Rohre, die verstopft sind, können Schaden anrichten. Zumindest wird die gewünschte Versorgung beispielsweise mit Wasser oder Gas unterbrochen. Wenn es schlimmer kommt, platzt die Leitung. Diese Gefahren bestehen nicht nur im Haushalt. Noch wichtiger ist eine reibungslose Versorgung in der Industrie. Schon kleine Ablagerungen an den Innenseiten verengen die Rohre und verringern damit den Durchfluss.
Gerald Kulke, Geschäftsführer der Uniror Universal-Rohrreinigungs GmbH, hat sich vor allem diesem Industriebereich angenommen. „Das war schon manchmal richtig spannend“, sagt er rückblickend. Als er um Mithilfe bei der Reinigung der Brauchwasserleitung vom Tagebau Nochten für das Kraftwerk Schwarze Pumpe gebeten wurde, habe er zunächst geprüft, ob er ausreichend versichert ist. „Wenn acht Stunden kein Wasser fließt, muss das Kraftwerk vom Netz.“
Heute säubert Uniror diese Leitung, die sieben Kilometer lang ist und einen Durchmesser von 1,2 Metern hat, „alle fünf Wochen und zwar bei laufendem Betrieb“. Dabei bringen die Forster Spezialwerkzeuge zum Einsatz, die die Fachwelt Molche nennt. Für kleine Rohre ähneln sie einem Zäpfchen, für große sehen sie aus wie zu kurz geratene Litfaßsäulen. Im Kern bestehen sie aus Polyurethan-Schaumstoff. Die Außenwand der Molche kann mit Stiften gespickt werden, die abhängig von Rohr und Verschmutzungsgrad im Material variieren. Diese Stifte kratzen den festgesetzten Dreck ab.
Die Molche werden über eine eigens eingerichtete Abzweigung in die Rohrleitung eingeschleust. Im Fall der Brauchwasserleitung drückt das Wasser den Molch durch das Rohr. Bei einer Gasleitung wird das Gas kurzfristig abgedreht und der Molch von einem Wasser-Luft-Gemisch vorangetrieben.

Anspruchsvolle Technologie
„Da steckt eine ganze Menge Technologie dahinter“, betont der Uniror-Chef. Er weiß, wovon er redet. „Wir haben irgendwann selbst angefangen, zu forschen und zu entwickeln.“ Das Resultat: Heute produziert Uniror eigene Molche. Das sei sehr viel preiswerter. Zudem könne so optimal auf spezielle Anforderungen reagiert werden. Kulke: „Molche von der Stange bringen das nicht.“ Geholfen dabei habe die BASF. Aus Schwarzheide komme auch das Polyurethan.
Die Forster reinigen „Rohre aller Dimensionen“. Bei einem Durchmesser von 35 Millimetern lassen sie sich genauso wenig aus der Ruhe bringen wie bei 1200 Millimetern. Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften in der Lausitz gehören zur Stammkundschaft. Die Industrie entwickelt sich dennoch immer mehr zu dem Auftraggeber, bei dem die Reinigungsprofis ihre ganze Stärke ausspielen können.
So sorgt Uniror im Auftrag von Vattenfall Europe Mining, der ehemaligen Laubag, für einen ungestörten Wasserfluss in den Entwässerungssystemen der Lausitzer Tagebaue. Im Dienst des Bergbausanierers LMBV werden Kanäle für die Tagebauflutung sauber gehalten. Und beim Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum in Schwarze Pumpe, beim Chemie-Konzern PCK-Schwedt und den Stahlwerkern von Eko in Eisenhüttenstadt gewährleisten die Forster die nötige Durchlässigkeit von Leitungen.
Uniror hat sich nach Aussagen ihres Chefs gut auf dem Markt etabliert. Damit gibt er sich aber nicht zufrieden. Nun da das Know-how vorhanden sei, sehr leistungsfähige Spezialmolche herzustellen, will er diese auch verkaufen. Kulke spricht von einem „zweiten Standbein“, das er gerade aufbaut. Für den Fall, dass er die Produktion ausweiten könne, reifen sogar schon Pläne für einen Hallenanbau in seinem Kopf. Nicht nur die „äußerst positive Resonanz auf Fachmessen“ bestärke ihn dabei. Ebenso spreche für die Forster, dass es „keinen weiteren Molch-Produzenten in Deutschland“ mehr gibt.

Zahlen & Fakten Stetes Wachstum
Uniror in Forst wurde nach der Wende als Einmann-Betrieb gegründet. Nach stetem Wachstum zählt die Firma heute zehn Mitarbeiter. Der Umsatz im vergangenen Jahr betrug rund eine Million Euro.
Zwischenzeitlich half ein Partnerunternehmen aus Essen beim Aufbau des nötigen Know-hows. Seit 1996 ist Uniror wieder eigenständig.