Für die acht Standorte von Bombardier deutschlandweit erwartet der Konzern "eine stabile Tendenz bei den Mitarbeiterzahlen. Das sind derzeit 8500", versichert der Deutschlandsprecher des Unternehmens, Heiner Spannuth, gegenüber der RUNDSCHAU. "Wir veröffentlichen zwar keine Prognosen für 2009, haben aber weltweit einen sehr hohen Auftragsbestand in Höhe von 51,9 Milliarden US-Dollar. Unser Vorteil ist, dass wir nicht wie die Autoindustrie in kurzen Zyklen arbeiten, sondern zum großen Teil langfristige Verträge haben", erläutert Spannuth. Bombardier erwartet zur Stärkung des Schienenverkehrs, "dass die international geplanten Konjunkturpakete auch Investitionen in Infrastrukturprojekte im Bereich der Schiene enthalten". Von solchen "klaren Weichenstellungen" profitieren die Görlitzer Waggonbauer. Sie fassten kurz vor dem Jahreswechsel einen Auftrag zur Produktion von weiteren 34 Doppelstockwagen im Wert von 34 Millionen Euro für die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) ab. Wenige Wochen zuvor hatte Dänemark 45 "Dostos" beim sächsischen Doppelstock-Spezialisten bestellt. Das Auftragspolster löst in Görlitz weitere Investitionen aus. Eigens zur Fertigung der Wagenkästen von Regionalzügen für den skandinavischen Raum entsteht für fünf Millionen Euro eine neue 5000 Quadratmeter große Produktionshalle, wie Unternehmenssprecher Spannuth berichtet. Damit setze der gegenwärtig 1400 Mitarbeiter zählende ostsächsische Traditionsbetrieb im 160. Jahr des Bestehens seine "kontinuierliche Entwicklung" fort.Indien setzt auf GörlitzerStolz sind die Görlitzer auf den Großauftrag von der indischen Delhi Metro. Er hat einen Wert von rund 500 Millionen Euro und umfasst 37 U-Bahnzüge mit je vier Wagen und 46 Züge mit je sechs Wagen. Nach Auskunft des sächsischen Verkehrsministeriums werden die ersten neun Züge komplett in Görlitz gefertigt, die anderen in Indien. Dafür wächst im indischen Savli ein Werk, dessen Bau von einer etwa 60-köpfigen sächsischen Mannschaft unterstützt wird. Im Februar soll eine Antonow die ersten Fahrzeuge nach Indien fliegen. Im Waggonbau Bautzen, dem Bombardier-Kompetenzzentrum für Straßenbahnen, wird im Jahr 2009 vor allem in die Prozess- und Infrastruktur investiert. Aktuell werden von den 1360 Mitarbeitern nach Unternehmensinformationen Straßenbahnen für Frankfurt/Main, Rotterdam, Valencia und Bursa (Türkei) gebaut. Besonders interessant sei der Auftrag für die Londoner Docklands, heißt es. Dabei handelt es sich um die Produktion automatischer Stadtbahnen, die ohne Fahrer auf den reaktivierten Gleisen der alten Londoner Hafenanlagen unterwegs sind. 2009 werden laut Bombardier die letzten der insgesamt 55 Fahrzeuge ausgeliefert; Auftragsvolumen rund 150 Millionen Euro.Auch für die 1600 Fahrzeugbauer und Ingenieure im brandenburgischen Hennigsdorf stehen 2009 die Signale auf Grün. Im abgelaufenen Jahr sei die Stabilisierung des Betriebes gelungen, so Spannuth. Jetzt arbeiteten die Waggonbauer an einem 1,2 Milliarden-Euro-Auftrag der Deutschen Bahn. Es geht um 321 Triebwagen "Talent 2", mit denen die Bahn in den kommenden Jahren ihre Regionalfahrzeugflotte erneuert. Die ersten elektrischen Triebzüge dieser Reihe werden ab Dezember zwischen Cottbus und Leipzig eingesetzt.Trotz dieser respektablen Auftragspolster steht die Branche in den nächsten Monaten vor einem Problem. Bekanntlich hatte die Deutsche Bahn im Zusammenhang mit der Ausschreibung von bis zu 300 neuen Intercity-Zügen (IC) und als Reaktion auf die massiven Probleme bei den Achsen der Intercity-Express-Züge verschärfte Konditionen für die Geschäfte mit der Industrie angekündigt. Dazu gehört nach Bahnangaben der Wegfall der bislang üblichen Vorfinanzierung solcher großen Projekte. Die Bahn wolle künftig erst bei Übernahme der Fahrzeuge zahlen, heißt es. Somit solle mehr Druck auf die Hersteller ausgeübt werden, sich bis zur Auslieferung auch des letzten Fahrzeuges für Qualität und Sicherheit verantwortlich zu fühlen. Probleme mit FinanzierungFür so manchen mittelständischen Zulieferer könnte das zum echten Problem werden, schätzt Bombardier-Sprecher Spannuth ein. Die Unternehmen wären damit überfordert, zumal die Bahn diese Praxis flächendeckend ausüben wolle. Nach Angaben Spannuths haben sich erste Betriebe bereits an den Bahnindustrieverband gewandt. Sie fordern dringend eine Lösung, weil sie sich außerstande sehen, Bahnaufträge vorzufinanzieren.