Porsche besitzt derzeit rund 31 Prozent an Volkswagen und will seinen Anteil noch in diesem Monat auf 36 Prozent und bis Mitte Oktober 2008 auf mehr als 50 Prozent ausbauen. Einst als "Retter" von VW gefeiert, der mit seinem Einstieg vor drei Jahren den Konzern vor "Heuschrecken" bewahrte, ist der Porsche-Boss inzwischen aber für viele in Wolfsburg ein rotes Tuch.
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat Wiedeking wiederholt "Gutsherrenart" vorgeworfen, er blockiere mit einem Konfrontationskurs eine Einigung im Mitbestimmungsstreit. Bei Porsche säßen "arrogante Neureiche", die nicht verstanden hätten, wie der größere Laden VW funktioniere. Schon vor Monaten warnte Osterloh, Fusionen könnten auch scheitern. Die Mitbestimmungsvereinbarung der Porsche Holding geht aus Sicht des VW-Betriebsrates zulasten der VW-Belegschaft. Ein geplanter "Friedensgipfel" platzte.

Porsche-Chef will keine „heiligen Kühe“
Auch im VW-Management sind dem Vernehmen nach viele wegen des Vorgehens der Stuttgarter irritiert. Wiedeking mische sich zu sehr ein, lautet der Vorwurf hinter vorgehaltener Hand. Schon früh hatte der Porsche-Chef seine Linie deutlich gemacht: Bei VW dürfe es keine "heiligen Kühe" geben - in Wolfsburg ein nicht vergessener Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall.
Dies blieben nicht die einzigen Nadelstiche aus Stuttgart: Ende Mai 2008 sagte Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, bei VW gebe es viel zu tun. Die einzelnen Marken machten sich untereinander Konkurrenz. Der Wettbewerb müsse aber draußen und nicht im eigenen Konzern gesucht werden. Das ist auch die Auffassung von Wiedeking - dagegen neigt Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratschef Piëch zu einer Art Wettbewerb der Marken und Modelle untereinander.

Ablösungs-Gerüchte scharf kritisiert
Piëch soll nach einem "Spiegel"-Bericht auch kritisieren, dass Wiedeking Modelle wie den Phaeton und Marken wie das Konzern-"Sorgenkind" Seat infrage gestellt habe. Ablösen könnte Piëch Wiedeking aber nur mit Zustimmung der übrigen Mitglieder der Porsche-Piëch-Familie.
Wolfgang Porsche wies am Wochenende Spekulationen über eine Wiedeking-Ablösung scharf zurück. "Wir haben alle Beschlüsse in Sachen VW gemeinsam und einvernehmlich getragen. Daran gibt es nichts zu rütteln", teilte Porsche mit.
Dass der Porsche-Clan hinter dem sturen Westfalen Wiedeking steht, scheint keine müde Durchhalteparole zu sein. Der Manager sei trotz bestehender Reibereien kein Abschuss-Kandidat, heißt es. Zu groß wäre das Risiko für die Familie, dass es mit dem Abschied von Vordenker Wiedeking einen weiteren Aderlass im Top-Management gibt. Die Macher des Sportwagenbauers scheinen daher auf den Faktor Zeit zu setzen.
Die Gerüchte indes, dass Piëch Wiedeking absetzen lassen will, sind nicht neu. Es wäre nicht das erste Mal, dass der 71-Jährige Top-Manager über die Klinge springen lässt. Das letzte "Opfer" des gewieften Taktikers war der frühere VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder - ihn drängte Piëch vor zwei Jahren aus dem Amt und ersetzte ihn durch den damaligen Audi-Chef Martin Winterkorn.