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| 08:02 Uhr

Mountain View
Google führt künstliche Intelligenz vor

Mountain View. Das Programm Duplex imitiert menschliches Verhalten verblüffend gut.

Das Programm Duplex imitiert menschliches Verhalten verblüffend gut.

Das Gespräch klang wie ein ganz gewöhnlicher Anruf in einem Restaurant. "Hi, ähm, ich möchte einen Tisch für Mittwoch, den 7. reservieren." Doch: Da rief kein Mensch in dem Lokal an, sondern der Google Assistant, die sprechende Software des Internet-Konzerns. Es folgte, wie so oft in solchen Fällen, ein Missverständnis. "Für sieben Personen?", fragte die Mitarbeiterin. "Für vier Personen", korrigierte das Programm.

Die Demonstration bei der Google-Entwicklerkonferenz I/O war eine Premiere für die Menschheit: Eine Maschine, die nicht nur makellos eine Unterhaltung führen kann, sondern mit ihrer vom Computer generierten Stimme von einem Menschen nicht zu unterscheiden ist. Die Pausen und "ähms" und "ums" ließen den Assistant sogar noch menschlicher klingen als selbst die erfundenen Computer-Assistenten in Filmen. Denn die Google-Software imitierte perfekt die Art, wie wir sprechen. "Uhum", quittierte der Assistant lässig in einem zweiten Anruf, als die Mitarbeiterin eines Friseursalons um eine Sekunde Geduld bat, während sie ins den Terminkalender schaut. Wenn schon etwas die Software vom Menschen unterschied, dann höchstens die Geduld, mit der sie sich auch durch ein nicht glatt laufendes Gespräch arbeitete.

An dieser Technologie mit dem Namen Google Duplex arbeite der Konzern bereits seit Jahren, sagte Google-Chef Sundar Pichai. Man wolle sie aber "richtig hinbekommen", bevor sie für die Nutzer verfügbar sein werde. Einen konkreten Starttermin gab es daher nicht. Aber die Konsequenzen sind klar: Wir werden es in absehbarer Zukunft mit Maschinen zu tun haben, die am Telefon nicht von Menschen zu unterscheiden sind.

Google Duplex war das aufsehenerregendste Beispiel für den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Google, die auch automatisch Fotos bearbeitet, Sätze in E-Mails vorschlägt oder durch ein smartes App-Management die Laufzeit von Smartphone-Batterien verlängert.

Pichai ignorierte das Klima des allgemeinen Misstrauens gegenüber Technologie-Riesen, das einen Höhepunkt im Facebook-Datenskandal fand. Seine Eröffnungs-Keynote der Google I/O war von einer nahezu fröhlichen Technik-Begeisterung geprägt. Datenschutz war kein prominentes Thema - schließlich laufen die ganzen coolen Funktionen auch nicht ohne den Zugriff auf Nutzerinformationen. Zugleich versicherte Pichai, dass Google bei künstlicher Intelligenz vorsichtig und verantwortungsvoll vorgehen werde.

Einen ungewöhnlichen neuen Ton brachte in die jährliche I/O-Konferenz aber die Debatte um eine Abhängigkeit von Technik wie vor allem Smartphones. Google verschrieb sich dem "digitalen Wohlergehen". Sprich: Nutzer sollen auch mal abschalten - und Google wird ihnen dabei helfen. Nutzer können Zeitlimits für die tägliche Nutzung einzelner Apps festlegen.

(dpa)