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| 02:48 Uhr

Gutmütiger Adler hat das Trudeln überwunden

Der Flugzeugprüfer Frank Henkelmann (r.) an einer A 210, bei der ein Monteur die letzten Handgriffe an einem neu eingebauten Motor erledigt. Foto: Rolf Bartonek/rbt1
Der Flugzeugprüfer Frank Henkelmann (r.) an einer A 210, bei der ein Monteur die letzten Handgriffe an einem neu eingebauten Motor erledigt. Foto: Rolf Bartonek/rbt1 FOTO: Rolf Bartonek/rbt1
Trebbin. Der winzige Ortsteil Schönhagen (Teltow-Fläming) ist bekannter als die Kleinstadt Trebbin, zu der er gehört. Das liegt daran, dass hier einer der beiden Brandenburger Flugzeugbauer seinen Sitz hat. Seit 2002 wurden von der Aquila Aviation by Excellence GmbH und ihrem Vorgänger 150 Flugzeuge ausgeliefert. Rolf Bartonek

Während die Stemme AG in Strausberg durch ihre Motorsegler weltbekannt wurde und sich nun anschickt, auch ins Überwachungs- und Beobachtungsgeschäft mit Spezialfliegern einzusteigen, versorgt Aquila vor allem Flugschulen und -vereine, aber auch private Enthusiasten. Die in Schönhagen gebaute A 210 stößt in eine Marktlücke, denn Deutschlands Pilotenausbilder sitzen auf einem Maschinenpark, der zu einem beträchtlichen Teil veraltet ist. Die zweisitzigen Cessna 150/152, die hauptsächlich zum Einsatz kommen, sind oft 40 bis 50 Jahre alt. Der einzige Vorteil dieser Gebrauchtflugzeuge besteht in ihrem geringen Anschaffungspreis. Ältere Jahrgänge sind schon ab 20 000 Euro erhältlich.

Das reduziert zwar die Kosten für den Pilotenschein auf etwa 8500 Euro, während sie bei Verwendung einer A 210 um die 11 000 Euro betragen. "Aber eine alte Cessna fliegt sich auch nicht wie ein modernes Flugzeug", sagt Frank Henkelmann, selbst Pilot und bei Aquila verantwortlich für die technische Überprüfung von Kundenflugzeugen.

Teurer, aber agiler

Eine neue A 210 aus Schönhagen gebe es zu einem Nettopreis ab 137 500 Euro, der Nettodurchschnittspreis liege bei 150 000 Euro. Aber sie ist "deutlich agiler" und benötigt weniger Treibstoff als eine Cessna 152. Mit der neuen zweisitzigen "Skycatcher" (Cessna 162), hergestellt in China und endmontiert in den USA, wollte Cessna ab 2009 den Markt mit billigen Maschinen überschwemmen. Aber auch hier stieg der Preis drastisch - ganz abgesehen davon, dass die Maschine hierzulande zurzeit gar nicht absetzbar ist, weil Cessna es versäumte, Flugzeug und Herstellungsprozess von der europäischen Flugsicherungsbehörde EASA prüfen zu lassen, die folglich 2012 keine Zertifizierung erteilte. Damit bleibt Aquila auf einem großen Markt nahezu konkurrenzlos.

Henkelmann spricht von einer guten Auftragslage. Monatlich werden in Schönhagen zwei Flugzeuge gebaut. Aquila ist das lateinische Wort für Adler. Der Greifvogel gilt gemeinhin nicht als sanft, auf Brandenburgs Wappen schaut er geradezu grimmig drein. Die Schönhagener haben eine gänzlich andere Art Adler geschaffen. Ihre Aquila 210 gilt bei den Piloten als ausgesprochen gutmütig. Das bedeutet: Flugschüler können Fehler machen, ohne dass gleich etwas passiert. "Die V-Form der Flügel verleiht ihr besondere Stabilität, die Maschine kommt nicht so schnell ins Trudeln", erläutert Henkelmann.

Das Unternehmen selbst ist in seiner noch jungen Geschichte schon einmal ins Trudeln gekommen, weil die drei Ingenieure Peter Grundhoff, Alfred Schmiderer und Markus Wagner, die das Flugzeug konstruierten und 1996 die Firma als Aquila Technische Entwicklungen GmbH gründeten, nicht über genug Kapital verfügten, um die in der Luftfahrt immens teuren Vorfinanzierungen durchzustehen. Henkelmann fasst das so zusammen: "Wer in der Luftfahrt ein kleines Vermögen machen will, muss vorher ein großes haben."

Scheitern nicht ungewöhnlich

Den Lausitzern wird diese Weisheit sehr bekannt vorkommen. So scheiterten die Initiatoren der Leichtmotorenbau Cottbus GmbH vor einem Jahrzehnt mit ihrem Traum, einen besonders leichten Flugantrieb auf den Markt zu bringen. In Schönhagen musste Aquila Anfang 2005 Insolvenz beantragen, drei Jahre arbeitete der Betrieb in Regie eines Insolvenzverwalters, der von damals 44 Arbeitsplätzen 36 erhalten konnte. Denn im Markt und bei der Konstruktion hatten sich die Ingenieure, die heute noch im Unternehmen sind, nicht geirrt. Im Insolvenzjahr 2007 wurden 17 Maschinen gebaut und bei einem Umsatz von knapp drei Millionen Euro schwarze Zahlen geschrieben. 2008 ging der Betrieb an den Unternehmer Dr. Mohamad Radyamar, einem in Frankfurt am Main ansässigen Ägypter. Er firmierte nun als Aquila Aviation by Excellence GmbH. Die Firma hat heute 50 Mitarbeiter, 14 mehr als bei der Übernahme aus der Insolvenz. Das sagt sicher mehr aus als Zahlen über Umsatz und Gewinn, zu denen keine Angaben gemacht werden. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll für die Flugzeugmontage eine weitere Produktionshalle entstehen.

Zum Thema:
Neben dem Neubau von Kleinflugzeugen gehören die Bereiche Wartung und Instandsetzung sowie sowie die jährlichen Lufttüchtigkeitsprüfungen von Kundenmaschinen (Flugzeug-TÜV) zum Leistungsspektrum von Aquila. Die Firma übernimmt außerdem externe Entwicklungsaufgaben, vornehmlich im Leichtbau. rbt1