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| 01:24 Uhr

Hochschule Lausitz forscht mit regionalen Unternehmen zum Plagiatsschutz

Cottbus. Unternehmen aus Südbrandenburg arbeiten an einer Lösung gegen Produktpiraterie im Maschinenbau. Eine Art Fingerabdruck auch für Ersatzteile wollen die Hochschule Lausitz (FH) mit der IFT Industrie- und Fördertechnik GmbH in Roggosen, der dpm Identsysteme GmbH in Bad Liebenwerda und dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig entwickeln. Zum Vorteil von Maschinenbauern und deren Kunden. pm/js

Denn die Klagen über Sicherheitsmängel sind gestiegen, wie eine Umfrage des Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ergab. Immer häufiger bereiten gefälschte Ersatzteile Probleme. An diesem Punkt setzt das zweijährige Projekt an, das mit 500 000 Euro von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen “Otto von Guericke„ e.V. (AiF) gefördert wird. Genutzt wird eine die Funktechnologie (Radio Frequency Identification, RFID), bei der Daten von Bauteilen abgelesen werden. Das größte Problem dabei besteht nach Angaben der Hochschule Lausitz in der sicheren Datenübertragung. Denn das metallische Umfeld stört die Funkübertragung besonders.

“Von den Ergebnissen haben sowohl die Kunden als auch der Hersteller von Maschinen und Anlagen einen Nutzen„, erklärt Prof. Dr. Sylvio Simon. Gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Biegel und einem eigens dafür eingestellten Mitarbeiter, dem Bachelor-Absolventen Rico Harms aus dem Studiengang Maschinenbau, bearbeitet Simon das Projekt an der Hochschule Lausitz in Senftenberg. “Der Kunde, der eine Anlage gekauft hat und betreibt, kann diese jederzeit exakt identifizieren und über eine weltweit verfügbare Datenbank weitere Unterlagen, wie Ersatzteil-Listen, Einstellhinweise, Wartungsanleitungen herunterladen beziehungsweise benötigte Ersatzteile bestellen„, beschreibt Simon den Ansatz. Benötigt werde lediglich ein spezielles Lesegerät für die Informationen auf den Chips, das auch erkennt, welche Anlagenkomponenten verbaut wurden sind. So kann ein Hersteller feststellen, ob nachträglich Teile von anderen Herstellern eingebaut wurden. Für Maschinenbauer kann das wichtig sein, wenn es nach Defekten oder Unfällen zu Schadensersatzforderungen kommt.

Der Testfall, das sind die Gurtbandreiniger der IFT GmbH Roggosen. Sie sind weltweit im Einsatz, oft auch im asiatischen Raum. Wenn sie im Kohlebergbau, in der Zementindustrie, in Kiesgruben und Kraftwerken wegen eines falsch eingestellten Reinigers oder eines nachträglich eingebauten Plagiats ausfallen, sind sehr teure Gurtbandschäden und Produktionsausfälle die Folge. Deshalb erhofft sich IFT-Geschäftsführerin Annemarie Christiansen von der neuen Technologie eine eindeutige Identifizierbarkeit der Produkte ihres Unternehmens.

Für die Entwicklung der Datenbanken und die Auswahl der Übertragungstechnik ist die dpm GmbH Bad Liebenwerda zuständig. Das Einbringen der RFID-Chips in die Metallteile der Anlagen ist Aufgabe der Hochschule Lausitz, die auch die mechanischen Tests übernimmt, mit denen geprüft wird, ob die Chips die Schwingungen der Anlagen unbeschadet aushalten können. An der Universität Leipzig wird im Institut für Wirtschaftsinformatik deshalb die Übertragung der Daten zwischen den Maschinenbauteilen und den Lesegeräten unter schwierigen Umweltbedingungen getestet, zum Beispiel unter Einfluss von Wasser, Kälte oder Schmutz. Die IFT GmbH Roggosen ist für die Integration der Lösung in die Anlagen verantwortlich.

Sollte sich das Projekt als erfolgreich erweisen, könnte dies erst der Anfang sein. Denn die Lösung kann nach Angaben der Hochschule Lausitz auch von Unternehmen in anderen Industriezweigen nachgenutzt werden. Der Bedarf dafür ist milliardenschwer. In einer repräsentativen Umfrage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) äußerten sich knapp zwei Drittel der 326 befragten Unternehmen von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Den Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau beziffert der Verband mit jährlich 6,4 Milliarden Euro. Ein solcher Umsatz würde der Branche knapp 40 000 Arbeitsplätze sichern, so der VDMA. Die Demnach werden vor allem Ersatzteile und Komponenten häufiger plagiiert, bei ganzen Maschinen sei ein Rückgang der Nennungen zu verzeichnen. Acht von zehn Plagiatherstellern kommen laut VDMA aus Asien, wobei China weiterhin unangefochten “Plagiatweltmeister„ mit knapp 80 Prozent sei. Laut Studie sind Reklamationen und Sicherheitsmängel durch Plagiate sind stark angestiegen. Neben dem Imageverlust kommt der relative Umsatzverlust durch Piraterie, der laut VDMA auf einem neuem Höchststand ist und bereits vier Prozent vom Umsatz beträgt. 43 Prozent der Unternehmen planen Investitionen in technische Schutzmaßnahmen, was ein Gesamtinvestitionsvolumen in Schutzmaßnahmen von knapp zwei Milliarden Euro pro Jahr bedeuten würde. js