auch wenn Ruheständler verpflichtet sind, eine Steuererklärung zu machen, bedeutet das nicht automatisch, dass sie Steuern zahlen müssen. Auch Ruheständler können das Finanzamt an etlichen Ausgaben beteiligen. Barbara Brandstetter / bbr

Auch wenn es 2014 nicht allzu viele Steueränderungen gegeben hat - in Sachen Rente hat sich einiges getan. So hat die Regierung die Mütter-Rente und die Rente mit 63 verabschiedet. Wer lange in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und bis einschließlich 1952 geboren wurde, kann sich nun ohne finanzielle Nachteile unter bestimmten Voraussetzungen bereits mit 63 zur Ruhe setzen. Für die Jahrgänge 1953 bis 1963 wird das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben.

Wer die Rente mit 63 nutzt, hat sogar einen kleinen Steuervorteil. Denn der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente steigt von Rentnerjahrgang zu Rentnerjahrgang. Wer sich 2005 oder früher aus dem Arbeitsleben verabschiedet hat, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern, für Neurentner des Jahres 2014 liegt der steuerpflichtige Anteil bei 68 Prozent. Wer sich 2040 oder später zu Ruhe setzt, muss 100 Prozent seiner gesetzlichen Rente versteuern.

Nicht nur der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente steigt in den kommenden Jahren. Auch Steuervergünstigungen für Pensionen und für andere Einkünfte wie beispielsweise Mieteinnahmen werden in den folgenden Jahren nach und nach abgeschmolzen.

Die Regelungen führen dazu, dass immer mehr Rentner Steuern zahlen müssen. "Unentdeckt bleiben steuerpflichtige Ruheständler dem Finanzamt nicht", sagt Peter Pomian von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Cottbus. Versorgungswerke, Renten- und Pensionskassen melden regelmäßig die Höhe der Auszahlungen.

Ruheständler tragen ihre Bezüge in die "Anlage R" ein. Um das Ausfüllen des Bogens zu erleichtern, sollten sie bei der Rentenversicherung eine Bescheinigung beantragen. Dieser können sie entnehmen, welche Angaben sie in welche Zeile eintragen müssen. Wer Auszahlungen aus einer betrieblichen oder privaten Rente erhält, kann diese Informationen den Leistungsmitteilungen entnehmen.

Besteuerungsanteil: In die Zeilen 4-13 der "Anlage R" gehören Leibrenten - also Auszahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Rürup-Renten und berufsständischen Versorgungswerken. Diese werden mit dem Besteuerungsanteil versteuert. Bei diesen Auszahlungen entscheidet das Jahr des Renteneintritts darüber, wie hoch die Steuerlast, also der Besteuerungsanteil, ausfällt. Wer 2014 in Rente gegangen ist, muss 68 Prozent dieser Bezüge steuerlich veranschlagen. Rentnerjahrgänge ab 2040 versteuern ihre komplette Rente.

Ein Beispiel: Herr Müller geht im September 2014 in den Ruhestand. Er bezieht 1000 Euro gesetzliche Rente. Davon sind 68 Prozent, also 680 Euro, steuerpflichtig. Den steuerfreien Rentenbetrag schreiben die Behörden zeitlebens fest. Rentenerhöhungen wandern in den steuerpflichtigen Topf. Diese können daher dazu führen, dass Rentner irgendwann doch Steuern zahlen müssen.

Eine Besonderheit ergibt sich, wenn jemand vor Eintritt in seinen Ruhestand Witwenrente erhalten hat. Denn für die Höhe des Besteuerungsanteils ist relevant, wann der Verstorbene in Rente gegangen ist.

Ein Beispiel: Frau Meier hat sich im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet. Daher muss sie 68 Prozent ihrer Rente versteuern. Sie bezieht zudem Witwenrente, weil ihr Mann 2013 verstarb. Von dieser muss Frau Meier jedoch nicht 68 Prozent steuerlich veranschlagen, sondern lediglich 50 Prozent, da ihr Mann 2005 in Rente ging.

Eine weitere Besonderheit ergibt sich aufgrund der 2014 eingeführten Mütterrente. Die Finanzbeamten müssen nun viele Steuerfreibeträge von Rentnern neu ermitteln. Mütter erhalten seit dem 1. Juli 2014 für jedes vor dem 1. Januar 1992 geborene Kind einen zusätzlichen Entgeltpunkt - im Westen 28,61 Euro, im Osten 26,39 Euro im Monat.

Ein vereinfachtes Beispiel: Frau Schulz hat zwei Kinder, die vor 1991 geboren wurden. Sie ist 2005 in Rente gegangen. Ihre Rente beträgt 20 000 Euro, der steuerliche Freibetrag 10 000 Euro. Seit dem 1. Juli 2014 erhält sie 686,64 Euro mehr Rente. Von dem Betrag bleiben ebenfalls 50 Prozent, also 343,32 Euro, steuerfrei. Der neue Freibetrag beträgt daher 10 343,32 Euro. Von diesem profitiert Frau Schulz jedoch erst ab 2015 in voller Höhe - für 2014 akzeptieren die Finanzbeamten zusätzlich 171,66 Euro.

Für Ärzte, Steuerberater oder Apotheker, die Auszahlungen aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen erhalten, sieht der Fiskus eine Öffnungsklausel vor (Zeilen 11-13). Diese können diejenigen nutzen, die vor dem Jahr 2005 mindestens zehn Jahre Beiträge in die Versorgungseinrichtung oder die gesetzliche Rente eingezahlt haben, die über dem Jahreshöchstbetrag in der gesetzlichen Rentenversicherung lagen. "Ist dies der Fall, können Steuerzahler beantragen, dass die Auszahlungen mit dem günstigeren Ertragsanteil versteuert werden", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Ertragsanteil: In die Zeilen 14 bis 20 gehören Renten aus privaten Rentenversicherungen, betrieblichen Pensionskassen oder Direktversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen und deren Beiträge pauschal versteuert wurden. Diese werden mit dem Ertragsanteil versteuert. Entscheidend für die Höhe des Ertragsanteils ist das Alter, in dem der Steuerzahler die ersten Rentenzahlungen erhält. "Der Ertragsanteil fällt umso geringer aus, je älter der Betroffene bei der ersten Auszahlung ist", sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Dieser beträgt mit 60 oder 61 Jahren 22, mit 66 Jahren nur noch 18 Prozent.

Betriebliche Altersversorgung: Auszahlungen aus Riester-Verträgen und der betrieblichen Altersversorgung - also aus Pensionsfonds, Pensionskassen und aus Direktversicherungen - müssen Steuerzahler komplett versteuern. Die Auszahlungen tragen Steuerzahler in die Zeilen 31 bis 49 ein.

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Ruheständler, die neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte wie beispielsweise Mieten, Zinsen oder Arbeitslohn haben, profitieren von einem Altersentlastungsbetrag. "Dieser legt fest, bis zu welchem Betrag bestimmte Einkünfte zeitlebens steuerfrei bleiben", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Entscheidend für die Höhe des Altersentlastungsbetrags ist das Jahr, in dem der Steuerzahler sein 64. Lebensjahr vollendet. Wer beispielsweise im vergangenen Jahr seinen 64. Geburtstag feierte - also in der Zeit vom 2. 1. 1950 bis 1. 1. 1951 zur Welt kam - erhält ab 2015 einen Altersentlastungsbetrag von 24 Prozent der Einkünfte, maximal 1140 Euro. Ehepartner können Steuern sparen, wenn Mieteinkünfte oder Kapitalerträge auf beide Ehepartner verteilt werden. Denn der Altersentlastungsbetrag steht jedem Ehepartner gesondert zu. Dieser wird den Steuerzahlern nach Vollendung des 64. Lebensjahres automatisch gutgeschrieben. Der Altersentlastungsbetrag wird wie andere Freibeträge in den kommenden Jahren abgeschmolzen. Wer 2039 oder später seinen 64. Geburtstag feiert, erhält keinen Altersentlastungsbetrag mehr. bbr