In der größten Bankenpleite der US-Geschichte brach die größte US-Sparkasse Washington Mutual zusammen und wurde in einem Notverkauf von der Großbank J.P. Morgan Chase aufgefangen. Die festgefahrenen Gespräche über das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für das amerikanische Finanzsystem überschatten immer mehr den US-Wahlkampf: Die Demokraten griffen wegen der Verzögerungen den republikanischen Kandidaten John McCain scharf an. Berlin und Paris machten unterdessen Vorstöße für eine Reform des globalen Finanzsystems.

Washington Mutual (Wamu) ist als börsennotiertes Institut keine Sparkasse im deutschen Sinn. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hob gestern hervor: "Weder entspricht das Geschäftsmodell denen der deutschen Sparkassen, noch ist dieses Kreditinstitut mit den deutschen Sparkassen verbunden." DSGV-Präsident Heinrich Haasis betonte: "Kein Anleger muss sich Sorgen um Einlagen bei seiner Sparkasse machen. Diese sind sicher."

Schnäppchenpreis für WamuJ.P. Morgan Chase zahlt einen Schnäppchenpreis von 1,9 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) für die von Washington Mutual übernommenen Einlagen und Filialen. Durch den Rettungskauf steigt J.P. Morgan zur nach Einlagen größten US-Bank mit 5400 Zweigstellen und Kundengeldern von rund 900 Milliarden Dollar auf. Für die Wamu-Kunden und deren Einlagen von knapp 190 Milliarden Dollar soll es keine Einbußen geben. Aktionäre und Gläubiger der Sparkasse gehen jedoch den Angaben nach weitgehend leer aus.

Bei dem Rettungsplan der US-Regierung, um den seit Tagen gestritten wird, geht es im Kern darum, dass der Staat den Finanzinstituten riesige Mengen fauler Kreditpapiere abkaufen kann. Das vor einer Woche von der Regierung vorgelegte Programm war im Kongress auf Widerstände gestoßen. Die Abgeordneten fordern unter anderem eine Beschränkung der Manager-Gehälter, Hilfen für Hausbesitzer und eine schärfere Aufsicht.

Gipfeltreffen ohne ErgebnisEin Gipfeltreffen im Weißen Haus, an dem neben Präsident George W. Bush und den Kongressspitzen auch die Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain teilnahmen, blieb am Donnerstagabend ohne Ergebnis. Gestern rief Bush den Kongress erneut zum raschen Handeln auf.

Experten warnten vor dramatischen Folgen, wenn die Hilfspläne scheitern sollten. "Wenn das Rettungspaket der US-Regierung nicht verabschiedet wird, droht eine Katastrophe", sagte der Frankfurter Analyst Dirk Becker. "Bei einer zu langen Debatte droht dem amerikanischen Patienten der klinische Tod", mahnte Robert Halver, Analyst der Baader Bank.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schlug einen Acht-Punkte-Plan zur Reform der Finanzmärkte vor, der unter anderem beim nächsten Treffen der Finanzminister der sieben größten Industrieländer (G7) Mitte Oktober in Washington zur Sprache kommen soll. Unter den Forderungen sind ein Verbot spekulativer Leerverkäufe, schärfere Überwachung und eine stärkere persönliche Haftung von Finanzmanagern.

Parallel dazu forderte auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy einen grundlegenden Neuaufbau des internationalen Finanzsystems. dpa/ck