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| 01:30 Uhr

Fußball-EM lockt Lausitzer Firmen

Als Ausrichter der Fußball-Europameisterschaft 2012 will Polen seine Infrastruktur stark ausbauen. Von den Milliarden-Investitionen in den kommenden Jahren wollen auch Lausitzer Unternehmen profitieren. Von Michel Havasi

Stabile, ebene Betonfußböden sind das Markenzeichen der Estrichbau Orbanz & Lorenz GmbH aus Alt-Zauche (Oberspreewald-Lausitz). Das Geschäft mit dem flüssigen Zement lief in den vergangenen drei Jahren gut. Der Umsatz sei stetig gestiegen und durchbrach im Vorjahr die Vier-Millionen-Marke, sagt Bert Orbanz. Der 30-jährige Diplom-Ingenieur bearbeitet die Angebote und verwaltet den Einkauf im Lausitzer Familienbetrieb. Um weiter zu wachsen, wollen die Spreewälder ihr Auslandsgeschäft Schritt für Schritt ausbauen. Erste Referenzen in Irland, Dänemark und Italien hätten sie bereits vorzuweisen. "Nun suchen wir in Polen einen Kooperationspartner aus dem Handwerk", sagt Orbanz. Helfen soll dabei die von der Handwerkskammer (Hwk) Cottbus und der polnischen Außenhandelskammer (AHK) organisierte Unternehmerreise. Am morgigen Sonntag geht es los. Das Ziel: die Stadt Wroclaw (Breslau), einer der Spielorte der Fußball-Europameisterschaft 2012. Die Universitätsstadt war schon immer eine wirtschaftliche Hochburg und sieht sich selbst als "Lokomotive der Entwicklung Niederschlesiens". In den vergangenen Jahren sei viel Geld in die Modernisierung der Stadt gesteckt worden, berichtet Iwona Makowiecka, Leiterin der Wroclawer AHK-Außenstelle. Der Investitionshaushalt der Stadt für das laufende Jahr beträgt nach eigenen Angaben rund 1,6 Milliarden Zloty (367 Millionen Euro). Unter anderem sollen der Flughafen und Straßen ausgebaut und Häuser saniert werden. Für das neue EM-Stadion sind mehr als 100 Millionen Euro veranschlagt. Großes AuftragspotenzialDoch nicht nur in Wroclaw bewegt sich derzeit viel, das ganze Land rüstet sich für die EM. "Obwohl schon fünf Jahre in der EU, hat Polen noch einiges nachzuholen, um die westlichen Standards zu erreichen", sagt Lars Bosse, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer. Das betrifft vor allem die Infrastruktur wie Autobahnen, Flughäfen, Straßen oder Telekommunikation. Hier hätten deutsche Unternehmen mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how große Chancen. Die rechnet sich auch das Cottbuser Ingenieurbüro Fleischhauer aus. Polen habe einen großen Bedarf an Kommunikations-Technologien, sagt Geschäftsführer Wolfgang Noack. Seit geraumer Zeit sucht der Spezialist für Kommunikations-, Sicherheits- und Medientechnik einen Weg auf den polnischen Markt. Bislang ist ein Student der "heißeste Draht" ins Nachbarland. "Er hat bei uns im Vorjahr ein Praktikum absolviert und beendet demnächst sein Studium der Medientechnik", so Noack. In diesem Segment will das Ingenieurbüro Aufträge aus Polen an Land ziehen. Die Hwk-Reise solle dazu dienen, erste Kontakte mit möglichen Kooperationspartnern zu knüpfen.Die Chancen stehen dafür nicht schlecht, wie die Cottbuser Handwerkskammer einschätzt. In Polen stecke ein großes Auftragspotenzial auch für kleine und mittlere südbrandenburgische Betriebe, erklärt Hwk-Unternehmensberater René Grund. Auch die Dresdner Handwerkskammer registriert in ihrem Bezirk ein wachsendes Interesse, wie Außenwirtschaftsberaterin Katja Schleicher sagt. "Wir geben nur die Initialzündung. Was sich konkret daraus entwickelt, liegt an den Betrieben selbst." Ungünstiger ZeitpunktDie Zeichen für erfolgreiche Geschäfte in Polen standen allerdings auch schon einmal günstiger. So zumindest beurteilt es die polnische Handelskammer. "Die Chancen für deutsche Handwerker hatten im Sommer vergangenen Jahres ihren Höhepunkt erreicht", sagt Lars Bosse. Wegen der Stärke der polnischen Währung seien deutsche Produkte und Dienstleistungen preislich sehr konkurrenzfähig gewesen. Da der Zloty aber innerhalb des vergangenen halben Jahres fast um die Hälfte an Wert gegenüber dem Euro eingebüßt hat, müssten deutsche Handwerker nun wieder vor allem auf Sekundärtugenden wie Genauigkeit und Termintreue aufbauen, resümiert Bosse.