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| 01:10 Uhr

Hochzeit bei Lausitzer Volksbanken

Unter den Volksbanken in der Lausitz herrscht Hochzeitsstimmung. Die nächste Ehe soll zwischen der Volks- und Raiffeisenbank Cottbus und der NL Bank Volks- und Raiffeisenbank eG Finsterwalde geschlossen werden. Gestern wurden die Vertreterversammlungen der beiden Genossenschaftsbanken offiziell informiert. Im Juni entscheiden die Gremien, ob sie der von den Vorständen der Lausitzer Institute beschlossenen Verschmelzung zur VR Bank Lausitz eG mit Sitz in Cottbus ihren Segen geben. Von Beate Möschl

Für die Cottbuser Genossenschaftsbank mit derzeit 7000 Mitgliedern und einem Marktanteil von rund zwölf Prozent im Marktgebiet zwischen Cottbus, dem Umland der Stadt und Senftenberg wäre es die zweite Partnerschaft. - 1994 hatte die Volks- und Raiffeisenbank Cottbus die Senftenberger Volksbank unter ihre Fittiche genommen. Für die Finsterwalder wäre es der dritte Partner. - In den Jahren 1996 und 1998 waren bereits die Volksbank Herzberg und die Luckauer Raiffeisenbank zur NL Bank Volks- und Raiffeisenbank eG Finsterwalde verschmolzen.

Wunschpartner gefunden
Die NL Bank zählt 3400 Mitglieder und hat im Raum Finsterwalde, Herzberg, Luckau, Dahme einen Marktanteil von 24 Prozent. Sie ist von der Bilanzsumme her etwas größer als die Cottbuser Genossenschaftsbank und „Wunschpartner“ , wie Peter Krings, Vorstandsmitglied der Volks- und Raiffeisenbank Cottbus eG, erklärt.
„Die gesetzlichen, die materiellen und die personellen Anforderungen zwingen die Banken im Genossenschaftssektor, sich zu größeren regionalen Wirtschaftseinheiten zusammenzuschließen“ , sagt Krings. Freilich müssten Fusionen wirtschaftlich sinnvoll sein. So wie im Falle der Cottbuser und Finsterwalder Genossenschaftsbanken. „Für uns ist die Verschmelzung aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation der NL-Bank und ihrer stabilen Entwicklung in den letzten Jahren eine Chance, uns gemeinsam zu einer schlagkräftigen Regionalbank zu entwickeln“ , meint Krings.
Der Banker ist im Sommer 2000 als Vorstandsmitglied in die Cottbuser Volks- und Raiffeisenbank eingetreten. Er spricht heute von einer zufrieden stellenden Entwicklung in den letzten zwei Jahren. Allerdings habe das Haus jahrelang Altlasten abtragen müssen. Wirtschaftliche Fehlentscheidungen in der Vergangenheit hatten dazu geführt, dass in den Jahren 1996/97 der Sanierungsfonds des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) einspringen musste, um die Bank vor dem drohenden Aus zu bewahren. Der Schuldendienst verhinderte, dass das Bankhaus Speck ansetzen und Reserven bilden konnte, wie Krings erklärt. Mit der Verschmelzung werde die Situation verbessert.

Kein Rückzug aus der Fläche
„Für unsere Kunden ändert sich mit der Verschmelzung nichts. Wir werden uns grundsätzlich nicht aus der Fläche zurückziehen“ , versichert er. Nicht auszuschließen sei allerdings, dass Standorte, die nicht mehr optimal sind, verlagert werden. Einschnitte wird es jedoch bei den Beschäftigten geben. „Es wird zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen“ , sagt Krings. „Das ist zwischen den Betriebsräten und den Vorständen einvernehmlich verhandelt und unseren Mitarbeitern in Betriebsversammlungen mitgeteilt worden.“ Konkrete Angaben macht der Cottbuser Volksbanker nicht. In beiden Instituten arbeiten derzeit insgesamt 184 Mitarbeiter.

Hintergrund Volksbanken in der Region
Zwischen Neiße und Elbe (ehemaliger Bezirk Cottbus) sind acht Volksbanken und Raiffeisenbanken tätig. Das sind die NL Bank Volks- und Raiffeisenbank eG Finsterwalde (Elbe-Elster-Kreis und Dahme-Spreewald-Kreis), die Spreewaldbank Lübben (Landkreis Dahme-Spree, Oberspreewald-Lausitz-Kreis und Burg), die Volks- und Raiffeisenbank Forst eG und die Volksbank Spremberg-Bad Muskau (Spree-Neiße-Kreis und Niederschlesischer Oberlausitzkreis), die Volksbank Bautzen eG, auf die die Volksbank Westlausitz verschmolzen worden ist, sowie die Volksbank Elsterland eG, im Jahr 2001 aus Volksbank Jessen und Raiffeisenbank Bad Liebenwerda entstanden.
Die Cottbuser Volks- und Raiffeisenbank steigerte im Geschäftsjahr 2002 die Bilanzsumme im Vergleich zu 2001 um rund sieben Millionen auf 217 Millionen Euro.
Die NL Bank Finsterwalde steigerte die Bilanzsumme 2002 um drei Millionen auf 226 Millionen Euro.
Genossenschaftsbanken sind von ihrem Ursprung her Selbsthilfe-Einrichtungen des gewerblichen und ländlichen Mittelstands. Heute sind sie Universalbanken, die alle Bankgeschäfte betreiben.
Die Volksbanken gehen auf den Begründer der gewerblichen Kreditgenossenschaften, H. Schulze-Delitzsch, die Raiffeisenbanken auf den Begründer der ländlichen Kreditgenossenschaften, F. W. Raiffeisen, zurück.