Von Annett Igel-Allzeit

Flink streicht Ron Callsen fürs Fotos seine blaue Arbeitshose glatt. GMB steht auf dem Hosenlatz – Glasmanufaktur Brandenburg. Für ihn, Devin Schäfer, Malcolm Deuse und Maria Jurk hat die Geschäftsführung der GMB Sonnenblumen in Handsträuße binden lassen. Maria Jurk genießt das fröhliche Gelb, die jungen Männer wirken damit etwas ungelenk. Torsten Schroeter, der technische Geschäftsführer, schmunzelt. Er ist froh, in diesem Jahr gleich für vier Bereiche Auszubildende bekommen zu haben. „Azubis zu finden, ist nicht mehr leicht. Aber wir können allen jungen Menschen, die bei uns die Ausbildung abschließen, eine Beschäftigung anbieten“, so Schroeter. Auch die vier neuen Azubis gehören fest zur Personalstrategie 2025. Karsten Süß, der kaufmännische Geschäftsführer, erklärt die Zahl im Strategiepapier: „Um das Jahr 2025 herum wird ein gutes Viertel unserer Mitarbeiter in Rente gehen.“ Das Durchschnittsalter der 290 Mitarbeiter liege inzwischen bei 50 Jahren.  

Vier neue Azubis

Maria Jurk lässt sich zur Betriebselektrikerin ausbilden,  Ron Callsen will Instandhaltungsmechaniker werden. Devin Schäfer startet in Richtung Verfahrensmechaniker Glas und Malcolm Deuse eilt nach dem Fototermin zurück ins Labor, er wird Physiklaborant. Sie kommen aus Groß Düben und Forst, aus Döbern und Cottbus.

Der Mut der Interfloat-Gruppe

Nach einer langen Tradition als Fernsehglaswerk hatte sich die Liechtensteiner Interfloat-Gruppe 2007 mutig das Werk in Tschernitz gegriffen und lässt es seit 2008 Glas für den Solarmarkt produzieren. „Inzwischen sind wir die älteste Solarglashütte der Welt und der größte Solarglashersteller in Europa“, sagt Torsten Schroeter. Damit das so bleibt, muss in neue Anlagentechnik investiert werden, in gute Fachkräfte, in ihre Gesundheit und Weiterbildung.

Bohrlinie im Aufbau

Die Spezialgläser sollen möglichst immer weniger Licht reflektieren. Die neue Bohrlinie wird aufgebaut. Sowohl fürs Solarglas der haltbareren Glas-Glas-Module werden von den Kunden verschiedene Bohrungen gewünscht als auch für das Gewächshausglas, das GMB zu seinem zweiten Standbein in der Produktion ausbauen konnte.

Forschungsthemen für Studenten

In Kooperation mit der GMB hat ein Student der BTU im Bereich Maschinenbau seine Bachelor-Arbeit abgeschlossen. Eine Studentin der Bergakademie Freiberg, die sich für den Werkstoff Glas interessiert, absolviert gerade ein Praktikum in Tschernitz. Mit den Oberschulen in der Region arbeitet die GMB in der Berufsorientierung zusammen. „Und aus dem Erwin-Strittmatter-Gymnasium in Spremberg hatten wir im Vorjahr einen Schüler und in diesem Jahr schon zwei Schüler für eine Woche bei uns. Wir geben diesen Schülerpraktikanten immer eine richtige Aufgabe. So haben sie nach dieser Woche bei uns in der Schule auch etwas zu berichten, was vielleicht weitere Jugendliche neugierig auf uns macht“, sagt Karsten Süß.

Gesundheitskonzept für die Mitarbeiter

An einem Gesundheitskonzept wird mit der AOK Nordost gearbeitet. „Da sind wir allerdings noch am Anfang. Zuerst gilt es, herauszufinden, woran unsere Mitarbeiter am häufigsten erkranken, um dann gezielt gegenzusteuern und entscheiden zu können, ob ein Rückenkurs angebracht wäre oder über gesunde Kost zu sprechen ist“, erklärt Schroeter. Aber mit der Küche sei er derzeit sehr zufrieden. Als die Weinert Catering GmbH Räumlichkeiten für eine neue Großküche suchte, konnte die GMB ihnen in Tschernitz solche Räume bieten. „Die Lage erweist sich als günstig. Tschernitz liegt in der Mitte der zu beliefernden Einrichtungen. 20 Mitarbeiter beschäftigt Weinert inzwischen hier in der Küche in unserem Werk. Und ich esse wieder regelmäßig zu Mittag“, sagt Schroeter.

Lehrgeld nach Tarif

Die Glasmanufaktur ist kein tarifgebundenes Unternehmen. „Aber“, so Schroeter, „das Lehrlingsentgelt zahlen wir in der Höhe einschlägiger Tarifverträge. Das sind uns die jungen Leute einfach wert.“ Auch eine Unterkunft, wenn die Azubis zum theoretischen Teil der Ausbildung nach Torgau müssen, finanziert das Unternehmen.

Erster Solarradweg Deutschlands

Es gibt aber auch viel, worauf die Lehrlinge stolz sein können. So hat die GMB das Glas für den ersten Solarradweg Deutschlands geliefert. Er liegt im Ortsteil Liblar in Erftstadt bei Köln – eröffnet im Herbst 2018. Allerdings musste diese Teststrecke im März 2019 nach einem kleinen Schwelbrand wieder gesperrt werden. Wie Margret Leder, Pressesprecherin im Erftstädter Rathaus, bestätigt, dauern die Prüfungen durch den Tüv immer noch an. „Aber das Problem, das ist sicher, steckt in der Elektrik. Das Glas dagegen, das hält prima“, so Margret Leder.

Und ein Solarradweg mit GMB-Glas im Spree-Neiße-Kreis, zum Beispiel in Spremberg? Torsten Schroeter seufzt. In Spremberg drehe sich noch immer alles um die Kohle, so seine Erfahrung. „Dass hier inzwischen Unternehmen in anderen Bereichen richtig erfolgreich sind“, so Torsten Schroeter, „wird leider kaum gesehen.“