(wk) Christa Luft, letzte Wirtschaftsministerin der DDR zu SED-Zeiten, hat bestritten, dass der zweite deutsche Staat pleite war, als er 1989/1990 zusammenbrach. Man habe alle Kredite bedienen können und auch neue bekommen, schilderte die heute 80 Jahre alte Ökonomin in einem Interview in der jüngsten Ausgabe  der von der „Humanistischen Union“ herausgegebenen Zeitschrift „Vorgänge“.

Selbst der von CSU-Chef Franz-Josef Strauß vermittelte Milliardenkredit sei nicht angetastet worden, sondern als Zeichen der eigenen Solvenz auf einem Schweizer Konto verblieben. Luft bezifferte die damaligen Auslandsschulden des Landes auf zehn Milliarden Dollar. „Die DDR war nicht  pleite, aber sie hatte keine Chance“, sage Luft. Die Sowjetunion habe das Land  fallen gelassen. „Wir wurden irgendwie lästig.“

Luft räumte jedoch ein, dass die DDR wirtschaftlich große Schwierigkeiten gehabt habe. Diese gingen auf eine „Überzentralisierung“ nach dem Vorbild der Sowjetunion zurück, hinzu seien die Spätfolgen der „elendigen Enteignung“ kleiner, mittelständischer Privatunternahmen im Jahr 1972 gekommen. Der völlige Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft nach der Wende  liege jedoch an der überstürzten Währungsunion und der Politik der Treuhandanstalt. Diese sei „von Anfang an eine Verkaufseinrichtung“ gewesen, die „die größte Vernichtung von Produktiveigentum zu Friedenszeiten“ zu verantworten habe. Jetzt habe man im Osten nur noch kleine Betriebe und keine Unternehmenszentralen mehr.

Ihre eigene Alternative wäre gewesen, nur Teile der Kombinate zu privatisieren und Grund und Boden in staatlicher Hand zu lassen, sagte Luft. Sie bekam dazu 1990 aber keine Chance. Am 18. März 1990 wurde die Regierung Modrow bei der ersten demokratischen Wahl abgewählt. 1994 zog die heute 80 Jahre alte Ökonomin für die PDS allerdings in den Bundestag ein und blieb dort bis 2002.