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| 01:06 Uhr

Forster im Strukturwandel

In der Werkstatt in Forst konfektionieren die Mitarbeiter Christian Mrose (r.), Roland Ermel (vorn) und Jürgen Jänig (l.) Bremsschläuche.
In der Werkstatt in Forst konfektionieren die Mitarbeiter Christian Mrose (r.), Roland Ermel (vorn) und Jürgen Jänig (l.) Bremsschläuche. FOTO: Kundisch
Es ist der Strukturwandel, der die Forster treibt. Statt Tuche zu produzieren, mit denen die Familie Mrose vor über 100 Jahren ihre unternehmerische Zukunft begründete, setzen sie auf den technischen Fachgroßhandel für Industrie, Handwerk und Gewerbe. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fachhändlern ihres Metiers agieren sie jedoch überregional. Heute gehört ihr Unternehmen zu den größten seiner Art in Ostdeutschland, und es verfügt über eine eigene Produktionsstätte für Dichtungen in Staßfurt. Von Beate Möschl

Mit sieben Mann baute Geschäftsführer und Inhaber Max-Uwe Mrose nach der Reprivatisierung der Tuchfabrik in der Heinrich-Werner-Straße in Forst 1990 seinen technischen Großhandel auf. Heute beschäftigt die Mrose GmbH 42 Mitarbeiter. Hinzu kommen 14, die in der Güschu Stanzwerk GmbH Staßfurt (Sachsen-Anhalt) Dichtungen herstellen. „Man muss sich immer wieder etwas einfallen lassen, schnell sein, flexibel, zuverlässig und immer erreichbar“ , erklärt der Forster die Entwicklung.

Mehr als 2000 Kunden
Über 2000 Kunden versorgt der technische Fachgroßhändler. Darunter Großkonzerne wie die Deutsche Bahn, Vattenfall, Bombardier, die BASF, aber auch die Papierfabrik der Österreichischen W. Hamburger AG in Schwarze Pumpe, die Eisenhütte Ortrand, der einzige TV- und Computerglashersteller der neuen Länder, die Samsung Corning Deutschland GmbH in Tschernitz, die Falken Office Products GmbH in Peitz und die Keulahütte Krausch-witz. Die Mehrzahl der Kunden sind Mittelständler und Handwerker.
Die Bestelllisten der Forster schreiben Geschichten. Geschichten vom Durchbeißen heimischer Unternehmer, aber auch vom Scheitern. „1993 haben wir rund 35 Prozent unseres Umsatzes in Forst und 20 Kilometer Umkreis realisiert. Heute sind es nur noch knapp sechs Prozent“ , schildert Mrose. Der Zusammenbruch der Tuchproduktion in der Neißestadt, des Wäschereimaschinenbaus und des Heizungsbaus haben Spuren hinterlassen. Die Neißestadt gehört zu den strukturschwachen Regionen des Ostens. Auch die polnische Nachbarregion gilt als strukturschwach. Dennoch hat der Betrieb den Fuß im polnischen Markt, durch einen eigenen Vertriebsmann. „Das Geschäft braucht Zeit“ , sagt Mrose und spricht von einer „Investition in die Zukunft.“
Diese Zukunft wollen die Forster auf ihre Weise beschleunigen: „Wir planen, einen polnischen Lehrling bei uns zum Wirtschaftskaufmann auszubilden“ , verrät der Chef. Er weiß, dass Sprachkenntnisse und die Kenntnis der polnischen Mentalität „von innen“ wertvolle Wettbewerbsvorteile sind. Auch im Englischen müssen die Mitarbeiter bewandert sein. Im Internet präsentiert sich die Mrose GmbH dreisprachig.
„Heute kommt ein Viertel unseres Umsatzes aus den alten Bundesländern. In den neuen Ländern ist Sachsen das Zugpferd“ , schildert Mrose. Dort sind die Forster unter anderem Systemlieferant für den Chiphersteller AMD in Dresden. Auch die sächsischen Schienenfahrzeughersteller gehören zu ihren festen Kunden. Zu Bombardier gibt es eine besondere Beziehung, wie Verkaufsleiter Matthias Senftleben schildert: „Gemeinsam mit dem Gummihersteller Semperit und dem Görlitzer Bombardier-Werk haben wir ein Schlauchsystem entwickelt, das die neuen Brandschutzanforderungen der Deutschen Bahn erfüllt.“ Die Testreihen seien abgeschlossen, im Januar könne die Produktion freigegeben werden. Die Forster werden die Schläuche in ihrer eigenen Werkstatt konfektionieren. Für die Görlitzer sollen sie Exklusivlieferant werden, wie Senftleben sagt. Das Know-how wollen sie aber auch anderen Schienenfahrzeugherstellern und der Bahn anbieten. Einen guten Namen hat die Firma Mrose bereits. Sie gehört zu den wenigen von der Deutschen Bahn zugelassenen Betrieben, die Bremskomponenten aufarbeiten dürfen.

Dichtungsproduktion in Staßfurt
1997 erwarb die Mrose GmbH mit einem Firmenkonsortium die Stanztechnik in Staßfurt. Heute ist sie alleiniger Gesellschafter des Dichtungsherstellers und zufrieden mit der Flexibilität, die die eigene Produktion sichert. „Etwa 80 Prozent der Dichtungen für Motor-, Getriebe- Kühlungs- und Lüftungstechnik müssen individuell gefertigt werden“ , erklärt Senftleben. Was in Staßfurt produziert wird, ist unter anderem für Kraftwerke in der Lausitz bestimmt, für die BASF und Eko Eisenhüttenstadt. Auch aus Polen, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und der Schweiz kommen inzwischen Anfragen.
„Es sind die Nähe zum Markt, die maßgeschneiderten Lösungen und deren schnelle Umsetzung, die einen guten Fachhändler auszeichnen“ , betont Uwe Mrose. Dafür drücken die Mitarbeiter regelmäßig die Schulbank, kümmern sich Ingenieure und Konstrukteure um neue Entwicklungen in der Anwendungstechnik. Im neuen Jahr soll zudem ein Internet-Shop eröffnet werden. So geben die Forster dem Wandel Struktur.

Hintergrund Technischer Handel und Industriebedarf
Die Mrose GmbH Forst ist Vollsortimenter im technischen Handel mit Antriebstechnik, Normteilen und Werkzeugen, Gummierzeugnissen, Arbeitsschutzausrüstungen, Maschinenverleih und TÜV-Überprüfungen sowie Dichtungen aus eigener Produktion und konfektionierten Schlauchsystemen.
Abgerundet wird das Angebot durch Klebstoffe, Schmiermittel, chemische Produkte und Hilfsmittel. Ein eigener Fuhrpark und die Zusammenarbeit mit ausgewählten Speditionen sichert pünktliche Zulieferungen.
Im Trend liegen elektronische Konsignationslager, die vom Händler beim Kunden eingerichtet werden. Der Kunde holt sich dort selbstständig Werkzeuge oder Arbeitsschutzbekleidung. Das wird per Scanner registriert, sodass Bezahlung und Auffüllen gesichert sind. Solche Lager richtete Mrose in der Mattig & Linder GmbH Forst und in der Eisenhütte Ortrand ein.