Mit dem zehn Milliarden Euro schweren Geschäft steigt Eon zum größten Energiekonzern in Europa auf. Mit Zugeständnissen beim Zugang zum Gasnetz und Tauschgeschäften in dreistelliger Millionenhöhe hatte Eon die Kläger in letzter Minute zum Einlenken bewegt.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte, die Einigung sei im Interesse des Gemeinwohls erfolgt. Gleichzeitig bemängelte er aber die lange Dauer des Verfahrens. "Wir können uns das im internationalen Wettbewerb nicht leisten", sagte Clement. Verbraucherschützer kritisierten den Zusammenschluss und warnten vor steigenden Strompreisen in Deutschland.
Nach dem Verhandlungsmarathon blickte Eon-Vorstandschef Ulrich Hartmann nach vorn: "Beim Ausbau unseres Gasgeschäfts können wir jetzt durchstarten und so im Wettbewerb mit den anderen großen europäischen Gasunternehmen mithalten."

Börsianer erfreut
Die Börse reagierte positiv: Die Eon-Aktie kletterte gegen den Trend im Aktienindex Dax bis zum Nachmittag um rund 3,3 Prozent auf 41,80 Euro.
Der Konzern kann nun den Erwerb des Essener Ferngasimporteurs sofort vollziehen. Eon erhält die Ruhrgas-Anteile des Essener Bergbaukonzerns RAG, der wiederum die Mehrheit am weltgrößten Spezialchemiehersteller Degussa von Eon übernimmt.
In einem zweiten Schritt will Eon auch die von den Ölkonzernen Shell und ExxonMobil gehaltenen Ruhrgas-Beteiligungen sowie die Anteile weiterer Aktionäre kurzfristig kaufen.
Die Zugeständnisse an die Gegner Ampere, ares, GGEW, Trianel sowie den Stadtwerken Aachen und Rosenheim haben nach Eon-Angaben ein Volumen von rund 90 Millionen Euro. Dabei geht es um Strom- und Gaslieferungen, die Abgabe von Anlagen und Beteiligungen sowie sonstigen Zuschüssen.

Umfangreiche Tauschgeschäfte
Mit dem drittgrößten deutschen Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) und dem finnischen Staatskonzern Fortum vereinbarte Eon umfangreiche Tauschgeschäfte. Unter anderem übernimmt Eon von EnBW eine Beteiligung an der Hamburger Concord. Fortum teilte in Helsinki mit, es seien Beteiligungen im Wert von etwa 800 Millionen Euro getauscht worden.
Der Geschäftsführer des Aachener Energiehändlers Trianel, Reinhard Goethe, sprach von einem "guten Ergebnis". Die Kläger hätten ihren Widerstand aufgegeben, weil Eon und Ruhrgas ihnen einen verbesserten Zugang zum Gasnetz zugesagt hätten. Damit seien die Wettbewerbschancen der kleineren Unternehmen verbessert worden.
Aus Sorge vor Nachteilen für den deutschen Energiemarkt hatte das Bundeskartellamt Anfang 2002 die Ruhrgas-Übernahme zunächst verboten. Einige Monate später hatte das Berliner Wirtschaftsministerium eine Ministererlaubnis erteilt und damit grünes Licht für die Übernahme gegeben.
Gegen diese umstrittene Entscheidung hatten zahlreiche Energieversorger Beschwerde beim Kartellsenat des Düsseldorfer OLG eingereicht. Dieses hatte den Vollzug wegen Verfahrensfehlern im August 2002 dann auf Eis gelegt. Durch die Einigung knapp eine Stunde vor Verkündung des OLG-Beschlusses vermied Eon nach Einschätzung von Rechtsexperten eine drohende Niederlage im Hauptsacheverfahren.
Verbraucherschützer blieben bei ihrer Kritik. Die Fusion sei ein "Schlag gegen den Rechtsstaat und die privaten Strom- und Gaskunden", hieß es. Dem Wettbewerb auf dem Energiemarkt in Deutschland werde damit "endgültig der To-desstoß versetzt", sagte der Sprecher des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters. Der Interessenverband geht aufgrund der künftigen Marktmacht von Eon-Ruhrgas von weiter steigenden Preisen für Strom und Gas aus. (dpa/afp/maf)