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| 08:21 Uhr

Düsseldorf
Im Handel geht immer mehr übers Internet

Düsseldorf. Der Anteil des Online-Geschäfts wird laut HDE in diesem Jahr auf mehr als zehn Prozent wachsen. Georg Winters

Der Anteil des Online-Geschäfts wird laut HDE in diesem Jahr auf mehr als zehn Prozent wachsen.

Im deutschen Einzelhandel verschiebt sich das Gewicht weiterhin in Richtung Internet - wenn auch noch auf vergleichsweise bescheidenem Niveau. Der Online-Umsatz werde in diesem Jahr voraussichtlich um 9,7 Prozent auf 53,4 Milliarden Euro wachsen, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). Da gleichzeitig das Umsatzplus der HDE-Mitgliedsunternehmen auf "nur" zwei Prozent veranschlagt wird, könnte der Online-Anteil am Umsatz von 9,5 auf 10,2 Prozent wachsen.

Einzelne Branchen spüren die Verlagerung des Geschäfts ins Netz besonders deutlich. Dazu gehören Spielwarengeschäfte, die längst vom Aussterben bedroht sind, und Buchläden, wo der zwischenzeitliche Aufschwung im Fachbuchhandel offenbar schon wieder zum Erliegen gekommen ist. Das Spielwarengeschäft hat im vergangenen Jahr preisbereinigt 6,4 Prozent an Umsatz verloren, der Buchhandel knapp fünf. Dagegen boomt beispielsweise der Handel mit Fahrrädern und entsprechendem Zubehör. "Die Kunden investieren hier viel Geld, nicht nur in E-Bikes, sondern auch in andere hochwertige Räder", sagte Genth. Auch die Unterhaltungselektronik, der Sportartikelhandel und das Bekleidungsgeschäft melden Wachstum - letzteres aber natürlich vor allem online.

Die Prognose des Verbandes für das laufende Jahr sagt eine Gesamtumsatzsteigerung auf 523,1 Milliarden Euro voraus. Es wäre das neunte Jahr in Folge, in dem die Branche wächst. Und so lange die Verbraucherpreise nicht stärker als 1,6 Prozent steigen (so war das im März), reicht der Umsatz aus, damit auch preisbereinigt noch was vom Plus übrig bleibt.

Trotzdem sorgt sich Genth, vor allem um die kleineren Unternehmen. Die stehen zwar nur für ein Zehntel der Umsätze, aber auch für mehr als die Hälfte der Standorte, auch in innerstädtischen Lagen. Zum wiederholten Mal forderte der HDE-Geschäftsführer die Politik auf, die Kaufkraft der kleinen und mittleren Einkommen zu stärken. Die Kosten der Energiewende müssten fair verteilt werden, es müssten faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Online- und Präsenzhandel geschaffen werden. Ein Riesenproblem: drohende Fahrverbote in Innenstädten. "Das wäre tödlich für uns", so Genth. Und erneut reklamiert er, dass die notwendige Reform der Grundsteuer keine Mehrbelastung nach sich ziehen dürfe. Grundlage für eine Neuberechnung könnte nicht nur die Grundstücks-, sondern auch die Gebäudegröße sein. Das würde zum Beispiel bedeuten, dass die Belastungen für Handelsunternehmen, die vergleichsweise große Immobilien gemietet hätten, deutlich steigen könnten - unabhängig vom Erfolg des Geschäfts.

In der Diskussion um die Mitgliedschaft der SB-Warenhauskette Real im HDE sieht Genth noch keine Bewegung. Zwar hat Olaf Koch, der Chef der Real-Muttergesellschaft Metro, Ende März unmissverständlich klargemacht, dass Real aus dem Verband "herausgelöst" und in den Arbeitgeberverband AHD integriert werden soll, aber das ist beim HDE wohl noch nicht angekommen. Hintergrund: Real braucht nach eigenen Angaben "wettbewerbsfähige Personalkosten", um die Sanierung voranzutreiben, und streitet darüber mit der Gewerkschaft Verdi. Der HDE wünsche sich einen "atmenden Tarifvertrag", der sicherstellen solle, dass zu sanierende Unternehmen nicht aus der Tarifbindung gedrängt würden, sagte Genth.