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| 10:25 Uhr

Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung
Konjunkturforscher erwarten mehr Wachstum

Exklusiv | Berlin. Mehr Wachstum, weniger Arbeitslose, hohe Überschüsse: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute heben ihre Konjunkturprognosen an.

Mehr Wachstum, weniger Arbeitslose, hohe Überschüsse: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute heben ihre Konjunkturprognosen an.

Das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr statt der noch im Herbst erwarteten 2,0 nun um 2,2 Prozent zulegen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung hervorgeht. Für kommendes Jahr wird die Prognose von 1,8 auf 2,0 Prozent erhöht.

"Der Boom, in dem sich die deutsche Wirtschaft befindet, hält an", sagte der Leiter der Konjunkturforschung des federführenden Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser. "Allerdings wird die Luft dünner, da die noch verfügbaren gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten knapper werden."

Die gute Konjunktur kommt auch am Arbeitsmarkt an: Die Zahl der Erwerbslosen soll in diesem Jahr auf rund 2,3 Millionen fallen und damit erstmals seit der Wiedervereinigung unter der Grenze von 2,5 Millionen liegen. 2019 sollen es dann 2,2 Millionen sein. Die Zahl der Beschäftigten soll bis dahin auf das Rekordniveau von rund 45,3 Millionen steigen. Das wären eine Million mehr als 2017.

Staat dürfte laut der Forscher Rekordüberschuss erzielen

Auch beim Staat macht sich der Aufschwung immer mehr bemerkbar: Er soll in diesem Jahr einen Rekordüberschuss von fast 38 Milliarden Euro erzielen, der im kommenden Jahr ähnlich hoch ausfallen dürfte. "Gerade wenn die Kassen voll sind, sollte die Finanzpolitik die Konsequenzen für die gesamtwirtschaftliche Stabilität und die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen im Blick haben", sagte Wollmershäuser. "Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Leistungsausweitungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung laufen dem Nachhaltigkeitsgedanken zuwider."

Der Boom wird den Experten zufolge wohl nicht in eine starke Inflation münden: Die Institute gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in Deutschland sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr unter zwei Prozent verharrt. Die EZB strebt für die gesamte Euro-Zone knapp zwei Prozent an, den für sie optimalen Wert für die Wirtschaft.

Wegen der Exportstärke dürfte der Überschuss in der Leistungsbilanz in beiden Jahren bei jeweils rund acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Die EU-Kommission sieht bereits Werte ab sechs Prozent als stabilitätsgefährdend an, da Ländern mit Überschüssen Staaten mit hohen Defiziten gegenüberstehen.

Die Gemeinschaftsdiagnose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigene Prognosen, die kommende Woche veröffentlicht werden sollen. Beteiligt an dem Gutachten sind das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle.

(das/REU)