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Gespart mit Linux

1991 entwickelte der finnische Student Linus Thorwald auf der Basis des Betriebssystems Unix ein neues. Im Unterschied zu allen bisherigen Systemen, vor allem dem dominierenden von Microsoft, machte er den Quellcode weltweit jedermann frei zugänglich. Aus der Verbindung von Linus und Unix entstand der Name Linux. Tausende von Programmierern aus allen Erdteilen helfen seither, das System ständig zu verbessern. Die Cottbuser Bendig GmbH holt aus dem System viele Kostenvorteile für kleine und mittlere Unternehmen heraus. Von Rolf Bartonek

„Software ist wie Sex, es ist das Beste, wenn sie frei ist“ , soll Linus Thorwald einmal gesagt haben. Bei Linux muss sich kein Nutzer an Lizenzen binden. Das ist ein Grund, warum das System so preiswert ist. Einen weiteren nennt Firmenchef Frank Bendig, indem er darauf verweist, dass der Kunde nicht komplette Programmpakete eines Großanbieters wie Microsoft erwerben muss. Es genügten in der Regel abgespeckte Versionen, die genau auf den jeweiligen Bedarf zugeschnitten sind. Und weil dies so sei, könne auch die Hardware abgespeckt werden und trotzdem schneller laufen.

Ohne Maus und Tastatur
Bendigs Linux-Server sind einfach ausgestattet. Sie kommen ohne Maus, Tastatur und Monitor aus. Es genügen ein kleines Display und wenige Tasten. Dafür sind sie „fernbedienbar von jedem Ort der Welt“ . Bendig versteht gar nicht, warum sich gerade von den kleinen Unternehmen in der Region viele bisher wenig dafür zu interessieren scheinen, was sie mit Linux-Technik und -Programmen sparen können. Bundesbehörden dagegen setzen zunehmend auf Linux, auch Städte wie München und Wien stellen komplett auf Linux um. Nach Angaben Bendigs sind bereits 80 Prozent aller Webserver (Netzgroßrechner) im Internet „linuxbasiert“ . Generell treffe dies auf ein Fünftel aller Serversysteme sowie auf knapp fünf Prozent der PC-Arbeitsstationen zu.
Bendig macht eine Rechnung auf: Ein Datenserver für ein PC-System mit 100 Nutzern koste bei ihm 2390 Euro, ein Microsoft-Server für nur halb so viele Nutzer aber schon 5100 Euro. Auf der Basis dieses Kostenvorteils soll Linux dem Cottbuser Unternehmen Wachstum bringen. 1990 startete der ehemalige Nachrichtenoffizier Bendig mit einem Partner in die Selbstständigkeit. Heute zählt seine Firma fünf Mitarbeiter. Im Herbst kommen zwei Lehrlinge dazu, auch an Neueinstellungen ist gedacht.
Auf Wachstumskurs mit Linux ist auch die Berliner Gesellschaft für Internet- und Intranet-Anwendung Web4you von Hans-Joachim Dohrmann mit ebenfalls fünf Beschäftigten. Beide Firmen haben ihre Linux-Aktivitäten für kleine und mittelständische Unternehmen in einer Produktgruppe zusammengefasst und für diesen Bereich vor wenigen Monaten in Cottbus das gemeinsame Unternehmen coxorange gegründet. Über diese Firmen in Berlin und Cottbus hinaus vermarkten Vertriebspartner in Karlsruhe, Göttingen und Graz die Linux-Angebote von coxorange. Das Vertriebsnetz ist aber laut Bendig erst im Aufbau, es soll beträchtlich wachsen.
Anwender von Cottbuser Linux-Serversystemen sind zum Beispiel die Medizinische Akademie Magdeburg, die Klinik für Gesundheit und Sport in Cottbus, die Ingenieurgesellschaft von Dr. Lorenz Jonigkeit (Cottbus), die Steuerkanzlei Schmerler & Partner (Cottbus, Berlin) sowie die Franziska von Almsick Sport- und Marketing GmbH.
Besonders attraktiv wird es für Unternehmen, wenn sie Linux-Servertechnik mit Internet-Telefonie koppeln. Coxorange bietet dafür spezielle Lösungen für Unternehmen mit fünf bis 300 Telefonanschlüssen. Für den Übergang zwischen Internet und normalem Telefonnetz ist eine technische Kopplung durch einen Provider notwendig. Coxorange übernimmt seit Anfang Juni auch diese Aufgabe. In dieser kurzen Zeit hat das Unternehmen bereits 54 Firmenkunden für die Internet-Telefonie gewonnen. Zum Jahresende sollen es rund 100 sein. Die Gesprächsminute ist innerhalb eines Firmennetzes (Intranet) kostenlos, auch wenn der Gesprächspartner in Alaska sitzt. Außerhalb des Intranetzes sind bundesweit 1,45 Cent/min zu berappen. Dabei können auch Handy-Telefonate billig werden, wenn sie - mit Geheimzahl - über den Firmenserver via Internet geführt werden.

Für kleine und mittelgroße Firmen
Für Privatkunden gebe es Anbieter mit noch niedrigeren Preisen, die bei einem Cent/min liegen, sagt Bendig. Aber zu einem Firmennetz gehörten viele Extras. Coxorange liefere keine Internet-Technologie für Privatkunden, sondern bediene die derzeit bestehende Lücke zwischen dem Einzelanschluss und absoluten Großkunden. Warum eigentlich, fragt Bendig, bezahlen viele Unternehmen noch immer so viel fürs Telefonieren?

Hintergrund Zuwachs bei Linux
 Nach Angaben des weltweit führenden IT-Marktbeobachters IDC (USA) wurden 2004 rund 15 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro) mit Linux-Hard- und -Software umgesetzt. 2008 werden es 35 Milliarden Dollar sein. 2008 wird es, bei einer jährlichen Steigerungsrate von 24,5 Prozent, 9,7 Millionen Linux-Server geben und 42,6 Millionen Linux-PC. Die Gesamtzahl der PC wird aber für das Jahr 2010 mit 1,3 Milliarden geschätzt.