Wenn die Bundesregierung Aktiengesellschaften Milliarden an Steuern nachlässt, dann fehlt das Geld in den öffentlichen Kassen. - Ja, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sind einfach zu verstehen und geben das Gefühl, das Leben sei schon irgendwie beherrschbar.
Kein Wunder also, dass Menschen stets versucht sind, komplizierte Sachverhalte in diese schönen Wenn-dann-Formeln zu pressen. Ganz besonders beliebt ist das in der Ökonomie. Sind Fragen um Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum erst einmal auf solch simple Zusammenhänge reduziert, darf sich jedermann als Sachverständiger fühlen. Die wirtschaftspolitische Debatte wird zum Volkssport der Untrainierten.
Nehmen wir nur den Euro. Lange Zeit haben uns die Vorturner erklärt: Wenn die europäische beziehungsweise deutsche Wirtschaft so schwach ist, dann ist doch klar, dass der Euro weich ist. Die Wirtschaft wurde daraufhin immer schwächer. Nur: Mittlerweile ist der Euro so hart, dass den Warnern von damals schon wieder die Knie zittern. Heute lassen sie uns wissen: Wenn der Euro weiter steigt, dann schlittert die europäische Wirtschaft noch tiefer in die Krise. Dass da was nicht stimmen kann, ist den Erfindern der ökonomischen Vereinfachungen egal. Munter basteln sie an neuen.
Mein absoluter Favorit unter diesen Hau-Ruck-Weisheiten stammt noch immer aus der Hochzeit der Börse. Wenn Sie nur alle T-Aktien kaufen, hieß es da, dann profitieren Sie von den ganzen Wohltaten der Aktienmärkte. Jetzt wissen wir: Wenn wir damals das Geld in Bierkästen angelegt hätten, dann hätten wir in der Zwischenzeit nicht nur viel Spaß gehabt. Das Leergut wäre zudem heute mehr wert als das angepriesene Wertpapier.