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| 01:28 Uhr

Glücksmoment in Schwarze Pumpe

Die ersten 20 Produktionsarbeiter der Schmid Pilot Production GmbH (SPP) haben am Mittwoch in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) ihre Arbeitsverträge erhalten. Noch befindet sich die Pilotfabrik, in der eine neue Technologie zur Herstellung von Monosilangas und Polysilizium im großindustriellen Maßstab angewendet und weiterentwickelt werden soll, in der Endausbaustufe. Von Beate Möschl

Petra Thieme ist glücklich. Seit Mittwoch zählt sie zu den ersten 20 Produktionsarbeitern der Silizium-Pilotfabrik in Schwarze Pumpe, die einen festen Arbeitsvertrag in der Tasche haben. Damit fasst die Hoyerswerdaerin beruflich wieder Fuß - in einem neuen Metier, aber auf bekanntem Terrain: Von 1992 bis zur Insolvenz des Sustec Verwertungszentrums (SVZ) im Juni 2007 hat die gelernte Maschinistin aus der Brikettfabrik Schwarze Pumpe im SVZ als Anlagenfahrerin gearbeitet. Es folgte ein Jahr Transfergesellschaft mit Qualifizierung für die Solarbranche. Einen Job habe sie danach nicht gleich gefunden, sagt die 49-Jährige. Mehr als 1300 Frauen und Männer hatten sich bei SPP um einen der 90 Arbeitsplätze beworben. Mittlerweile sind alle künftig nötigen Mitarbeiter ausgewählt und werden peu à peu geschult. Sie kommen aus Spremberg, Senftenberg, Hoyerswerda, Weißwasser, Kamenz und Bautzen und haben sich offensichtlich schon gut zusammengerauft. Die Übergabe der Arbeitsverträge soll genau diesen Teamgeist befördern, wie SPP-Geschäftsführer Dr. Josef Biedermann und Regina Ketzel vom Zentralen Arbeitgeberservice im Landratsamt Bautzen deutlich machen. "Etwa die Hälfte unserer künftigen gewerblichen Mitarbeiter sind ehemalige Quimonda-Beschäftigte aus der Region, andere kommen vom ehemaligen Sustec-Verwertungszentrum Schwarze Pumpe oder aus dem Fernsehglaswerk Samsung Corning in Tschernitz, das im Sommer 2007 seine Produktion eingestellt hat", erzählt SPP-Produktionsleiter Dr. Torsten Martini. Auch er kommt vom Chiphersteller Quimonda und konnte nach der Insolvenz des Dresdner Werkes nahtlos bei dem Baden-Württembergischen Familienunternehmen Schmid anheuern. Seitdem verantwortet der 41-Jährige Dresdner Planung, Aufbau und Inbetriebnahme der neuen Chemiefabrik in Schwarze Pumpe mit. Ausführlich erklärt Martini den Vertretern der Arbeitsverwaltungen, die zur Übergabe der Arbeitsverträge und zur Baustellenbesichtigung nach Schwarze Pumpe gekommen sind, was auf die künftigen SPP-Mitarbeiter zukommt. Sie werden unter anderem im Labor die Qualität des metallurgischen Siliziums prüfen, das die Rohstoffbasis für die Herstellung von Monosilangas und Polysilizium für die Halbleiterindustrie und Dünnschichtsolarmodule ist, und die Reinheit dieser Endprodukte, die bei 99,99 Prozent liegen muss. Dementsprechend müssen sie die Anlagen fahren. Sie werden auch den Silizium-Reaktor bestücken, der nach einem neuen Verfahren arbeitet und wie Martini betont, "doppelt so viel Silizium aus Monosilangas abscheiden kann wie die Konkurrenz", und das Silizium ernten. "Wir werden jährlich etwa 540 Tonnen Monosilangas und 120 Tonnen Polysilizium produzieren", informiert SPP-Geschäftsführer Biedermann. Abnehmer des Monosilangases wird die Linde AG sein. "Die Schmid-Holding ist kein Gase-Hersteller, sondern ein Silizium-Technologieentwickler. Die Pilotfabrik hier soll als Forschungs-, Entwicklungs- und Trainingszentrum dienen, um unseren Kunden zu zeigen, das die von uns entwickelte, deutlich produktivere und energieeffizientere Monosilantechnologie funktioniert", erklärt er. Das soll Nachfrage anziehen und weitere siliziumverarbeitende Betriebe, die Arbeitsplätze am Industriestandort Schwarze Pumpe schaffen.