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| 01:07 Uhr

Im Müll-Prozess kein Ende in Sicht

Einer der größten deutschen Strafprozesse um Wirtschaftskriminalität geht in das zweite Jahr – ein Ende ist nicht in Sicht. Laut Anklage handelt es sich in dem „Müllskandal“ um Betrügereien im großen Stil, in der Summe seien es 380 Millionen Euro. Von Michael Ott

Die Brüder Dieter und Johannes Löbbert aus dem westfälischen Dülmen sollen in in ihrem Abfallentsorgungs-Firmengeflecht Bilanzen gefälscht haben, um bei Banken günstige Kredite zu ergattern und Aktionäre zu täuschen.
Die beim Landgericht Münster angesetzten neuen Verhandlungstermine in diesem Jahr reichen bis Weihnachten. Die Anklageschrift ist 50 Seiten lang. Danach haben Dieter und Johannes Löbbert sowie ein ebenfalls angeklagter Ex-Manager des Konzerns 1994 beschlossen, den Jahresabschluss zu manipulieren. Dazu sollen sie über 1000 Rechnungen ohne wirtschaftlichen Hintergrund (Luftbuchungen) im Wert von damals 235 Millionen D-Mark (120 Millionen Euro) ausgestellt haben. Mithilfe der so frisierten Bilanzen haben sie nach Darstellung der Staatsanwaltschaft bei 30 Banken Kredite in Höhe von 1,25 Milliarden D-Mark (640 Millionen Euro) erschlichen.
Zudem sollen sie bei der Börsennotierung der Sero Entsorgung AG 1995 und der ebenfalls zum Firmenverbund gehörenden Lösch Umweltschutz AG 1996 Anleger über die Wirtschaftssituation der Unternehmen getäuscht haben.
Seit dem 15. Januar 2004 müssen sich die drei Angeklagten wegen Bilanzfälschung, Kredit- und Kapitalanlagebetrug vor Gericht verantworten. Dabei versuchen sie alles, um den Prozess zu verzögern. Bereits vor Prozessauftakt hatten die Beschuldigten über 100 Befangenheitsanträge gestellt. Sogar Verfassungsbeschwerde hat der Verteidiger von Dieter Löbbert erhoben - ohne Erfolg. Hinzu kommt ein Dauerstreit um den Gesundheitszustand des 55-jährigen Dieter Löbbert. Die Verzögerungen führten dazu, dass nach einem Jahr gerade erst der fünfte von 115 Zeugen gehört wird.