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| 01:07 Uhr

Handel hält am Preistief fest

Wenn die Verbraucher ihre schlechte Konsumlaune pflegen, greift der deutsche Einzelhandel zum vermeintlich bewährten Mittel: Er greift zum nächsten Tiefpreis-Angebot. Wirklich aus der Flaute bringen die Rabattschlachten die Branche jedoch nicht. Von Maren Martell und Christoph Sator

Von wegen "Geiz ist gewesen". Kaum hat das neue Jahr begonnen, laufen im Einzelhandel schon wieder die Rabattschlachten. Der Kaufhaus-Konzern Karstadt hat die ersten Januar-Tage zu "Tiefpreis-Tagen" mit Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent erklärt. Bei Kaufhof verlängerten die Marketing-Strategen die Feiern zum Firmen-Jubiläum einfach: Auch im 126. Jahr werden (bis zu 40) "Jubiläums-Prozente" angeboten. Auch viele kleine Geschäfte sind beim vorzeitigen Winterschlussverkauf dabei.

Enttäuschender November
Dabei ist die Branche froh, dass die freiwillige Selbstverpflichtung auf ein Ende der Rabattschlachten zumindest im Weihnachtsgeschäft gehalten hat. In den beiden Vorjahren hatten sich die Einzelhändler mit immer höheren Preisnachlässen noch vor dem Fest gegenseitig das Geschäft ruiniert. "Diesmal hat der Geiz wenigstens vor Weihnachten eine Pause gemacht", sagt der Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, Hubertus Pellengahr.
Allerdings steht noch nicht fest, ob das Ziel, im Weihnachtsgeschäft 2004 knapp 70 Milliarden Euro zu erlösen und damit eine Milliarde mehr als im Vorjahr einzunehmen, wirklich erreicht wurde. Im November wurde nur ein marginales Umsatzplus von nominal 0,2 Prozent verbucht - unter Berücksichtigung der Inflation betrug der Zuwachs sogar nur 0,1 Prozent. Auch der HDE, der in der Vergangenheit häufig zu optimistisch war, will sich dann auf eine genaue Prognose für 2005 festlegen.
Gewissheit wird in vier Wochen bestehen, wenn das Statistische Bundesamt seine Zahlen für Dezember vorlegt. Erst dann wird auch klar sein, wie hoch das Minus im Gesamtjahr liegt. Erwartet wird ein Rückgang zwischen 0,5 und einem Prozent.
Konjunkturexperten gehen davon aus, dass den rund 400 000 selbstständigen Einzelhändlern mit insgesamt 2,5 Millionen Beschäftigten 2005 zum vierten Mal in Folge ein schweres Jahr bevorsteht. Der private Konsum bleibe die "Achillesferse der Konjunktur", urteilt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Laut Forsa-Umfrage wollen trotz Entlastung durch die Steuerreform mehr als 60 Prozent der Bundesbürger im neuen Jahr mindestens genauso viel sparen wie 2004.
Ob der Handel im Preistief hängen bleibt, wird sich zeigen. Einstweilen verweist er darauf, dass der Januar traditionell als "Schnäppchen-Monat" gilt. Die ersten Tage im neuen Jahr hießen vor Jahrzehnten schon "weiße Wochen" - weil Haushaltswaren billig zu bekommen waren.

Neue Rabattrunde Ende Januar
"Reduzierungen nach Weihnachten sind ganz normal", heißt es bei der Textilkette C&A. Das Düsseldorfer Unternehmen hat seine Ware bis zu 50 Prozent reduziert und verlängert seine DM-Aktion bis Ende Januar, mit der es bislang 22 Millionen DM-Umsatz erzielt hat. Der Textilhändler Peek&Cloppenburg hat die Preise der Winterware gesenkt - zum Teil gibt es Rabatte von über 50 Prozent.
Fest steht schon, dass zum Monatsende eine neue Rabattrunde eingeläutet wird. Trotz des Wegfalls der gesetzlichen Regelungen wird es wieder einen Winterschlussverkauf geben um die Lager zu räumen. Diesmal schon eine Woche früher als üblich, ab dem 24. Januar. Der Winterschlussverkauf soll nicht bis in den Karneval dauern. So lustig sind die Zeiten für die Branche nicht.

Einspruch Spediteure wehren sich gegen Handels-Forderung
Das deutsche Fuhrgewerbe wehrt sich gegen Forderungen des Einzelhandels, die Mehrkosten nach dem Start der Lkw-Maut durch Einsparungen bei den Transportkosten auszugleichen. Der Geschäftsführer der BAG-Abteilung Städtebau und Verkehr, Rolf Pangels, hatte die Fuhrunternehmer aufgefordert, emissionsärmere Fahrzeuge einzusetzen, für die weniger Maut bezahlt werden muss, und ihre Abläufe zu optimieren, bevor Maut-bedingte Kostensteigerungen an die Endverbraucher weiter gegeben würden. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) geht von Preissteigerungen für den Endverbraucher ab September aus, aufgrund der höheren Transportkosten durch die Lkw-Maut.
Die Kosten für die Maut beziffert der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV), Heiner Rogge, zusammen mit Ausgaben für Verwaltung und Finanzen in den Unternehmen für die Branche auf drei Milliarden Euro im Jahr. Dieser Betrag sei durch Rationalisierungen nicht aufzufangen, betonte er gestern in Berlin. Deshalb müssten die Kunden der Transportunternehmen künftig "tiefer in die Tasche greifen". Die Spediteure handelten nur als "Steuereintreiber des Staates". Wenn die Branche die Mautausgaben nicht an ihre Auftraggeber weitergeben könne, bedeute das für viele Fuhrunternehmer das baldige Aus, sagte Rogge weiter. (ddp.vwd/B.M.)