Im kleinen Dorf an der Grenze zum Sächsischen wird ein Schatz gehoben, der auf den ersten Blick nicht unbedingt danach aussieht. Mit einer winzigen Korngröße von 0,2 Millimetern rinnt er buchstäblich durch die Finger und ist mit seiner dunkelbraunen bis pechschwarzen Farbe sogar recht unansehnlich. Auf den zweiten Blick jedoch entpuppt sich der Sand als ein kostbarer Bodenschatz, der besonders bei Glasproduzenten und in Gießereien sehr gefragt ist. Der Quarzsand aus Hohenbocka ist wegen seiner Eisenarmut und seinem guten Schmelzverhalten so begehrt. Mit ihm lässt sich weißes Glas herstellen. Sande mit höheren Eisenwerten machen das Glas hingegen braun oder grün. In Hohenbocka ist die modernste Aufbereitungstechnik darauf spezialisiert, das wenige Eisen zusätzlich zu reduzieren, damit die Sande höchsten Ansprüchen genügen und sogar für edles, hochwertiges Geschirr und für die Glasperlen im Straßenbau verwendet werden können.

2000 Tonnen Quarzsand sind es im Durchschnitt, die am Tag in Hohenbocka gefördert werden. An guten Tagen sogar bis zu 3000 Tonnen. Damit lassen sich 2600 Tonnen Glas schmelzen. Das wiederum ließe sich zu 240 000 Quadratmetern Fensterscheiben verarbeiten. "Unterm Strich entspricht das in etwa der Fläche von 50 Fußballfeldern", sagt Werkleiter Volker Wenk nicht ohne Stolz.

Bis zur Bodenplatte abgebrannt

Nach dem Flammeninferno kurz vor Weihnachten 2006 ist das Quarzsandwerk in Hohenbocka wieder gut aufgestellt. Außer der Bodenplatte war damals von dem nichtmal zehn Jahre alten Unternehmen nichts übriggeblieben. Der Wiederaufbau kostete 25 Millionen Euro. Einen Kundenverlust hat es nicht gegeben. Mit der Kraft des Unternehmsverbandes der Quarzwerke GmbH wurde es geschafft, alle Kunden bei der Stange zu halten. Es sind sogar neue hinzugekommen wie die Gießerei Sabrodt in Elsterheide. Hauptabnehmer sind wie vor dem Großbrand das Flachglaswerk in Torgau und das Flachglaswerk in Thalheim bei Bitterfeld. Nach Torgau gehen rund 155 Züge im Jahr, nach Thalheim 105 Züge im Jahr.

Die Jahresproduktion der Quarzsandwerke Hohenbocka liegt bei 400 000 Tonnen. Der Betrieb schreibt schwarze Zahlen. "Wir verdienen keine goldenen Löffel, jammern aber auch nicht", blickt Werkleiter Wenk optimistisch in die Zukunft. Derzeit ist auf dem Erschließungsgelände eine große Abraumaktion im Gange. Dabei werden die Vorräte an Quarzsand für die nächsten zehn Jahre freigelegt. Noch in diesem Jahr wird beim Bergamt auch ein neuer Rahmenbetriebsplan, der bis ins Jahr 2060 reicht, eingereicht. "Schluss ist dann aber noch lange nicht", erklärt Wenk. Die Vorräte reichen noch weit über 100 Jahre.

Im Einklang mit der Natur

Der Quarzsandabbau berührt in Hohenbocka zwei Naturschutzgebiete. Das sind die Bucksche Schweiz und die Wollschen Teichwiesen mit einem ehemaligen Torfstich. Den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten, ist Volker Wenk wichtig. "Wir gehen nicht wie die Schotterbarone rücksichtslos durchs Gelände", sagt er. Beide Gebiete werden daher komplett umfahren, der Tagebau wird behutsam eingezogen. Die Fördertechnik ist so umgerüstet, dass ein Anschneiden des Flachmoores nicht mehr erforderlich ist. Für den neuen Rahmenbetriebsplan sind in den vergangenen fünf Jahren umfangreiche Umwelt-Verträglichkeitsprüfungen angestellt worden.

Der Quarzsandabbau ist in Hohenbocka ein Ganzjahresgeschäft. Auch bei Eis und Schnee müssen die Sande aus 23 bis 25 Metern Tiefe gehoben werden. Dafür gehört neben dem Baggerschiff auch ein Eisbrecher zum Technikbestand des 18-Mann starken Unternehmens.

Zum Thema:
Die Quarzsandwerke Hohenbocka wurden 1993 von der Quarzwerke GmbH in Frechen (bei Köln) gekauft. In Deutschland gehören zur Unternehmensgruppe fünf Werke, dazu kommen Standorte in Polen, Tschechien, in Russland, in der Ukraine und in Bulgarien.1998 nahm die Quarzwerke GmbH in Hohenbocka ein neues, hochmodernes Werk in Betrieb. Nach dem Großbrand im Dezember 2006 wurden erneut 25 Millionen Euro ins Werk Hohenbocka investiert. Was die Aufbereitungstechnik betrifft, hält Hohenbocka europaweit einen Spitzenplatz. Die Lagerstätte des Rohstoffvorkommens in Hohenbocka ist mit 20 Millionen Jahren verhältnismäßig jung.