In Windeseile rattert das Papier durch die Druckmaschine, erhält Schicht für Schicht Farben, Buchstaben, Zahlen. "Maximal fünf Gramm Farbe werden bei hundertprozentiger Deckung pro Quadratmeter aufgebracht", erklärt Produktionsleiter Torsten Schumacher. Trotz dieser geringen Menge verbrauche die Druckerei monatlich zwischen 500 und 600 Litern Farbe. Allein an einem Tag werden in Hosena rund 100 000 Quadratmeter Papier und Folien verarbeitet, hat Geschäftsführer Volker Berg ausgerechnet. Das macht täglich im Durchschnitt rund 20 Millionen Etiketten. Sie gehen an Kunden wie die Fluggesellschaft Lufthansa, die Molkerei Müller Milch und den Elektrokonzern Siemens. "Es gibt kein Auto, in dem kein Etikett von Clever enthalten ist", sagt der Firmenchef.

In den vergangenen 15 Jahren ist sein Unternehmen vom kleinen Garagenbetrieb zu einer Größe in der Branche gewachsen. Inzwischen gehören sechs Partnerunternehmen - davon fünf in Deutschland und eines in Polen - zur Clever-Gruppe. Gemeinsam wurde 2007 Berg zufolge ein Umsatz von rund 65 Millionen Euro erzielt. Ein Jahr zuvor waren es noch etwa 50 Millionen Euro.

Der Standort Hosena sei der innovativste und umsatzstärkste, sagt der Geschäftsführer. Rund 100 Menschen sind derzeit in dem Unternehmen beschäftigt. Zehn Druckmaschinen laufen dort im Drei-Schicht-System und werfen im Sekundentakt Etiketten für Knäckebrot, Autoteile, Getränke und mehr aus.

Der Markt für die bunten und hochwertigen Produkte wächst. "Es gibt immer mehr Single-Haushalte und damit immer mehr und kleinere Verpackungen", sagt Berg. Die Hüllen würden vielseitiger und spezieller. Das stellt neue Anforderungen an die Etiketten. Das bestätigt auch Klemens Ehrlitzer, Geschäftsführer des Verbandes der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnconverter, in dem eigenen Angaben zufolge rund 90 Etikettendruckereien aus Deutschland organisiert sind. Ehrlitzer sieht für Haftetiketten einen globalen Wachstumsmarkt. Besonders hohe Zuwachsraten gebe es für Folienetiketten. "Folien sind haltbarer", nennt Ehrlitzer einen der Vorteile und verweist als Beispiel auf die Automobilindustrie: "Jeder Pkw hat zwischen 200 und 300 Etiketten im Motorraum. Teilweise ersetzen diese Typenschilder und müssen jahrelang halten. Das schafft man mit Papier nicht."

Von der steigenden Nachfrage nach Folienprodukten wollen auch die Hosenaer profitieren und gehen deshalb eine enge Kooperation mit einem Neuling in der Branche ein: der Clever Foliendruck GmbH aus Senftenberg. Rund acht Millionen Euro wurden nach Angaben von Geschäftsführer Ulf Schütte in den vergangenen Monaten auf dem Firmengelände im Gewerbegebiet Brieske investiert. In der 3600 Quadratmeter großen Halle sollen zunächst drei Druckmaschinen aufgebaut werden. "Wir wollen Mitte Oktober mit der Produktion starten", so Schütte, der jahrelang als Unternehmensberater tätig war. Zu den ersten Produkten zählten neben Verpackungen für einen niederländischen Käsehersteller auch Schlauchbeutel für Radieschen und Fleischverpackungen.

Die Technik, mit der künftig in Brieske produziert wird, soll dem jungen Unternehmen einen Vorsprung am Markt sichern. "Wir haben in Holland eine Maschine bestellt, die es derzeit in Europa so noch nicht gibt", erklärt Ulf Schütte. Sie sei unter anderem zu einem neuen Verfahren in der elektronischen Trocknung in der Lage. Damit könne schneller und umweltfreundlicher produziert werden, so der Geschäftsführer.

Rund 30 Arbeitsplätze will Schütte in dem neuen Betrieb schaffen und sucht derzeit noch Offset-Drucker. Wenn das Geschäft brummt, sei eine Erweiterung durchaus möglich. "Wir können in der bestehenden Halle noch einmal vier Millionen Euro investieren. Außerdem ist auf dem Firmengelände der Bau einer zweiten Halle möglich", sagt der 38-Jährige, der seit acht Jahren in der Verpackungsbranche tätig ist.

Noch steht sein Schreibtisch im Büro von Volker Berg. Die Nähe ist gewollt. "Die Foliendruckerei hat sich auf unsere Initiative in Senftenberg angesiedelt", sagt der Chef des Hosenaer Werkes. Die beiden Geschäftsführer kennen sich seit Jahren und erhoffen sich Synergien durch die Kooperation beider Firmen. "Wir stellen unseren guten Namen zur Verfügung und sichern uns auf der anderen Seite das Know-how im Foliendruck", umreißt Berg die Geschäftsbeziehung. "Wer Etiketten braucht, braucht auch Verpackungen und umgekehrt", sagt Schütte. Für Kunden biete die Zusammenarbeit beider Firmen unter anderem den Vorteil, dass sie alles aus einer Hand bekommen.

Mit dem Folienpartner im Rücken wollen sich die Hosenaer neue Kunden sichern. Mehr Umsatz erhofft sich Berg aber auch durch den Ausbau zweier Geschäftsfelder, an denen Clever Etiketten bisher nur einen geringen Anteil hat. So sollen in Hosena künftig mehr Erzeugnisse für die Pharmabranche hergestellt werden. Zudem will das Unternehmen nach Angaben des Geschäftsführers verstärkt kleinere Auflagen an Etiketten für verschiedene Abnehmer drucken. Denn eine der Stärken, mit denen der Südbrandenburger Betrieb für sich wirbt, ist Flexibilität. Vom Auftragseingang bis zum fertigen Etikett dauere es im Durchschnitt zwei bis drei Tage, sagt Produktionsleiter Schumacher. Für Volker Berg könnte alles noch ein bisschen flinker gehen. Denn sein Motto gegen die Konkurrenz heißt: "Schneller, höher, weiter."