Die deutsche Wirtschaft blickt angesichts globaler Krisen wie dem Krieg in der Ukraine zunehmend skeptischer auf die kommenden Monate. Die Stimmung in den Chefetagen hat sich im Juli deutlich verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank bereits zum dritten Mal in Folge und das kräftiger als von Experten erwartet. "Die geopolitischen Spannungen belasten die deutsche Wirtschaft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Freitag. Ob sie auch eine echte Gefahr für die Konjunktur sind, ist noch unklar.

Die Stimmung der deutschen Verbraucher konnten die schlechten Nachrichten aus aller Welt bisher nicht trüben. Die Menschen hierzulande rechnen nicht nur weiter mit einer weiteren wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung, sondern auch mit deutlich höheren Einkommen, berichtete das Marktforschungsunternehmen GfK in seiner Konsumklimastudie für Juli. Der Konsumklimaindex für August kletterte weiter und liegt damit fast auf einem Acht-Jahres-Hoch.

Allerdings könnte die Stimmung bei den Verbrauchern bei einer Zuspitzung der internationalen Krisen rasch umschlagen, warnte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. In den Unternehmen scheint die Stimmung bereits zu kippen, wie das deutliche Minus beim Ifo-Index nahelegt. Volkswirte gehen davon aus, dass sich nach drei Bewegungen in eine Richtung beim Ifo-Index eine Trendwende anzeigt.

Überrascht hat viele Fachleute vor allem das deutliche Minus beim Ifo-Index, der nicht wie erwartet um 0,3 Punkte nachgab, sondern um 1,7 Punkte - ein ziemlich drastischer Rückgang. Auch die Bewertung der Lage gab ähnlich deutlich nach, die ohnehin etwas niedrigeren Erwartungen an die kommenden Monate sanken etwas weniger heftig.

Dabei überlagern sich vermutlich mehrere Effekte. "Das erste Quartal war für die deutsche Wirtschaft außergewöhnlich stark", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Dieses Wachstum lasse sich über das Jahr nicht halten, auch das erkläre die Zurückhaltung, die viele Firmen bei der Bewertung ihrer Situation inzwischen üben. Darüber legt sich die Unsicherheit, was aus den vielen Krisen noch erwachsen wird. Bisher allerdings sind die realen Folgen für die Wirtschaft kaum messbar. Der Ölpreis etwa bewegt sich kaum.

"Die Spannungen in der Ukraine und in Nahost sind in ihren Folgen für die Weltwirtschaft noch unklar, sie tragen aber gewiss zur Verunsicherung der Unternehmen bei", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Für die Berenberg-Bank liegt die Hauptursache des Stimmungsabschwungs in Moskau. Es sei der "Putin-Effekt", der wie eine kalte Dusche auf die bisher so zuversichtliche deutsche Wirtschaft wirke. Die Verschärfung der Lage nach dem mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ukraine habe die Sorgen noch mal deutlich erhöht.