Jahrtausendelang haben kleine Schmelzöfen die Glasindustrie geprägt. Erst mit der Industrialisierung kamen die großen Schmelzwannen. Aber die sind hier zu Lande zumindest im Bereich der Trinkglasfertigung kaum noch wirtschaftlich zu betreiben. Die Energie- und die Lohnnebenkosten sind einfach zu hoch, stellt Hartmut Branzk, Geschäftsführer der bm-tronic, fest. Wer in Westeuropa, vor allem in Deutschland, noch Trink- und Ziergläser herstellt, der produziert in kleinen Serien.

Kurs auf Messe Glastec bestärkt
Er muss sich durch hohe Qualität und die Möglichkeit, sehr rasch auf Kundenwünsche zu reagieren, von den Massenherstellern abheben. Sind die Serien klein und fein, so müssen es auch die Glasöfen sein. Zur internationalen Branchenmesse Glastec vergangenen Oktober in Düsseldorf hat Branzk aber nur drei „Kleinschmelzer“ von Herstellern aus Dänemark und Italien gefunden. Das bestärkte ihn darin, mit dem eigenen neuen Produkt richtig zu liegen. Die Weißwasseraner haben 2002 in Kooperation mit der schwedischen Firma Cebex (Malmö) die Entwicklung von Kleinschmelzöfen mit Fassungsvermögen zwischen 75 und 200 Kilogramm abgeschlossen.
Die Glashütte Kaufmann, ein Familienbetrieb in Glashagen bei Rostock, gehört zu den ersten Anwendern. Ein Auftrag zur Ausrüstung einer Glasmanufaktur kam jetzt aus dem Allgäu. Der Heimatpflegeverein Leutkirch will in Schmiedsfelden ein Museumsdorf aufbauen und dabei auch eine Schauglashütte einrichten. Für die bm-tronic läuft das Geschäft mit den „Kleinschmelzern“ aber erst an. Zunächst einmal, sagt Branzk, müsse das Produkt bei den potenziellen Kunden bekannt gemacht werden.

Energie sparend und variabel
Das sind wie im Allgäu Glasmanufakturen, einzelne Künstler, Kleinbetriebe. Aber auch für größere Hersteller, die eine Glasschmelzwanne betreiben, lohnt sich der kleine Ofen aus Weißwasser als Beistellgerät. Damit können auch kleine Serien Energie sparend und somit wirtschaftlich gefertigt werden. Anders als eine Schmelzwanne muss der Ofen nicht in einem langwierigen Prozess angefahren werden. Er wird eingeschaltet, nach zwölf Stunden ist das Glas fertig zur Verarbeitung. Und nach der Entleerung kann er einfach ausgeschaltet werden, ein energieaufwändiger „Leerlauf“ , wie er bei Schmelzwannen vorkommt, ist unnötig. Überdies lässt sich das Umstellen auf eine andere Glaseinfärbung rasch bewerkstelligen.
Aus energetischer Sicht sind nach Kenntnis von Branzk aber auch viele Kleinöfen noch Energiefresser. Denn etliche der gegenwärtig betriebenen kleinen Aggregate entstanden im Eigenbau der Glasmacher. Sie sind schlecht isoliert und hinsichtlich ihrer Steuerungs- und Softwareausstattung oft veraltet. Aufgrund eines neuen, strengeren Bundesimmissionsschutzgesetzes wird der Eigenbau auch schwieriger, die Anforderungen an den Umweltschutz (Abgasminimierung) wachsen. Mit dem bereits geprüften Ofen aus Weißwasser vereinfachen sich für den Anwender die Zulassungsverfahren, betont Branzk.
Sein Unternehmen will sowohl „Kleinschmelzer“ verkaufen als auch vorhandene modernisieren. Sechs der 15 Mitarbeiter der bm-tronic sind Ingenieure oder Programmierer. Der Anteil des hochwertigen Service-Geschäfts soll ausgebaut werden. Hierin sieht Branzk einen Vorteil gegenüber großen Herstellern wie Wagenbauer (Zwiesel, Bayern) und Horn (München), die sich mehr auf Schmelzwannen konzentrieren und Kleinaggregate höchstens mal mitliefern würden.
Aber noch ist der Vorteil eher theoretisch. Die nächsten Wochen gehören deshalb vor allem der Vermarktung des neuen Produkts. Branzk und seine Mitarbeiter im Führungsteam sind jetzt vor allem eines: Reisekader.

Hintergrund Lausitzer Glas-Tradition
Die bm-tronic fußt auf Lausitzer Glas-Tradition. Hartmut Branzk, der das Unternehmen 1991 gründete, war einst Mitarbeiter des Wissenschaftlich-Technischen Zentrums der DDR-Glasindustrie in Bad Muskau.
Automatisierungstechnik, Sondermaschinenbau und Gasregelanlagen sind die Hauptgeschäftsfelder des Unternehmens.
Die Beschäftigtenzahl hat sich in den vergangenen zwei Jahren bei etwa gleich gebliebenem Umsatz (1,2 bis 1,3 Millionen Euro) von 20 auf 15 verringert. Das Unternehmen befindet sich in einer Umprofilierung. Der Anteil der mechanischen Fertigung sinkt, der Anteil von Service, Konstruktion, Programmierung und Werkzeugbau wächst.