Von Daniel Steiger

Am 23. Juni 2016 haben sich bei einem Referendum 51,89 Prozent der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Jetzt, 2,5 Jahre später, ist immer noch nicht geregelt, zu welchen Bedingungen Großbritannien am 29. März 2019 aus der EU ausscheidet. Leidtragende dieser Hängepartie sind auch Lausitzer Unternehmer.

„Die Vorbereitung auf einen Brexit ist für uns ein Blick in die Glaskugel“, beschreibt Thomas Brünig die Situation. Er ist zuständig für die  großen Kunden bei Bals Elektrotechnik.  Das mittelständische Familienunternehmen produziert Industriesteckvorrichtungen sowie Steckvorrichtungssysteme und Verteiler für den Weltmarkt.  Die Produkte werden in 80 Ländern verkauft. Die Exportquote liegt bei 50 Prozent. Während der Stammsitz der Firma in Nordrhein-Westfalen liegt, sind ein Teil der Fertigung und die Logistik in einem Werk in Freiwalde (Dahme-Spreewald) angesiedelt. Brünig: „Wir wissen derzeit nicht, wohin der Zug rollt. Das behindert beispielsweise Entscheidungen für Investitionen und Vertriebskonzepte.“ Er fordert die Politik auf, Entscheidungen zu fällen, damit die Wirtschaft entsprechend handeln kann.

Britische Unternehmen gehören zu den wichtigsten Handelspartnern in Brandenburg. Rund 300 Betriebe – insbesondere mittelständische Firmen  treiben Handel mit Großbritannien. 30 britische Firmen sind in Brandenburg aktiv. 2017 exportierten märkische Firmen Waren im Wert von 450 Millionen Euro – Platz 8 der Exportliste. Im Gegenzug kamen Waren im Wert von 967 Millionen Euro nach Brandenburg.–

Eine noch größere Rolle spielen die wirtschaftlichen Verbindungen nach Großbritannien für Sachsen. Großbritannien ist laut Außenhandelsstatistik nach China und den USA das wichtigste Exportland für den Freistaat. In den ersten drei Quartalen 2018 wurden Waren und Leistungen im Wert von fast zwei Milliarden Euro nach Großbritannien ausgeführt. Davon entfielen allein knapp 1,3 Milliarden auf den Kraftfahrzeugbau und 130 Millionen Euro auf den Maschinenbau.

Nach Einschätzung der IHK Dresden stehen für Unternehmer derzeit viele Fragen im Raum: Wie verändert sich der Kurs zwischen Pfund und Euro - und damit verbunden die Preise? Wie steht es mit Genehmigungen für Produkte und Leistungen, die nach einem EU-Austritt vielleicht nicht mehr gelten? Werden Zölle fällig und wofür? „Wer noch nie außerhalb der EU Waren geliefert hat, kann da schnell überfordert sein“, sagt IHK-Sprecher Lars Fiehler.

Auch die Eisenhütte in Ortrand ist vom Brexit betroffen. Bernd Williams-Boock, Geschäftsführer der Eisenhütte, erzählt: „Wir machen etwa fünf Prozent unseres Gesamtumsatzes mit Großbritannien.“ Das betrifft vor allem Produkte aus den Bereichen Automotive und Holzheizsysteme. „Wenn wir wirklich am 29. März einen Brexit bekommen, können wir schon ab April nicht mehr zu den jetzigen Bedingungen an unsere Kunden in Großbritannien liefern. Dann müssen wir die Lieferungen vorziehen“, beschreibt Williams-Boock die Situation.

Was passiert aber danach? „Wie das Verfahren einmal aussehen soll, kann Ihnen heute noch niemand beantworten. Möglicherweise behandeln wir dann Großbritannien wie ein Drittland bei der Warenausfuhr. Das würde für uns höhere Kosten und höhere Belastungen bedeuten“, so der Geschäftsführer der Eisenhütte. „Ich persönlich rechne allerdings mit einer Verschiebung des Brexit-Termins. Ich glaube nicht, dass am 29. März alle Kabel durchgeschnitten werden. Dafür betrifft diese Entscheidung zu viele Lebensbereiche.“ (mit dpa)