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| 18:57 Uhr

Zukunft Lausitz
Hausaufgaben für die Strukturentwicklung

Die Halong Bucht in Vietnam heute und in Zukunft. Die BTU Cottbus-Senftenberg ist Partner eines Bundes-Projektes zur Erforschung künftiger Siedlungsstrukturen auf dem Wasser und stößt im ostasiatischen Raum auf große Resonanz. Auch damit ließe sich die Strukturentwicklung in der Lausitz befördern. Denn über ein Start-up-Unternehmen könnten künftig weltweit Technologien auf diesem Gebiet angeboten werden.
Die Halong Bucht in Vietnam heute und in Zukunft. Die BTU Cottbus-Senftenberg ist Partner eines Bundes-Projektes zur Erforschung künftiger Siedlungsstrukturen auf dem Wasser und stößt im ostasiatischen Raum auf große Resonanz. Auch damit ließe sich die Strukturentwicklung in der Lausitz befördern. Denn über ein Start-up-Unternehmen könnten künftig weltweit Technologien auf diesem Gebiet angeboten werden. FOTO: BTU Cottbus
Cottbus/Görlitz. Die „Kohle“kommission beim Bund macht Tempo. In der Region ist eine wichtige Personalie für die Zukunft aber noch immer nicht entschieden.  Von Christian Taubert

„Die Lausitz wird gehört.“ Diese klare Aussage der eher kritischen Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) ist ermutigend. Die Chefin der brandenburgisch-sächsischen kommunalen Lausitzrunde ist wie die grüne Welzowerin Hannelore Wodtke Vertreterin der Region in dem fälschlicher Weise Kohlekommission genannten Gremium beim Bund, in dem es vor einem Kohleausstiegsdatum um Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung in den betroffenen Kohlerevieren gehen soll. Bislang hat Christine Herntier den Eindruck, dass verschiedene vergleichende Studien ein umfassendes Bild der einzelnen Reviere vermittelt haben und den Mitgliedern deutlich geworden sei, „dass die Lausitz die schlechtesten Voraussetzungen für den Strukturwandel hat“.

Darüber und über einige „Hausaufgaben“ mehr, die bis zur nächsten Sitzung Ende August in Berlin erledigt sein sollen, wird Herntier am heutigen Montag in Senftenberg berichten. Hier kommt die Große Lausitzrunde (mit Landräten und OB von Cottbus) zusammen, um über den Ist-Zustand in der Strukturkommission zu erfahren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Dabei haben die Gesellschafter der Wirtschaftsregion Lausitz (WRL), die vier Südbrandenburger Landkreise, der sächsische Kreis Görlitz und das kreisfreie Cottbus, selbst noch einen Brocken aus dem Weg zu räumen. Denn nach zwei vergeblichen Versuchen, die längst überfällige Personalie des neuen WRL-Geschäftsführers zu klären, laufen nach RUNDSCHAU-Informationen Vertragsverhandlungen mit Torsten K. Bork.

Der noch im Urlaub befindliche Potsdamer Unternehmens- und Politikberater reagierte auf RUNDSCHAU-Anfrage mit den Worten: Mein Motto ist die „ganze Lausitz in Sachsen und Brandenburg“. Dass die Vertragsverhandlungen dem Vernehmen nach zurzeit  stocken, weil der künftig für den Strukturwandel in der Region verantwortliche „Kopf der Lausitz“ Potsdamer bleiben will, löst Verwunderung aus. „Ich wünsche mir, dass es endlich klappt“, sagt der Vizepräsident des Unternehmerverbandes Brandenburg-Berlin (UVBB), Reinhard Schulze. Er habe eine „Herkulesaufgabe“ vor sich, die beinahe tägliche Präsenz in der Lausitz erfordert. Der Spremberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese kommentiert die für ihn unabdingbare Lausitz-Präsenz mit den Worten: „Wir brauchen keinen Wandervogel. Wer hier antritt, muss das für eine längere Zeit, als Lausitzer vor Ort sowie mit Herz und Verstand tun.“

Reinhard Schulze geht es ohnehin verstärkt darum, weg von dieser Personalie über Inhalte zu beraten. Seit Langem hält er an einer Sonderwirtschaftszone für den Strukturwandel fest. „Es muss sich für Unternehmer lohnen, in der Lausitz zu investieren“, sagt er. Dafür würden verkürzte Planungszeiträume ebenso benötigt wie Investitionsförderungen.

Der umtriebige UVBB-Vize schließt sich auch der Forderung des IHK-Hauptgeschäftsführers Wolfgang Krüger an, jetzt den Lausitzbeauftragten des Landes Klaus Freytag zu stärken und in seiner Arbeit zu unterstützen. Eine Parallelstruktur mit der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH in Sachen Strukturwandel sei für die Interessen der Lausitz nicht förderlich. Sinnvoller sei eine enge Kooperation zwischen den Akteuren der WRL und dem Lausitzbeauftragten. Für Krüger kommt es auf die Bündelung aller Kräfte an, um gegenüber dem Bund handlungs- und aussagefähig zu sein, was die Lausitz erwartet, um die Zukunft nach der Braunkohle gestalten zu können. „Jetzt mit viel Geld wochenlang ein Leitbild aufzuschreiben, was wir ohnehin schon wissen“, hilft der Region nicht weiter, denn nach den Plänen der Bundesregierung soll die Strukturkommission bis Ende Oktober präzise Vorschläge für die Bewältigung des Strukturwandels in den deutschen Braunkohlenrevieren erarbeitet haben.

Die Bündelung der Kräfte in der Lausitz – diese Hausaufgabe muss die WRL jetzt schnell erledigen. Denn schon im Herbst könnten in der Strukturkommission beim Bund erste förderfähige Projekte nachgefragt sein. Wer aber präsentiert sie und setzt sie danach federführend um? Der Sprecher der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH, der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU), erklärt gegenüber der RUNDSCHAU, dass er sich zum jetzigen Zeitpunkt zu der Personalie Bork nicht äußere.

Abseits der Probleme in der Führung für den Strukturwandel ist die Region aber längst unterwegs, um neue Geschäftsfelder für Unternehmen zu akquirieren, die heute noch eng mit der Kohle verbunden. Bei der Kammer-unterstützen Innovationsregion Lausitz GmbH laufen hier die Fäden zusammen. Die BTU Cottbus-Senftenberg wächst immer mehr in ihre Rolle hinein, Innovationen in regionalen Betrieben zu befördern. Hinzu kommen die Einrichtung von drei Fraunhofer- Projektgruppen an der BTU oder der Bau eines Groß-Energiespeichers auf dem Gelände eines Großkraftwerkes. Know how für schwimmende Bauten, die im Lausitzer Seenland erforscht und getestet werden, könnten zu einem Exportschlager werden. „Wir wollen keine Häuser nach Vietnam oder Südostasien verschicken“, sagt BTU-Professor Horst Stopp. Aber ein Lausitzer Start-up-Unternehmen zu gründen, das Technologien für Schwimmbauten in die Welt exportiert, „damit wird der Strukturwandel in der Lausitz unterstützt“.

Bei IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger rennt er da offene Türen ein. „Es sind letztlich die Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen“, sagt Krüger. „Ihre Projekte brauchen die finanzielle Förderung des Bundes.“ Das Kommissionsmitglied beim Bund Christine Herntier fügt hinzu, dass es in Berlin inzwischen anerkannt sei, „dass im Lausitzer Revier besonders  unterstützt werden muss“.

Die Halong Bucht in Vietnam heute und in Zukunft. Die BTU Cottbus-Senftenberg ist Partner eines Bundes-Projektes zur Erforschung künftiger Siedlungsstrukturen auf dem Wasser. Über ein Start-up-Unternehmen künftig weltweit Technologien auf diesem Gebiet anzubieten, wäre ein Beitrag zum Strukturwandel in der Lausitz.  Foto: btu
Die Halong Bucht in Vietnam heute und in Zukunft. Die BTU Cottbus-Senftenberg ist Partner eines Bundes-Projektes zur Erforschung künftiger Siedlungsstrukturen auf dem Wasser. Über ein Start-up-Unternehmen künftig weltweit Technologien auf diesem Gebiet anzubieten, wäre ein Beitrag zum Strukturwandel in der Lausitz. Foto: btu FOTO: BTU Cottbus