In Cottbus ist es keine Garage, in der Hochtechnologie entsteht, die den Weltmarkt erobern will. Vielmehr dient hier der Hangar 4 auf dem Ex-Flugplatzgelände - dem heutigen Technologie- und Industriepark (TIP) - als Erfinder- und Produktionsstätte sowie künftige Endmontagelinie. Zur Präsentation ihres Prototypen hat die Berg+Kießling GmbH Cottbus/Berlin einen dunklen Container mit fünf Türöffnungen aus der Halle mit dem halbrunden Dach gezogen. Das Innenleben hat nicht nur die Gäste und Kooperationspartner aus China staunen lassen.

Denn es handelt sich um ein neuartiges extern befeuertes Mikro gasturbinen-System zur dezen tralen Energiewandlung (50 bis 200 kW). Das heißt: In einer Feuerungsanlage werden Reststoffe (von Hackschnitzeln und Müll bis zu biogenen Reststoffen) verbrannt. Das heiße Gas wird von Partikeln getrennt, kommt in einen Wärmetauscher und wird auf die Turbine geleitet. Ein Generator liefert den Strom. Das noch immer rund 500 Grad heiße Gas wird letztlich wieder in die Feuerung geleitet - was die Effizienz der Anlage erheblich steigert.

Die innovative Idee dieses Systems sieht der geschäftsführende B+K-Gesellschafter Sebastian Kießling darin, dass Reststoffe als Brennstoffe in einer Energiewandlungsanlage verwertet werden, was bisher nur durch rein thermische Nutzung geschah. Industrielle Kunden können bisher ungenutzte Reststoffe direkt am Ort der Entstehung oder Lagerung zu Strom wandeln. Die oftmals kostenpflichtige Entsorgung entfällt und zusätzliche Einnahmequellen können generiert werden (Einsparung von Strom- und Wärmekosten sowie Energieeinspeisung).

Für Kießling vereint das Produkt High-Tech-Mikrogasturbinen mit einem robusten und flexiblen Verbrennungssystem. Desweiteren würden die kompakte Bauweise, geringe Wartungskosten, Dauerlauffähigkeit oder die innovativen Baugruppen für das Gesamtprodukt sprechen. "Wir planen, das System als standardisierte, modulare und mobile Containerlösung anzubieten, die überall auf der Welt einsetzbar ist", betont der Geschäftsführer. Mit einem entsprechend dimensionierten Container lässt sich etwa eine mittelgroße Eigenheimsiedlung autark mit Strom versorgen.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) hat wie der Cottbuser Dezernent Thomas Bergner das Engagement von B+K vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Region gewürdigt. Das mit 3,7 Millionen Euro (EU und Land) geförderte Projekt sei ein Musterbeispiel für die Kooperation von Wissenschaft (hier der BTU Cottbus-Senftenberg) und Wirtschaft. Sebastian Kießling ließ unterdessen keinen Zweifel daran, "dass die Energiewandlungsanlage von morgen aus der Lausitz kommt". Er nennt die Bedingungen in Cottbus und der Lausitz optimal, "um Technologieentwicklung und Produktion für den Weltmarkt durchzuführen".

Unterdessen hat Prof. Dr. Heinz Peter Berg bereits einen Blick in die Zukunft der Mikrogasturbinen-Technologie gewagt. Mikrogasturbinen mit Hochtemperatur-Brennstoffzellen zu koppeln - darin sieht der B+K-Gesellschafter und Lehrstuhlinhaber Verbrennungskraftmaschinen und Flugantriebe an der BTU Cottbus-Senftenberg entscheidende Steigerungen des Wirkungsgrades. "Wir wollen mit unserem Projekt die technologische und anwendungsbezogene Forschung an der BTU stärken."