Im ehemaligen Chemiefaserwerk Guben (CFG) gab es eine leistungsstarke Berufsschule mit angeschlossener Betriebsakademie. Wer vor 1990 Chemiefacharbeiter oder -laborant, Instandhaltungsmechaniker oder Werkzeugmacher werden wollte, musste die kombinatseigenen Einrichtungen durchlaufen.

Das Ende der DDR-Berufsausbildung im CFG nach der Wende war der Anfang des GBV, des Gemeinnützigen Berufsbildungsvereins Guben. Die Berufsschullehrer und Ausbilder wollten selbst wirtschaftlich erfolgreich sein. Geschafft haben sie das bis heute. Die Gubener um Geschäftsführer Peter Weiß fanden eine Nische und konzentrierten sich auf die Ausbildung Benachteiligter. Die Neißestadt war Anlaufstelle für Tausende Lernbehinderte und Rehabilitanden aus dem gesamten Süden Brandenburgs. Der GBV war so erfolgreich, dass die einstigen Wohnheime des Chemiefaserwerkes aus allen Nähten platzten. Der Verein kaufte heruntergekommene Immobilien in der Gubener Altstadt, sanierte sie und richtete Wohngruppen ein. Das traditionsreiche Volkshaus in der Nähe des Bahnhofs wurde aufwendig saniert. Künftige Beiköche lernten dort ihr Handwerk und die Gubener konnten dort wieder große Bälle feiern. Bis zu 500 Jugendliche bildete der GBV damals gleichzeitig aus.

Inzwischen "backen" die Gubener "kleinere Brötchen". Ihre Wohnheime und Ausbildungsstätten in Guben mussten sie schließen, als die Wohnheimplätze von der Arbeitsagentur nicht mehr finanziert wurden. Geblieben aber sind den Gubenern die sanierten Häuser und auch das Volkshaus, das inzwischen einen neuen Besitzer hat.

Heute arbeitet der GBV mit einem 85-köpfigen Team in Cottbus. Dafür haben sie das Straßenbahndepot an der Berliner Straße zu einer modernen Stätte der Berufsbildung umgebaut. Dort bilden sie Hauswirtschafter oder Garten- und Hochbaufachwerker aus und bereiten künftige Bau- und Metallmaler auf ihren Beruf vor. Ihre Nische haben die Gubener dabei nicht verlassen. Geschäftsführer René Breske ist überzeugt, dass der GBV auch in den kommenden Jahren in der Lausitz noch wirtschaftliche Achtungszeichen setzen kann.

Der GBV feiert seinen 25. Geburtstag mit einem "Tag der offenen Türen" am 18. Januar von 10 bis 18 Uhr in Cottbus in seinen Ausbildungsstätten an der Berliner Straße.