ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:02 Uhr

Finnen mischen den Sportartikelmarkt auf

Adidas, Nike und Co. müssen sich warm anziehen. Denn ein aufstrebender Konkurrent aus Finnland will sie zumindest im Sportgerätebereich überflügeln – so, wie es bereits Nokia in der Handy-Sparte schaffte. Von Nokia lernen heißt für den Sportausrüster Amer Sports aus dem Land der vielen tausend Seen vor allem, Erster werden zu wollen. Von Thomas Borchert

"Wenn Nokia sich vom Gummistiefelhersteller zum größten Handy-Anbieter der Welt entwickeln konnte, dann werden wir auch die weltweite Nummer eins bei den Sportausrüstern", verkündet Amer-Chef Roger Talermo in Helsinki und fügt hinzu: "Wir sind fest entschlossen, dieses Ziel sehr schnell zu erreichen." Mit den Ende der 80er-Jahre übernommenen Tennis- und Golfschlägern der US-Tochter Wilson und dem 1994 hinzugekauften Skihersteller Atomic verfügen die Nordeuropäer schon seit längerem über zwei Markennamen mit globaler Durchschlagskraft.

Expansion durch Zukäufe
Dass den Namen des Mutterunternehmens kaum jemand außerhalb Finnlands kennt, ist für Talermo deshalb "völlig egal". Einen gewaltigen Sprung nach vorn hat Amer Sports in den vergangenen Jahren mit dem Zukauf von Precor, dem größten US-Hersteller von Fitnessgeräten, gemacht. Vorläufiger Abschluss der Expansion war die Übernahme des finnischen Messinstrumente-Herstellers Suunto.
Mit einem Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro (2003), einem Gewinn von 117,7 Millionen Euro und 4000 Beschäftigten gehören die Nordeuropäer gegenüber den Riesen der Sportbranche wie Nike und adidas ganz bestimmt nicht zu den ganz Großen. "Aber wir konzentrieren uns bewusst nur auf Sportgeräte ohne Kleidung, und da liegen wir schon ganz weit vorn", meint Talermo. Die eigene "Kriegskasse" sei für weitere Zukäufe mit derzeit 400 Millionen Euro bestens gefüllt.
Die Begeisterung in Helsinki über weltweit zweistellige Wachstumsraten auf dem Markt für Fitness-Geräte erfährt freilich einen Dämpfer, wenn das Stichwort Deutschland fällt. "Nirgends sind die Verbraucher so verunsichert wie hier", sagt Talermo über den drittgrößten europäischen Amer-Markt mit deutlich niedrigeren Zuwachsraten als in anderen Ländern. Wohl nicht nur, weil die Europazentrale des Konzerns in München angesiedelt ist, wünscht sich der Amer-Chef für die Deutschen "so viel Vertrauen in die Zukunft, wie die Nordeuropäer immer und die Österreicher wieder haben".

Satelliten-Ortung für Sportler
Genau wie Nokia, wo man früher auch nur Gummistiefel für Finnlands Bauern fertigte, hat Amer als ursprünglicher Tabakgroßhändler nicht unbedingt ein Hightech-Image in die Wiege gelegt bekommen. Umso massiver setzen die Finnen jetzt auf die Technikgläubigkeit zahlungskräftiger Kundschaft. "Bei Sportinstrumenten wird immer entscheidender, wer die besten Software-Applikationen anbietet", berichtet Dan Colliander, Chef bei Suunto. Die jüngste Amer-Tochter bietet computerisierte Sportuhren aller Art an, mit GPS-Satelliten-Orientierungshilfe (Global Position System) für Querfeldeinläufer oder desorientierte Golfer als letztem Schrei.
Während Suunto alle Produkte komplett in Helsinki fertigt, lässt Amer Sports ansonsten wie in der Branche üblich weit gehend komplett in Asien oder in anderen Niedriglohnregionen produzieren. "Der China-Hype ist im Augenblick vielleicht ein bisschen übertrieben", sinniert Konzernchef Talermo. Aber nicht deshalb, sondern wegen der größeren Marktnähe werden alle Atomic-Skier in Bulgarien produziert.