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| 18:21 Uhr

Wirtschaft
Gebäudereiniger fordern das Aus für Minijobs

 Die Vertreter der Gebäudereiniger-Branche geben sich selbstbewusst und wollen die Zahl der Minijobber reduzieren.
Die Vertreter der Gebäudereiniger-Branche geben sich selbstbewusst und wollen die Zahl der Minijobber reduzieren. FOTO: Ralf Hirschberger
Berlin. Die Branche floriert. Doch die 450-Euro-Jobs würde sie am liebsten abschaffen: Sie sind ihr zu teuer und zu unflexibel. Von Dieter Keller

„Ohne uns funktioniert kein Krankenhaus, und kein Flugzeug geht in die Luft.“ Mit viel Selbstbewusstsein spricht Johannes Bungart über seine Branche, auch wenn es „nur“ um die Reinigungskräfte geht. Der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands der Gebäudereiniger vertritt das mitarbeiterstärkste deutsche Handwerk mit über 660 000 Beschäftigten. Es könnten noch mehr sein, wenn die rund 23 000 Unternehmen der Branche neue Mitarbeiter finden würden. „Ein bisschen mehr Wertschätzung wäre hilfreich für die Arbeit“, nennt Bungart ein Problem.

Die Branche ist sehr heterogen: Viele spezialisierte Betriebe haben nur wenige Beschäftigte, die Branchenriesen Piepenbrock und Wisag dagegen um die 20 000. Einfache Tätigkeiten dominieren zwar und damit angelernte Kräfte. Aber mindestens jeder Dritte hat eine Lehre als Gebäudereiniger gemacht oder gar den Meister. Allerdings sind die Ausbildungszahlen rückläufig: Im Jahr 2017 gab es rund 2100 Lehrlinge, nur halb so viele wie zehn Jahre zuvor.

Über den Preis kann die Konkurrenz kaum laufen. 80 Prozent der Kosten entfallen aufs Personal, und die Tarifverträge sind seit langem allgemeinverbindlich: Sie gelten für alle Betriebe, auch wenn sie nicht Mitglied im Arbeitgeberverband sind. Der Branchen-Mindestlohn liegt mit aktuell 10,56 Euro im Westen und 10,.05 Euro im Osten deutlich über dem gesetzlichen Mindestbetrag von 9,19 Euro pro Stunde.

Etwa jeder dritte Mitarbeiter ist Minijobber. Da erhebt Bungart eine nur auf den ersten Blick erstaunliche Forderung: Die 450-Euro-Jobs sollten lieber heute als morgen ganz abgeschafft werden. „Sie sind zu teuer und total unflexibel.“ Viele Minijobber haben die 450-Euro-Grenze erreicht. Steigt der Mindestlohn, müssen sie ihre Arbeitszeit reduzieren, um nicht voll lohnsteuer- und sozialabgabenpflichtig zu werden.

Bei den Mitarbeitern sind die 450-Euro-Jobs beliebt, weil sie den Lohn brutto für netto ohne Abzüge bekommen. Für die Arbeitgeber sind sie teuer: Sie müssen die pauschalen Steuern und Sozialabgaben von gut 30 Prozent des Lohns komplett tragen. Dagegen sind es nur rund 20 Prozent bei Mitarbeitern mit Lohnsteuerkarte, also der normale Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung. Allerdings brauchen die Betriebe auch Mitarbeiter mit nur wenigen Arbeitsstunden am Tag, weil bei vielen Objekten das Zeitfenster für die Reinigung klein ist. Eine Alternative wäre, die Minijob-Grenze auf 500 Euro zu erhöhen und laufend anzupassen. Da finden die Gebäudereiniger aber nur Unterstützung bei der FDP und neuerdings bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Auf absehbare Zeit dürften Reinigungskräfte kaum in großem Umfang durch Roboter zu ersetzen sein. Möglicherweise bei großen Flächen, etwa auf Flughäfen, und auch nur effektiv, wenn dort keine Menschen herumlaufen, erwartet Markus Asch, Sprecher der Hersteller von Reinigungsmaschinen im Branchenverband VDMA und im Hauptberuf Manager beim Kärcher in Stuttgart, dem Marktführer bei Reinigungsgeräten. Einen Tisch im Konferenzraum aufzuräumen, auf dem sich die Kaffeetassen stapeln und unter dem Papier gelandet ist, schaffen eine Putzfrau oder ein Putzmann immer noch besser.