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| 01:00 Uhr

Hohe Dollar-Zinsen drücken den Euro

Der Dollar lässt seine Muskeln spielen und zwingt den Euro zu immer neuen Kursrutschen. Seit Monaten verliert der Euro stetig an Wert und ist in den vergangenen Tagen mehrfach auf das jeweils niedrigste Niveau seit zwei Jahren gefallen. Von Marion Trimborn

Die europäische Gemeinschaftswährung pendelt um 1,17 Dollar und wird voraussichtlich auch noch die Marke von 1,15 Dollar testen.
Die Ökonomen zeigen sich überrascht. Viele hatten dem Euro nach dem Rekordhoch von 1,36 Dollar zum Jahresende 2004 kräftige Kurszuwächse in diesem Jahr zugetraut. Genau das Gegenteil ist eingetreten, der Euro hat seitdem in Zick-Zack-Bewegungen fast 20 Cent verloren.

Politische Einflüsse
Gründe dafür sind schnell gefunden. Manche Beobachter sprechen von einer Euro-Schwäche. Angesichts der anhaltenden Krawalle in Frankreich und der politischen Unsicherheiten bei der Bildung der großen Koalition in Deutschland sei Europas Reformzug ins Stocken geraten, heißt es. "Das ist kein Argument", widerspricht die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud. "Politische Ereignisse spielen nur kurzfristig eine Rolle. Die Märkte sind sehr vergesslich."
Die Ökonomen reden vielmehr von einer Dollar-Stärke, für die es handfeste wirtschaftliche Gründe gibt. "Die US-Notenbank hat kräftig an der Zinsschraube gedreht", sagt Jens-Uwe Wächter, Währungsexperte der DekaBank. "Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa lockt die Anleger in den Dollar." Das drückt die europäische Gemeinschaftswährung. In nächster Zeit werde sich daran nichts ändern. Selbst wenn die Europäische Zentralbank (EZB) in den nächsten Monaten den Leitzins wie erwartet anhebt, dürfte der US-Zins bis Mitte 2006 auf 4,75 Prozent steigen - gegenüber erwarteten 2,5 Prozent im Euro-Raum.
Ausländisches Kapital strömt aber nicht nur wegen attraktiver Zinsen, sondern auch wegen des "Homeland Investment Act" in die USA. Dieses Gesetz bietet amerikanischen Unternehmen Steuererleichterungen an, wenn sie bis Jahresende ihre bei Auslandstöchtern erzielten Gewinne in die USA einführen. Dabei könnte es sich nach Schätzungen um dreistellige Milliardenbeträge handeln. Der Dollar-Höhenflug wird daher noch eine Weile andauern - obwohl sich eine Trendumkehr bereits absehen lässt.

US-Defizit bleibt ein Problem
"Wenn die Zinserhöhungen in den USA 2006 enden und die Wirtschaft sich abschwächt, wird das Leistungsbilanzdefizit der USA wieder in den Mittelpunkt rücken", sagt Währungsexperte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Die US-Regierung habe das Problem des riesigen Defizits immer noch nicht angegangen. Das beunruhige den einen oder anderen Dollar-Käufer. Die negative Leistungsbilanz und das enorme Haushaltsdefizit der USA galten im vergangenen Jahr als Hauptursachen für die anhaltende Schwäche des US-Dollar. Nach neuesten Zahlen hat das Defizit im US-Außenhandel im September mit 66 Milliarden Dollar einen neuen Rekord erreicht. Dass die Devisenmärkte das Defizit derzeit ignorieren, erklärt Bielmeier so: "Der Finanzmarkt ist unlogisch und neigt zu Übertreibungen. Das hat viel mit Psychologie zu tun."
Langfristig sehen die Devisenexperten den Euro wieder im Aufwärtstrend. In sechs Monaten soll er rund 1,25 Dollar wert sein, in einem Jahr 1,30 Dollar. Trotz der aktuellen Euro-Schwäche gebe es keine Anzeichen für eine Weichwährung. "Der Euro ist immer noch leicht überbewertet", schreibt die Commerzbank sogar. Der niedrige Wechselkurs stärke zudem die europäische Wirtschaft, weil er Exporte ins außereuropäische Ausland verbillige und die Konjunktur anschiebe.