Dafür Käufer zu finden, wird angesichts der Entwicklung bei der „Wachstumsenergie“ Erdgas nicht schwer sein. Die an VNG beteiligten ostdeutschen Kommunen und Stadtwerke (knapp 16 Prozent) haben bereits zu erkennen gegeben, dass sie von der Option zum Erwerb von weiteren zehn Prozent Gebrauch machen werden. VNG mit einem Jahresumsatz von gut drei Milliarden Euro hat in Ostdeutschland einen Marktanteil von über 90 Prozent, bundesweit von 16 Prozent.

Chance für VNG
Das Unternehmen rechnet sich mit Blick auf den Anteilsverkauf neue Möglichkeiten aus. Vorstandschef Klaus-Ewald Holst erklärte nach Bekanntwerden der außergerichtlichen Einigung im Fusionsstreit, die VNG habe nun die Chance, ihre Positionen als leistungsstarker Wettbewerber auf dem deutschen und europäischen Gasmarkt auszubauen.
Ein Blick auf die Struktur der VNG-Anteilseigner gibt Raum für Varianten. Da kommt die Wintershall AG (15,79 Prozent) in Frage, die nach gutem Start in den alten Bundesländern zur Ergänzung ihre Positionen in Richtung Osten ausbauen möchte. Gas de France, über seine Berliner Tochter EEG-Erdgas Transport mit 5,26 Prozent an VNG beteiligt, hat sich schon mehrfach selbst als potenzieller Zukäufer ins Gespräch gebracht. Der französische Konzern will stärker in Deutschland aktiv werden. Ein größeres Engagement bei VNG könnte dabei eine zentrale Rolle spielen. Die russische Gazprom, über ihre Tochter ZZG schon mit 5,26 Prozent bei VNG dabei, dürfte wegen eigener Finanzprobleme dagegen kaum aktiv werden.
Der schwedische Vattenfall-Konzern hat grundsätzlich sein Interesse bekundet, seine Aktivitäten auch auf das Gasgeschäft auszuweiten. Für die eben erfolgte Verschmelzung von HEW, Vereinigte Energiewerke AG, Lausitzer Braunkohle AG und Berliner Bewag zu Vattenfall Europe und die Konsolidierung als drittgrößter deutscher Energiekonzern braucht es aber Zeit und Geld, sodass ein Einstieg bei VNG nach Meinung von Branchenexperten derzeit wohl eher nicht in Frage kommt.
Über ihr weiteres Vorgehen, wie und bis wann der Verkauf ihrer VNG-Anteile über die Bühne gehen soll, hielten sich Ruhrgas und Eon gestern noch bedeckt. Das Bundeswirtschaftsministerium hat sich bei den nachgebesserten Auflagen für die Fusionserlaubnis bezüglich der VNG-Käufer einen "Zustimmungsvorbehalt" eingeräumt. VNG-Pressesprecher Volker Kadow unterstrich gestern, dass es aus der Sicht des Unternehmens natürlich zunächst wichtig sei, einen finanziell starken Partner zu haben. Um künftig im Wettbewerb bestehen zu können, müssten aber "weitere Faktoren" geprüft werden.

Verwurzelung im Osten
So erhoffe sich die VNG auch eine "Stärkung der Positionen auf den Beschaffungsmärkten". Der Wunschpartner von VNG sei darüber hinaus ein Unternehmen aus dem Energiesektor, das weitere Kompetenz einbringe. Nachdem die VNG vor allem Kunden in Ostdeutschland bedient und dort sowie in osteuropäischen Ländern ihre Beteiligungen ausgebaut hat, schließt Kadow nachdrücklich auch ein Engagement in Richtung Westen nicht aus. Die vorgezeichneten höheren Anteile der Ost-Kommunen sichern aber auf jeden Fall die Verwurzelung im Standort neue Bundesländer.

Hintergrund Doch noch ein Kläger
Die Fusion zwischen Eon und Ruhrgas ist möglicherweise doch noch nicht gesichert.
Mit der Potsdamer natGAS AG tauchte ein weiterer Kläger gegen die Fusion auf. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, hat es am Freitag beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen den Zusammenschluss eingereicht.
Ein Gerichtssprecher bestätigte dies. Wie mit der neuen Beschwerde umgegangen werde, ist seinen Angaben zufolge noch nicht entschieden.