| 02:40 Uhr

Früchtemangel – Desaster für Mostereien

Weniger Äpfel bedeuten natürlich auch weniger Most in diesem Jahr in den Flaschen.
Weniger Äpfel bedeuten natürlich auch weniger Most in diesem Jahr in den Flaschen. FOTO: dpa
Cottbus. Spreewälder reden von der schlechtesten Saison bei der Verarbeitung von einheimischem Obst. In Ostsachsen setzen Mostereibetreiber auf neue Ideen. Hannelore Grogorick

Für die Lausitzer Mostereien ist der diesjährige Früchtenotstand ein Desaster. Der späte Frost im Frühjahr 2017 hat den zeitigen Obstblüten fast flächendeckend den Garaus gemacht. "Bei Kirschen und Johannisbeeren gibt es einen Komplettausfall, die Erträge vom Rhabarber waren sehr niedrig", sagt Verena Hentschel. Die Ernst Hentschel Spreewälder Sauerkonserven und Fruchtsaftbetrieb GmbH Lübbenau hat ein schlechtes Mostereijahr wie noch nie zuvor zu erwarten. "Als mein Mann im Jahr 2012 den Betrieb von seinem Vater übernahm, konnten wir uns vor Obst nicht retten", erinnert sich Verena Hentschel. "Da sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Aber an so große Ertragsausfälle wie in diesem Jahr können sich selbst Lohnkunden, die schon ewig zu uns kommen, nicht erinnern."

Auf den Obstplantagen sei ein Verlust in Höhe von 90 Prozent zu verbuchen. "Hatte ich in anderen Jahren bis zu diesem Zeitpunkt schon etwa 15 Tonnen Obst verarbeitet, so ist es jetzt erst eine." Die Hoffnung liege auf Quitten, deren Früchte jetzt erst reifen, sowie auf späten Sorten Äpfel und Birnen.

Darauf hofft auch Stefan Budischin von der Mosterei Werben im Spreewald. "Auch für uns ist es eine schleppende Saison, kein Vergleich zu anderen Jahren. Die Produktion ist massiv eingebrochen", sagt Budischin, der die Mosterei im Nebenerwerb betreibt. Er rechnet mit 70 Prozent Produktionseinbruch gegenüber anderen Jahren.

Sven Preusche von der Obstmosterei am Silbersee in Lohsa sieht es dagegen gelassen: Hier wurden in diesem Jahr zwar auch erst zehn Tonnen statt der bislang üblichen 60 bis 80 Tonnen Obst verarbeitet. Aber die Natur sei nicht berechenbar, im kommenden Jahr würde es schon weitergehen. "Trauern hilft nicht", sagt Preusche, der die Mosterei mit seiner Frau Kerstin im Nebenerwerb betreibt. Katastrophen würden ja auch oft viel Neues, Kreatives hervorbringen. "Wir suchen immer nach neuen Wegen", sagt Preusche. Sie wären immerhin auch als Erste in Ostsachsen mit einer mobilen Mosterei unterwegs gewesen. Unter dem Motto "Du trinkst, was du bringst" können die Leute da zuschauen, wie sich ihr eigenes Obst in Saft verwandelt. Auf einem sechs Meter langen Anhänger werde das Obst gewaschen, gespalten, gepresst, gefiltert, erhitzt und abgefüllt. "Jetzt haben wir schon wieder Ideen fürs kommende Jahr. Wir wollen uns mit unseren Angeboten aus dem Gewöhnlichen hervorheben", sagt Sven Preusche.

Ihre mobile Obstmosterei soll am 8. Oktober von 10 bis 17 Uhr auf dem Hof der Medienscheune Höckendorf (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) Station machen - vorausgesetzt, es kommen insgesamt 1,5 Tonnen zusammen. Deshalb müssten sich Interessierte auch vorher anmelden, damit es einen Überblick gibt.

Dass es die schlechteste Saison sei, das will Preusche für die Region am Silbersee nicht bestätigen. "Im Jahr 2010 war es so ähnlich. Wir sind verwöhnt von den warmen Wintern", sagt Preusche. Neue Ideen zur Kundenbindung wären für ihn aber nicht vom Wetter abhängig.

Den akuten Früchtenotstand in der Traditionskelterei Hosena trägt Geschäftsführer Jan Rolla mit Fassung, sagte er gegenüber der RUNDSCHAU. Der Ernteausfall durch die extremen Frostschäden in den Kleingärten wird von Obstbauern - vor allem aus dem Anbaugebiet um Dresden - ausgeglichen, mit denen der heimische Säftehersteller kooperiert.

Den professionellen Erzeugern war es gelungen, dem Wetter zu trotzen. Die gefährdeten Apfelblüten waren beispielsweise vor dem Frost mit Wasser eingenebelt worden, das einen hauchdünnen Eispanzer bildete, der als Schutz ausreichte. Etwa zwei Grad Celsius unter der Null-Marke hält die Obstblüte aus, bestätigt Jan Rolla. Deshalb ist von den klassischen Anbaubetrieben zwar auch eine unterdurchschnittliche, aber trotzdem noch gute Apfelernte zu erwarten.