Eine Blaskapelle spielt, die Sonne scheint. "Es ist ein ausgesprochen schöner Tag", freut sich Flughafen-Aufsichtsratschef und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Auf der Lkw-Fläche vor dem "Cargo Center" des Berliner Großflughafens sind Tische aufgebaut, und festlich gekleidete Menschen freuen sich daran, dass am Pannen-Airport BER endlich einmal etwas voranzukommen scheint: Am Mittwoch ist das über eine Kapazität von bis zu 100 000 Tonnen Luftfracht pro Jahr verfügende "Cargo Center" des Flughafens offiziell eingeweiht worden.

"Ein wesentlicher Meilenstein für den Flughafen", sagt Geschäftsführer Hartmut Mehdorn. Ein Teilstück auf dem von ihm angestrebten Weg der schrittweisen Inbetriebnahme: "Alles was betriebsbereit ist, werden wir auch in Betrieb nehmen."

Womit sich die Flughafengesellschaft beim "Cargo Center" freilich Zeit gelassen hat. Denn schon am 19. April 2012 hieß es in einer Pressemitteilung der FBB: "Rechtzeitig zur Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg am 3. Juni 2012 wurde heute das neue Cargo Center von der Dietz AG als Investor an die Kunden übergeben." Fertig gestellt war das 12 000 Quadratmeter große Gebäude also schon vor mehr als einem Jahr.

Doch am Hauptstadtflughafen sind Symbolhandlungen derzeit offensichtlich wichtig. "Wir waren bislang viel mit dem beschäftigt, was nicht geht", sagt Platzeck in seinem Grußwort zur Eröffnung. "Das ändert sich jetzt." Und natürlich benutzt Platzeck auch bei der Eröffnung des "Cargo Centers" sein mittlerweile hinreichend bekanntes Bild von dem "Zug, der Fahrt aufgenommen hat".

Festgeklopft sind nunmehr auch weitere Termine: Im August werde sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft mit den Plänen einer teilweisen Eröffnung des Flughafens beschäftigen, im Oktober gehe es um einen Termin für die Gesamteröffnung, kündigt Platzeck an.

Und zum Jahreswechsel könnte es eine Teilinbetriebnahme des BER für einzelne Fluggesellschaften am Nordpier geben, erklärt Mehdorn.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nutzt die Gelegenheit, um Pflöcke in den märkischen Sand zu treiben. Er hofft darauf, dass das neue Cargo Center die Luftfrachtanlagen in Tegel entlaste, und einige der bislang vom innerstädtischen Flughafen stattfindenden Frachtflüge nach Schönefeld verlagert werden, sagt Wowereit.

Denn eine der Festlegungen, die beim Beschluss für den Bau des neuen Großflughafens getroffen wurden, sei, dass es nur einen Flughafenstandort in Schönefeld geben soll. "Das bedeutet, dass nach der Fertigstellung des Flughafens tatsächlich Tegel zugemacht wird", so Wowereit. "Da gibt es kein Wenn und Aber."

Eine klare Ansage angesichts eines Flughafenchefs, der es in den vergangenen Monaten geradezu genüsslich zelebrierte, über eine Offenhaltung Tegels zu spekulieren. Bei seinen Plänen für eine schrittweise Eröffnung erhält Mehdorn dagegen Rückendeckung: "Berlin ist für ein Soft-Opening", sagt Wowereit. Zunächst freilich wird nun das Frachtzentrum in Betrieb genommen. Ab dem 1. August sollen die in Schönefeld startenden und landenden Frachtflieger der Kurierdienste Fed-Ex und UPS dort abgefertigt werden. Und auch die in den Bäuchen der ab Schönefeld startenden Passagiermaschinen beförderte Luftfracht soll dann über das neue Cargo Center abgewickelt werden.

Zudem finden dann dort auch die Pflanzenschutzkontrollen und die Veterinärgrenzkontrollen statt. Zumindest ein bisschen offen ist der BER dann also.