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Nach Abbruch der Gespräche
IG Metall berät über weiteres Vorgehen im Tarifkonflikt

Mehrere tausend Metallarbeiter demonstrieren für die Forderungen ihrer Tarifziele. Foto: Daniel Bockwoldt
Mehrere tausend Metallarbeiter demonstrieren für die Forderungen ihrer Tarifziele. Foto: Daniel Bockwoldt FOTO: Daniel Bockwoldt
Böblingen. Nach dem ergebnislosen Abbruch der vierten Tarifverhandlungsrunde in der Metall- und Elektroindustrie müssen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber neu sortieren. dpa

Nach dem ergebnislosen Abbruch der vierten Tarifverhandlungsrunde in der Metall- und Elektroindustrie berät die IG Metall im Südwesten über ihr weiteres Vorgehen.

Am Mittag soll sich die sogenannte Große Tarifkommission der Gewerkschaft treffen, um die aktuelle Lage zu diskutieren, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte. Konkrete Ergebnisse sind dort eher nicht zu erwarten - die wird es voraussichtlich erst nach der Sitzung des IG-Metall-Vorstands am Freitag in Frankfurt geben. Auch von Arbeitgeberseite hieß es, man werde sich mit dem Dachverband Gesamtmetall und den anderen Verbänden austauschen.

Nachdem beide Seiten zuvor den Willen zu einer Einigung betont hatten, hatten sie die vierte Verhandlungsrunde in Böblingen am späten Mittwochabend überraschend ohne Ergebnis abgebrochen.

Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, warf den Arbeitgebern vor, in vielen Fällen eine Rolle rückwärts gemacht zu haben. „Wir haben zu allen strittigen Punkten Kompromissangebote vorgelegt und haben alles getan, um nicht in die Phase der Eskalation zu kommen.“ In den entscheidenden Arbeitszeitfragen hätten die Arbeitgeber jedoch alle bisherigen relevanten Teilergebnisse zurückgenommen. Dass am Wochenende weiter verhandelt wird, wie man ursprünglich gehofft hatte, glaubt Zitzelsberger nicht mehr. „Das ist in der momentanen Situation äußerst unwahrscheinlich.“

Finden die beiden Tarifparteien nach ihren internen Beratungen am Donnerstag und Freitag nicht doch noch zueinander, drohen der Branche von der kommenden Woche an eintägige Warnstreiks. „Die Arbeitgeber ignorieren rund 280 000 Warnstreikende allein in Baden-Württemberg - sinnvoll ist das nicht“, sagte Zitzelsberger. Bundesweit hatten seit Jahresbeginn mehr als 900 000 Beschäftigte an Warnstreiks teilgenommen. Er erwarte ein Nachdenken auf der Gegenseite, so Zitzelsberger - seine Leute seien kompromissbereit. Das nimmt jedoch auch Arbeitgebervertreter Wolf für sich in Anspruch: „Wir wären zu weiteren Kompromissen bereit gewesen. Aber die IG Metall hat in einzelnen Fragen auf ihren Maximalposition beharrt.“

Bei welchen Punkten man uneins war, wollten die Parteien nicht im Detail darlegen. Im Zentrum des Konflikts steht die Forderung der IG Metall, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit für die Dauer von bis zu zwei Jahren auf 28 Wochenstunden reduzieren können.

Über eine Erhöhung der Entgelte wurde dem Vernehmen nach bisher noch gar nicht verhandelt. Dies steht an, wenn der Konflikt um die Arbeitszeitregeln gelöst ist. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung um sechs Prozent für die bundesweit 3,9 Millionen Branchenbeschäftigten. Die Arbeitgeber bieten bisher zwei Prozent.