Pro Jahr reparieren die gut 720 MTU-Beschäftigten rund 450 Triebwerke und Industriegasturbinen. Eine dieser Maschinen ist ein regelrechter Bestseller. Das CF34 des US-Konzerns General Electric Aviation gilt als führendes Triebwerk für Regionaljets mit 50 bis 100 Sitzplätzen. Es kommt zum Beispiel in Flugzeugen der Hersteller Bombardier (Kanada) und Embraer (Brasilien) zum Einsatz.

Bei der Instandhaltung dieses Triebwerks sind die Ludwigsfelder europaweit die Nummer eins. Insbesondere die Einführung eines effektiveren Systems der Produktionsorganisation ermöglichte es ihnen, seit 2009 die durchschnittliche Komplettinstandsetzung eines CF34 um einige Wochen auf heute 50 Tage zu reduzieren.

Schneller als die Konkurrenz

In der weiteren Verkürzung der Durchlaufzeiten sämtlicher Turbinen sieht Geschäftsführer André Sinanian einen Schwerpunkt im neuen Jahr. "So ein C34 zum Beispiel kostet ungefähr sechs Millionen Dollar. Wenn wir es früher wieder bereitstellen, dann benötigt die betreffende Airline weniger Ersatztriebwerke und kann dadurch ihre Kosten senken."

Für die Ludwigsfelder ist aber nicht nur Schnelligkeit ein Trumpf im Wettbewerb mit anderen lizenzierten Instandsetzern. Bei der MTU Aero Engines mit den deutschen Standorten München (Sitz), Hannover und Ludwigsfelde lautet das Motto: reparieren statt ersetzen. Seit der Übernahme des brandenburgischen Werkes 1991 hat der Konzern allein hier mehr als 180 Millionen Euro investiert - einen Großteil davon in Reparaturtechnologien, die es erlauben, Altbauteile so aufzuarbeiten, dass auf den sehr teuren Kauf neuer Baugruppen oft verzichtet werden kann, ohne die Flugsicherheit im geringsten zu beeinträchtigen.

Eingeführt wurden unter anderem thermische Beschichtungsverfahren, mit denen Verdichterschaufeln ihre ursprüngliche Haltbarkeit zurückerhalten, spezielle Schweißtechniken sowie das Gleitsteinschleifen zum Veredeln und Verfestigen von Oberflächen. "Wir sind auch dabei, den Einsatz von Kompositwerkstoffen zu erhöhen", sagt Sinanian. In puncto Langlebigkeit und Qualität stünden die reparierten Teile und Baugruppen den neuen in nichts nach, seien in einigen Fällen sogar besser.

Flugzeugtriebwerke müssen in der Regel 30 Jahre halten. Allerdings werden sie in dieser langen Zeit oft runderneuert. Besonders häufig tauchen die Antriebe von Regionaljets in einem Maintenance-Betrieb (Wartungsunternehmen) auf, weil diese Flugzeuge pro Tag besonders viele Starts und Landungen bewältigen, also hohem Verschleiß ausgesetzt sind. Ein C34 bringt es im Schnitt auf 10 000 solcher Zyklen bis zur nächsten Instandsetzung, das entspricht zirka 15 000 Flugstunden.

Standbein Industriegasturbinen

Industriegasturbinen zur Stromerzeugung sowie als Antriebe für Pumpen oder Schiffswellen lassen sich dagegen viel schonender betreiben. Sie müssen nach 25 000 Betriebsstunden zum ersten Mal zur Wartung, wobei zunächst nur der "Heißteil" - Brennkammer und Turbine - instandgesetzt wird, nach 50 000 Stunden dann das gesamte Aggregat. 45 Prozent seines Umsatzes macht MTU in Ludwigsfelde mit der Reparatur von Industriegasturbinen der LM-Baureihe von General Electric. Solche Aggregate werden auch auf Öl-Plattformen sowie Förderfeldern für Gas und Öl zur Stromerzeugung und für das Betreiben von Pumpen eingesetzt.

Der brandenburgische Betrieb ist der weltweit größte unter den vom US-Konzern lizenzierten unabhängigen Instandsetzern derartiger Turbinen. Im Luftfahrtbereich repariert das Unternehmen neben den Regionaljet-Triebwerken von General Elec tric eine ganze Gruppe kleinerer Antriebe des Herstellers Pratt & Whitney Canada. Sie kommen vor allem in Geschäftsflugzeugen zum Einsatz. Für Vertrieb und Kundenbetreuung haben MTU und der kanadische Partner ein Gemeinschaftsunternehmen gebildet - das Pratt & Whitney Canada Customer Service Centre Europe mit Sitz in Ludwigsfelde.

Mehrere Testeinrichtungen

Der brandenburgische Standort verfügt über mehrere Testeinrichtungen für die verschiedenen Turbinen. Die jüngste davon wurde als weltweit einziger Serienprüfstand für Triebwerke des Typs TP400-D6 errichtet. Diese Maschinen des Konsortiums Europrop International treiben den neuen Militärtransporter A400M an. Ihr Prüfstand gilt als einer der modernsten in der gesamten Luftfahrtbranche. Die Auslieferung der Turbopropantriebe erfolgt ausschließlich in Ludwigsfelde.

Sinanian sieht das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt. Sowohl bei Industriegasturbinen als auch bei Flugantrieben gebe es derzeit ein jährliches Marktwachstum von vier bis sechs Prozent. Und der brandenburgische Standort habe 2012 sogar schneller als der Markt zugelegt.