Dirk Mund wird daran täglich erinnert, wenn er sein Büro betritt. Das Foto im XXL-Format hängt in der Ausstellungshalle des Heringsdorfer Korbwerks. Hier wurde der berühmte Strandkorb schließlich auch gebaut - in der ältesten Korbmanufaktur Deutschlands.

C. M. Harder gründete 1925 die erste Pommersche Strandkorbfabrik, die 1933 nach Heringsdorf übersiedelte. Und sie ist heute noch am Markt. "Tradition verbinde ich mit Vertrauen ins Produkt", sagt Geschäftsführer Mund. Seit 2009 ist er Gesellschafter, seit 2011 Chef der Korbwerk Heringsdorf GmbH & Co. KG.

Mit dem Einzug in die ehemaligen Hallen der Firma Menüko am Waldbühnenweg hat das Korbwerk räumlich zugelegt. "Insgesamt stehen uns nun 2600 Quadratmeter zur Verfügung", so Mund. Wo vorher sechs Körbe auf 25 Quadratmetern standen, sind es heute in der Ausstellungshalle über 30 auf 220 Quadratmetern. Dazu kommen zahlreiche Werkstatträume. Denn im Jahr werden hier rund 2000 Körbe gebaut - vom Holzgestell bis zum Korbgeflecht in reiner Handarbeit.

Und die meisten nach individuellen Wünschen der Kunden.

"Alte Schule, neues Design" steht auf dem Firmenlogo. Für Mund und sein 24-köpfiges Team zählen vor allem Körbe, die sich von der Masse abheben. "Unsere Chance auf dem Markt ist das Alleinstellungsmerkmal", sagt der 52-Jährige, der beispielsweise in seinem Haus den Hundestrandkorb entwickelte. Körbe für Gastronomen mit Schankanlagen verließen das Betriebsgelände, ebenso wie das Modell "Halali" im Jägerdesign. "Wir bauen Elektroanschlüsse ein, Licht und Musikboxen, so wie es der Kunde wünscht", sagt Mund zur möglichen Vielfalt. Die schließt nun auch barrierefreie Körbe ein. Mehrere wurden in Niedersachsen geordert. Rollstuhlfahrer können über eine Minirampe rückwärts in den Korb fahren. "Da erwarten wir weitere Aufträge."

Der Hauptabsatzmarkt ist und bleibt Deutschland. "Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Nach Bayern geht der eine oder andere Korb auch. Im Ausland sind wir vor allem in Österreich und der Schweiz präsent, Frankreich wird auch immer besser", so der Korbchef, der nun auch einen Händler in England hat. Usedomer Körbe im Land ihrer Majestät. Mitunter geht es sogar noch weiter - zwei Strandkörbe wurden dieses Jahr nach Panama geliefert, in Ohio, Florida und Kalifornien orderten Deutsche, die dort heimisch geworden sind, ein Stück Tradition aus der Heimat.

Heimat verbindet Mund, der nach zwei Jahren in Swinemünde nun im Kaiserbad wohnt, vor Ort mit dem weltgrößten Strandkorb, der neben der Heringsdorfer Seebrücke steht. "Dafür brauchten wir sogar eine Baugenehmigung", sagt er zu dem rund 50 000 Euro teuren und über sechs Meter breiten Stück, das bei den Usedom-Motiven der Touristen kurz hinter der Ahl becker Seebrücke rangiert. Oder schon davor, wer weiß? Vielleicht könnte schon bald ein Ableger des Korbriesen in Dubai stehen. Das Korbwerk stehe in Verhandlungen, meint Mund diplomatisch. Der Interessent sucht für seine Go-Kart-Bahn nach einer geeigneten kleinen Tribüne. Warum nicht ein Strandkorb aus Heringsdorf, der längst in der Welt angekommen ist.