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| 10:04 Uhr

LR-Serie Steuern sparen
Diese Änderungen sollten Sie bei der Steuererklärung 2017 beachten

Cottbus. Digitalisierung beim Finanzamt: Für die Steuererklärung 2017 ändert sich dadurch einiges. Zum Beispiel entfällt grundsätzlich das Einreichen von Belegen und Quittungen. Doch es ist nicht alles so einfach, wie es scheint, sagen Steuerexperten. Von Oliver Haustein-Teßmer

Es kann so einfach sein. Das ist nicht nur der neue, viel diskutierte Slogan, mit dem das Land Brandenburg mehr Menschen aus Berlin und anderen Ländern anlocken will. Auch die Finanzministerien in Potsdam und Dresden gehen davon aus, dass es einfacher geht: mit mehr Digitalisierung bei der Steuererklärung 2017.

Die Abgabe werde deutlich leichter, sagt Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU). Ingrid Mattern, Sprecherin von Brandenburgs Ressortchef Christian Görke (Linke), sagt auf Anfrage der RUNDSCHAU, dass künftig Belege wie Spendenquittungen nur noch dann eingereicht werden müssten, „wenn das Finanzamt dazu auffordert“. Steuerfachleute aus der Lausitz sind jedoch skeptisch, ob wirklich alles so simpel abläuft. Wichtige Neuerungen für die Steuererklärung 2017 im Einzelnen:

Ab dem Steuerjahr 2017 ändert sich der Umgang mit Belegen fürs Finanzamt

Zur Steuererklärung ab 2017 seien keine Belege wie Rechnungen, Spendenquittungen oder Steuerbescheinigungen mehr einzureichen. Die Belege müssten allerdings auch künftig sorgfältig aufbewahrt werden, teilt das sächsische Landesamt für Finanzen mit.

  • Beispiel Spenden: Der Erhalt einer Zuwendungsbestätigung sei weiterhin Voraussetzung für den Spendenabzug. Die Bestätigung sei aber erst bei Anforderung des Finanzamts einzureichen. Der Spender müsse die Bestätigung ansonsten bis zum Ablauf eines Jahres nach Bekanntgabe des Steuerbescheids aufbewahren.
  • Beispiel Behinderung: Ein Nachweis darüber sei nur noch einzureichen, wenn erstmals der einschlägige Pauschalbetrag geltend gemacht werde oder sich der Grad der Behinderung ändere, heißt es in Dresden.
  • Beispiel Kapitalertragsteuer: Wenn das Finanzamt überprüft, ob Ertragsteuersatz oder persönlicher Steuersatz günstiger sind, muss die Steuerbescheinigung dazu der Steuererklärung nicht mehr beigefügt werden. Im Einzelfall könne das Finanzamt die Vorlage verlangen, teilen die sächsischen Finanzverwalter mit.

Experten: Digitalisierung macht Steuererklärung kompliziert

Dass solche Einschränkungen die Steuerangelegenheiten vereinfachen, bestreiten Fachleute. „Tatsächlich hat sich der Arbeitsumfang pro Steuererklärung erhöht“, sagt Honsa Ehmke, Steuerberater und Geschäftsführer der Ehmke & Ehmke Treuhand Niederlausitz GmbH in Schwarzheide. Da das Finanzamt Belege im Nachhinein anfordern könne, müssten Steuerzahler auf die Aufbewahrungspflichten achten, die von einem bis zu zehn Jahren reichten.

Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine e.V. in Berlin, empfiehlt, in der Steuererklärung möglichst konkret zu werden – um das Nachreichen der Belege zu vermeiden: „Man sollte beispielsweise nicht nur ‚Handwerker’ sondern ‚Reparatur Bad, Lohn ohne Materialkosten’ schreiben“, sagt Rauhöft.

Mit dem Verzicht auf das Einsammeln der Belege, so meinen die Fachleute, geht mehr Verantwortung auf die Steuerzahler über. „Der Steuerpflichtige trägt jetzt ein höheres Risiko, dass die Nachweise und Belege, die zu einer niedrigeren Steuer führen, auch tatsächlich vorhanden sind und sicher die Voraussetzungen für die Steuerminderung erfüllen“, sagt Dirk Rosenbaum, Steuerberater der Rosenbaum Treuhand Steuerberatungsgesellschaft mbH in Cottbus. Und er warnt: Wer fälschlich oder ohne Beleg eine steuermindernde Tatsache angibt, könnte unter Umständen grob fahrlässig gehandelt haben.

Sächsischer Finanzminister belohnt Nutzer von Mein Elster

Bei einer elektronischen Steuererklärung über „Mein Elster“, das Steuerportal der Finanzämter (www.elster.de), lassen sich für die eigene Steuererklärung Daten per Mausklick übernehmen. Die sächsische Finanzverwaltung weist darauf hin, dass dafür eine einmalige Registrierung erforderlich sei. Wer diesen Weg der Steuererklärung wählt, wird in Sachsen belohnt – mit einer Verlängerung der Abgabefrist für die Erklärung 2017 um zwei Monate bis zum 31. Juli dieses Jahres.

Erklärt der Steuerzahler sich mithilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins, gilt übrigens weiter eine Frist bis zum 31. Dezember 2018. Für Steuerpflichtige in Brandenburg bleibt für die jetzt fällige Steuererklärung 2017noch der 31. Mai als Abgabetermin; erst 2019 wird bundesweit der 31. Juli zum Stichtag.

Trotz Automatisierung und Elster gibt es natürlich weiterhin die Finanzbeamten, die einen persönlichen Blick auf die Sachlage werfen können. Wer das möchte, sollte dies in Zeile 98 des Mantelbogens der Einkommensteuererklärung vermerken, sagt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Dies sei ein Muss, wenn der Steuerzahler mit seinen Erklärungen von der Auffassung der Finanzverwaltung abweiche, ergänzt der Cottbuser Experte Rosenbaum.

Höherer Grundfreibetrag und höherer Kinderfreibetrag entlasten Steuerzahler

Im Jahr 2017 ist der Grundfreibetrag um 168 Euro auf 8820 Euro gestiegen, für Verheiratete ist der Betrag doppelt so hoch. Einkommen bis zu dieser Grenze bleiben also steuerfrei. Auch der Kinderfreibetrag wird Schritt für Schritt angehoben, für das vergangene Jahr um 108 auf 4716 Euro, zusammen mit dem Betreuungsfreibetrag erhalten Eltern 7356 Euro pro Kind – was sich steuermindernd auswirken kann.

Zugleich ist die Untergrenze, ab der Lohnsteuerzahler zwingend veranlagt werden, angehoben worden: 2017 auf 11.200 Euro und für Eheleute auf 21.250 Euro. Steuerberater Honsa Ehmke aus Schwarzheide hebt darüber hinaus Steuerbefreiungen wie Arbeitgeberzahlungen für Elektromobilität an Arbeitnehmer als positiv hervor.

Weitere Folge der Digitalisierung: Arbeitgeber, Behörden und Versicherungen übermitteln dem Finanzamt für 2017 erstmals direkt die steuerlich wichtigen Daten. Bei Vorsorgeaufwendungen setzt dies voraus, dass die Versicherten der Datenweitergabe zu Beiträgen zugestimmt haben. Was elektronisch vorliegt, gilt dem Fiskus erst einmal als korrekt.

Wenn falsche Angaben übermittelt würden, sei es Sache des Steuerpflichtigen, das Gegenteil zu beweisen, erläutert Dirk Rosenbaum. Das Problem: Vor Erlass des Steuerbescheides sei es sehr schwierig, beim Finanzamt zu erfahren, welche Daten gemeldet worden seien. Im Zweifel raten die befragten Experten zum Gang zum Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein, die im Auftrag ihrer Mandaten Daten überprüfen lassen könnten.